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Safran: Wirkung, Dosierung und mehr – nicht (nur) zum Kochen

Safran (Crocus sativus) gehört zu den wenigen Pflanzenstoffen, bei denen sich traditionelle Anwendung und moderne Forschung in mehreren Bereichen überschneiden. Seit Jahrhunderten wird er bei Beschwerden eingesetzt, die heute unter Stimmungsschwankungen, innerer Unruhe, Verdauungsproblemen oder hormonell bedingten Syqqmptomen zusammengefasst werden.

Im heutigen Beitrag geht es um die medizinische Wirkung von Safran. Wir zeigen Ihnen, wofür bzw. wogegen er in welcher Form eingenommen werden kann, erklären die Wirkungsweisen, Dosierungsempfehlungen, ggf. Nebenwirkungen und beantworten weitere Fragen.

 

Zur Herkunft und (historischer) Verwendung: Was ist Safran?

Safran (Crocus sativus) stammt ursprünglich aus dem östlichen Mittelmeerraum und Westasien. Bereits in der Antike wurde er in Persien, Griechenland und im römischen Reich verwendet. Über Handelsrouten verbreitete sich die Pflanze später nach Europa und Asien.

Safran wurde (und wird) eingesetzt bei:

·       nervösen Beschwerden

·       Verdauungsproblemen

·       menstruationsbedingten Symptomen.

Diese Anwendungsgebiete bilden daher auch die Grundlage für die heutige wissenschaftliche Auseinandersetzung (Srivastava et al., 2010).

 

Was wir als Safran aus der Küche kennen, wird aus den getrockneten Narben der Blüte gewonnen. Diese sitzen an der Spitze des Griffels und dienen von Natur aus dazu, Pollen aufzunehmen.

Die Narben – auffällig rote, fadenförmige Strukturen in der Blütenmitte – werden von Hand geerntet und getrocknet. Pro Blüte entstehen nur drei dieser Fäden. Die aufwendige, dabei naturgemäß nicht sehr ertragreiche Ernte erklärt die Kostbarkeit (und Kostspieligkeit) des Endprodukts.

Safran gilt seit Jahrhunderten als eines der wertvollsten Gewürze überhaupt. Schon kleine Mengen verleihen Speisen eine intensiv goldgelbe Farbe, ein leicht herbes, warmes Aroma und einen fein bitter-süßlichen Geschmack.

Verwendet wird Safran traditionell z. B. in:

·       Reisgerichten (z. B. Paella)

·       Süßspeisen und Gebäck

·       Brühen und Saucen.

 

Inhaltsstoffe: Was sind die wirksamen Bestandteile von Safran?

Auffallend ist, dass die Inhaltsstoffe, die für Farbe und Aroma verantwortlich sind, auch die gesundheitsfördernden Effekte verantworten (Srivastava et al., 2010):

                 ·       Crosin

Crocin gehört zu den Carotinoiden und ist maßgeblich für die gelbe Farbe des Safrans verantwortlich.

Im Körper wird Crocin vor allem mit folgenden Effekten in Verbindung gebracht:

o   Einfluss auf Neurotransmitter, u. a. Serotonin und Dopamin, über die Stabilisierung der Signalübertragung im Gehirn

o   antioxidative Wirkung (Schutz vor oxidativem Stress in Nervenzellen)

o   neuroprotektive Effekte (Schutz von Nervenzellen).


·       Picrocrocin

Die Substanz, die für den leicht bitteren Geschmack verantwortlich ist und eine Vorstufe von Safranal darstellt. Die direkte Wirkung ist weniger gut untersucht, aber diskutiert werden:

o   Beteiligung an der Gesamtwirkung des Safrans

o   Einfluss auf Verdauungsprozesse (traditionelle Anwendung).


·       Safranal

Es entsteht beim Trocknen der Pflanze und ist hauptverantwortlich für den typischen Geruch.

Biochemisch wird Safranal vor allem mit folgenden Mechanismen in Verbindung gebracht:

o   Einfluss auf das GABA-System (wichtig für Entspannung und Reizdämpfung)

o   modulierende Wirkung auf das zentrale Nervensystem

o   Effekte auf Schlaf und Stressreaktionen.

 

Die Wirkung von Safran: Wie und wofür wird er eingesetzt?

Erhältlich sind standardisierte Extrakte in Kapsel- oder Tablettenform. Pulver sind nicht standardisiert, die Mengen der enthaltenen Inhaltsstoffe können sehr stark schwanken. Etwas seltener sind auch Tinkturen erhältlich.

Details zur heutigen medizinischen Anwendung (ohne Anspruch auf Vollständigkeit):

     ·       Safran bei Depressionen

Randomisierte Studien zeigen, dass Safran bei leichten bis moderaten depressiven Beschwerden zu einer Verbesserung dieser beitragen kann (Akhondzadeh et al., 2004; Noorbala et al., 2005).

In den klinischen Studien wurden meist 30 mg Safran-Extrakt pro Tag eingesetzt. (Üblicherweise aufgeteilt in zwei Portionen.)

In Übersichtsarbeiten wird Safran außerdem im Zusammenhang gebracht mit:

·       Angst

·       Schlaf

·       Stressreaktionen

(Lopresti et al., 2019).


·       Safran bei Fibromyalgie

Randomisierte, doppelblinde Studien zeigen, dass Safran bei Fibromyalgie zu einer Verbesserung von Schmerzen und Begleitbeschwerden wie Fatique und Schlafstörungen beitragen kann. Dabei erwies sich Safran als vergleichbar wirksam wie Duloxetin, ein häufig eingesetztes Medikament in der Fibromyalgie-Therapie.

Verwendet wurden i. d. R. 30 mg Safran-Extrakt täglich, aufgeteilt auf zwei Dosen (Shakiba et al., 2018).


·       Safran bei Gedächtnis- und Konzentrationsproblemen

Safran wird auch im Zusammenhang mit kognitiven Funktionen untersucht. Eine randomisierte Studie zeigte Verbesserungen sogar bei Patienten mit einer Alzheimer-Erkrankung.

Auch zu diesem Zweck werden meist 30 mg täglich verwendet, häufig als standardisierter Extrakt in Kapseln. Die Anwendung erfolgt über mehrere Wochen bzw. Monate (Akhondzadeh et al., 2010).


·       Safran bei sexueller Dysfunktion

Safran wurde auch im Zusammenhang mit sexueller Funktion untersucht. Randomisierte, doppelblinde Studien zeigen, dass Safran insbesondere bei antidepressiva-assoziierter sexueller Dysfunktion zu Verbesserungen beitragen kann. Dabei wurden u. a. Verbesserungen bei Erregung, Lubrikation und Reduzierung von Schmerz beschrieben. Die bereits anderweitig erwähnten 30 mg täglich führen vom Erfolg, wenn sie über mehrere Monate eingenommen werden (Modabbernia et al., 2012; Kashani et al., 2013).


·       Safran bei PMS

Studien-Ergebnisse zeigen, dass Safran beim prämenstruellen Syndrom sowohl psychische als auch körperliche Beschwerden reduzieren kann. Zweimal täglich 15 mg Safran-Extrakt für die Dauer mehrerer Monatszyklen sind erprobt (Agha-Hosseini et al., 2008).


·       Safran bei hormonellen Veränderungen

Schlafstörungen, Stress und depressive Verstimmungen sind typische Begleiterscheinungen hormoneller Veränderungen, weshalb Safran z. B. auch erfolgreich zur Linderung von Beschwerden während der Wechseljahre eingesetzt wird (vgl. Lopresti et al., 2019).

 

Medizinisch wirksame Mengen können in der Praxis nicht über die Nahrung aufgenommen werden.

Safran wird beim Kochen nur in sehr kleinen Mengen verwendet – meist wenige Fäden pro Gericht. Diese liefern zwar Aroma und Farbe, aber keine reproduzierbare Wirkstoffmenge. Hinzu kommt, dass der Gehalt an aktiven Substanzen wie Crocin oder Safranal stark schwanken kann.

 

Safran: Risiken und Nebenwirkungen?

Safran gilt in den in Studien verwendeten Dosierungen insgesamt als gut verträglich.

Dennoch können gelegentlich Nebenwirkungen auftreten (Akhondzadeh et al., 2004):

·       Magen-Darm-Beschwerden (z. B. Übelkeit, Verdauungsprobleme)

·       Kopfschmerzen

·       Schwindel

·       Müdigkeit oder Unruhe


·       In hohen Mengen (deutlich über 30 mg/täglich) kann Safran toxisch wirken (Srivastava et al., 2010).

 

Safran: Mehr als ein Gewürz ... eine Kostbarkeit!

Safran sollte weder überhöht noch unterschätzt werden.

Die Datenlage zeigt: Bestimmte Effekte sind nicht nur traditionell überliefert, sondern auch wissenschaftlich bestätigt. Entscheidend ist dabei die gezielte Anwendung in definierter Dosierung.

Gleichzeitig gilt: Safran wirkt nicht isoliert. Er greift in komplexe Prozesse ein – von Neurotransmittern über Stressreaktionen bis hin zur neuronalen Signalverarbeitung. Genau da kann er sinnvoll eingesetzt weden – beliebig ist er nicht.

 

FAQ – häufige Fragen zur medizinischen Verwendung von Safran

1. Ist Safran als Nahrungsergänzungsmittel teuer – lohnt sich der Kauf wirklich?

Safran gehört zu den teuersten Pflanzenstoffen, vor allem wegen der aufwendigen Ernte. Auch Extrakte sind entsprechend kostenintensiv. Je nach Qualität und Herkunft liegen die Preise im Großhandel meist bei ca. 1.500 bis 4.000 €/kg, im Einzelhandel teils noch höher (FAO, 2021). Da jedoch nur kleine Mengen täglich verwendet werden, relativieren sich die Kosten: 1 kg würde für über 30.000 Tagesdosen reichen, zumal für die pharmazeutische Weiterverarbeitung nie ausschließlich der Safranfaden verwendet wird. Der Kauf hochwertiger Produkte lohnt sich … und leert die Geldbörse nicht.

2. Wie schnell wirkt Safran bei Stimmung, Stress oder innerer Unruhe?

Die Wirkung setzt nicht sofort ein. In Studien zeigten sich erste Effekte meist nach bis zu Wochen, eine stabilere Wirkung nach bis zu 8 Wochen (s. o.). Entscheidend ist eine regelmäßige Einnahme. Die Wirkung zeigt sich generell eher schleichend.

3. Können Safran-Präparate eingenommen werden, wenn man Medikamente einnimmt?

Safran beeinflusst Prozesse im Nervensystem, insbesondere im Bereich von Neurotransmittern. Deshalb sollte eine Kombination mit Antidepressiva oder anderen zentral wirksamen Medikamenten vorab ärztlich abgeklärt werden.

4. Ist Safran für die langfristige Einnahme geeignet?

Die meisten Studien untersuchen Zeiträume von mehreren Wochen bis wenigen Monaten. In diesen Zeiträumen wurde Safran gut vertragen. Die Notwendigkeit und auch Ihren Willen zu einer langfristigen Einnahme sollten Sie individuell bewerten.

5. Kann Safran auch vorbeugend eingesetzt werden?

Studien beziehen sich überwiegend auf bestehende Beschwerden. Aufgrund seiner Effekte auf Stressregulation und Nervensystem ist eine vorbeugende Anwendung möglich, wissenschaftlich aber weniger gut dokumentiert.

 

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Quellen:

·       Srivastava, R. et al. (2010): „Crocin, safranal and picrocrocin: chemistry and pharmacology of saffron“, Pharmacognosy Reviews.

·       Akhondzadeh, S. et al. (2004): „Comparison of Crocus sativus L. and imipramine in the treatment of mild to moderate depression: a pilot double-blind randomized trial“, BMC Complementary and Alternative Medicine.

·       Noorbala, A. A. et al. (2005): „Hydro-alcoholic extract of Crocus sativus L. versus fluoxetine in the treatment of mild to moderate depression: a double-blind randomized pilot trial“, Journal of Ethnopharmacology.

·       Lopresti, A. L. et al. (2019): „Efficacy of a standardized saffron extract (affron®) on symptoms of depression, anxiety and stress: a randomized, double-blind, placebo-controlled trial“, Journal of Affective Disorders.

·       Shakiba, M. et al. (2018): „Saffron (Crocus sativus) versus duloxetine for treatment of patients with fibromyalgia: a randomized double-blind clinical trial“, Avicenna Journal of Phytomedicine.

·       Akhondzadeh, S. et al. (2010): „Crocus sativus L. extract in the treatment of mild to moderate Alzheimer’s disease: a 16-week, randomized and placebo-controlled trial“, Journal of Clinical Pharmacy and Therapeutics.

·       Modabbernia, A. et al. (2012): „Effect of saffron on fluoxetine-induced sexual impairment in men: randomized double-blind placebo-controlled trial“, Psychopharmacology.

·       Kashani, L. et al. (2013): „Saffron for treatment of fluoxetine-induced sexual dysfunction in women: randomized double-blind placebo-controlled study“, Human Psychopharmacology.

·       Agha-Hosseini, M. et al. (2008): „Crocus sativus L. in the treatment of premenstrual syndrome: a double-blind, randomized and placebo-controlled trial“, BJOG: An International Journal of Obstetrics and Gynaecology.

·       Food and Agriculture Organization (2021): „Saffron market overview and value chain analysis“, FAO.