Fettleber: Ursachen, Symptome und was der „neue“ Begriff MASH bedeutet
Die Fettleber gehört zu den häufigsten Veränderungen der Leber und wird häufig im Zusammenhang mit Stoffwechselstörungen diskutiert. Lange galt sie vor allem als Randthema oder als Begleiterscheinung von Übergewicht – heute wird sie zunehmend als eigenständiges medizinisches Problem verstanden.
Auch die Terminologie, mit der die Erkrankung beschrieben wird, hat sich geändert. Begriffe wie „nicht-alkoholische Fettleber“ werden in der Fachliteratur zunehmend durch neue Bezeichnungen ersetzt. Insbesondere die Begriffe MASLD und MASH stehen für dieses veränderte Verständnis. Und hinter diesen Änderungen steckt mehr als eine bloße Umbenennung.
Wenn eine Leber zur Fettleber wird: Welche Rolle spielt der Stoffwechsel?
Von einer Fettleber spricht man, wenn sich Fett in den Leberzellen einlagert. Dieser Zustand wird als „hepatische Steatose“ bezeichnet und kann Teil eines Krankheitsverlaufs sein, der auch entzündliche Veränderungen umfasst. Sie kann aber auch ohne Entzündung bestehen. Die Fettleber steht im Zusammenhang mit metabolischen Veränderungen.
Dazu zählen insbesondere:
· Insulinresistenz
Diese Faktoren sind eng mit der Entstehung der Erkrankung verknüpft und prägen ihre heutige Einordnung (Powell et al., 2021).
Symptome einer Fettleber: Warum die Erkrankung anfangs oft unbemerkt verläuft?
Die Fettleber kann ohne klar erkennbare Symptome verlaufen. Wenn Beschwerden auftreten, sind sie meist unspezifisch und lassen keine eindeutige Zuordnung zu. Deshalb wird die Erkrankung häufig erst im Rahmen medizinischer Untersuchungen festgestellt (Westfall et al., 2020; Powell et al., 2021).
Umbenennung der Fettleber: MASLD und MASH erklärt
In der Fachliteratur wurde die bisherige Bezeichnung der Fettleber, „nicht-alkoholische Fettleber“ (von Non-alcoholic fatty liver disease, NAFLD) durch eine neue Terminologie ersetzt. Denn dieser Begriff definierte die Erkrankung im Wesentlichen über einen Ausschluss: Gemeint war eine Fettleber, die nicht durch einen relevanten Alkoholkonsum verursacht worden war. Genau dieser Ansatz wurde zunehmend kritisiert, da er die eigentliche Ursache – nämlich metabolische Störungen – nicht in den Mittelpunkt stellte.
Vor diesem Hintergrund wurde 2023 im Rahmen eines internationalen Konsensus eine neue Terminologie eingeführt. Der zentrale neue Begriff lautet MASLD, was für Metabolic dysfunction-associated steatotic liver disease steht. Eine „mit Stoffwechselstörung im Zusammenhang stehende Fettlebererkrankung“.
Damit verschiebt sich der Fokus deutlich: Die Erkrankung wird nicht mehr über das definiert, was sie nicht ist, sondern über das, was sie tatsächlich kennzeichnet – eine metabolische Dysfunktion, die häufig mit entsprechenden Krankheitsbildern einhergeht.
Innerhalb dieses Spektrums wird weiterhin zwischen unterschiedlichen Verlaufsformen unterschieden. Eine zentrale Rolle spielt dabei der Begriff MASH. Das steht für Metabolic dysfunction-associated steatohepatitis und bedeutet: „Mit Stoffwechselstörung im Zusammenhang stehende entzündliche Fettlebererkrankung“.
(Rinella et al., 2023)
Diese Verlaufsform mit entzündlichen Veränderungen ist klinisch relevant, da sie mit einem erhöhten Risiko für eine fortschreitende Leberschädigung verbunden ist. (Dazu kommen wir noch detailierter.)
Außerdem wird die Fettleber häufig mit Adipositas (krankhaftem Übergewicht) in Verbindung gebracht. Dieses Bild greift jedoch zu kurz. Auch Menschen, die äußerlich schlank oder körperlich fit erscheinen, können betroffen sein – ein Phänomen, das in der Literatur zunächst als „lean NAFLD“ und in der aktuellen Terminologie als „lean MASLD“ beschrieben wird [wobei lean „schlank“ bedeutet]. Damit wird abermals deutlich, dass nicht allein das sichtbare Körpergewicht entscheidend ist, sondern die zugrunde liegende Stoffwechsellage. Auch bei normalgewichtigen Personen können metabolische Veränderungen vorliegen, die zur Entwicklung einer Fettleber beitragen (Sato-Espinoza et al., 2024).
Die Umbenennungen sind damit mehr als sprachliche Anpassungen. Sie spiegeln ein verändertes Verständnis wider.
Behandlung der Fettleber (MASLD und MASH): Das Gesamtbild muss betrachtet werden
Gerade dieser Ansatz der Alternativmedizin zeigt die Grenzen der schulmedizinischen Perspektive, bei der die Behandlung häufig auf einzelne Risikofaktoren fokussiert bleibt, während der zugrunde liegende Stoffwechsel als Ganzes weniger differenziert betrachtet wird.
Daraus resultieren in der Alternativmedizin andere Behandlungsschwerpunkte als in der Schulmedizin: Im Mittelpunkt stehen Maßnahmen, die den Stoffwechsel direkt beeinflussen und langfristig stabilisieren können.
Dazu gehört eine gezielte Anpassung von Ess-Rhythmus und Ernährung, etwa durch einen geringeren Konsum energieüberschüssiger und stark verarbeiteter Lebensmittel wie Fertiggerichte) sowie eine insgesamt ausgewogenere Zusammensetzung der Nahrungsaufnahme (durch etwas mehr Eiweiß und mehr ungesättigte Fettsäuren). Ziel ist es, den Energiehaushalt zu normalisieren und metabolische Belastungen zu reduzieren.
Gleichermaßen stehen Faktoren wie Insulinsensitivität, Fettstoffwechsel und Energieverwertung im Fokus, da sie eng mit der Entstehung einer Fettleber verknüpft sind. Ein weiterer zentraler Ansatz ist die systematische Einbeziehung von Lebensstilfaktoren.
Dazu zählen insbesondere Gewohnheiten wie
o körperliche Aktivität/Bewegungsumfang im Alltag
o und der Umgang mit sitzenden Tätigkeiten
… die einen direkten Einfluss auf den Stoffwechsel haben und somit auch die zugrunde liegenden Mechanismen der Fettleber beeinflussen können. (Nachzulesen z. B. in diesen Publikationen: Nicolai Worm: „Menschenstopfleber – Die heimliche Volkskrankheit Fettleber“, 2013; EASL–EASD–EASO, 2016; Chalasani et al., 2018).
Diese Vorgehensweise entspricht der modernen Einordnung der Fettleber als metabolisch bedingte Erkrankung (MASLD), bei der die Leber – wie erwähnt – nicht isoliert, sondern im Kontext des gesamten Stoffwechsels betrachtet wird (Powell et al., 2021; Rinella et al., 2023).
Nun zu den Prognosen: Wie gefährlich sind MASLD und MASH?
Nicht jede Fettleber (MASLD) führt zu einer schweren Erkrankung.
Entscheidend ist, ob und wie sich eine entzündliche Form (MASH) entwickelt, da diese mit einem erhöhten Risiko für fortschreitende Leberschäden verbunden ist.
Wenn die Leber über längere Zeit geschädigt wird, reagiert sie mit Reparaturprozessen. Dabei wird geschädigtes Gewebe zunehmend durch Binde- bzw. Narbengewebe ersetzt, was als Fibrose bezeichnet wird und die normale Struktur und Funktion der Leber beeinträchtigen kann (Rinella et al., 2023). Doch werden Fibrosen früh erkannt, können o. g. Maßnahmen ihre Rückbildung fördern.
Fazit: „Fettleber“ – ein unterkomplexer und irreführender Begriff
Mit der neuen Definition aus 2023 hat sich der Blick auf die Fettleber spürbar verschoben: weg von einer Ausschlussdiagnose, hin zu einer Einordnung im Kontext metabolischer Prozesse.
Damit rückt weniger die bloße Benennung der Erkrankung in den Vordergrund, sondern die Frage, welche Mechanismen sie antreiben und wie ihr Verlauf zu bewerten ist. Entscheidend ist letztlich, ob die Erkrankung stabil bleibt oder in eine entzündliche Form übergeht – und welche Faktoren diesen Prozess beeinflussen.
FAQ – häufig gestellte Fragen zu MASLD und MASH (Fettleber)
1. Warum ist eine schlanke Figur kein sicherer Schutz vor MASLD und MASH (Fettleber)?
Weil nicht allein das Körpergewicht entscheidend ist. Auch bei normalgewichtigen Menschen können Insulinresistenz, ungünstige Fettverteilung oder andere metabolische Veränderungen vorliegen.
2. Kann MASLD (Fettleber) auch bei normalen Leberwerten bestehen?
Ja, Leberwerte können unauffällig sein, obwohl bereits eine Fetteinlagerung besteht. Deshalb reicht ein einzelner Laborwert nicht immer aus, um eine Fettleber sicher auszuschließen.
3. Welche Rolle spielt Bauchfett bei MASLD und MASH?
Bauchfett ist stoffwechselaktiv und kann Entzündungsprozesse sowie Insulinresistenz begünstigen. Deshalb kann die Fettverteilung wichtiger sein als das reine Körpergewicht.
4. Ist MASH automatisch eine Vorstufe der Leberzirrhose?
Nein, MASH bedeutet nicht automatisch, dass eine Zirrhose entsteht. Aber die entzündliche Form erhöht das Risiko, dass sich über längere Zeit Fibrose und schwerere Leberschäden entwickeln.
5. Warum ist frühes Gegensteuern bei MASLD so wichtig?
Weil frühe Stadien oft besser beeinflussbar sind. Gerade bevor es zu ausgeprägter Vernarbung des Lebergewebes kommt, können Veränderungen von Ernährung, Bewegung und Stoffwechsel deutlich relevanter sein.
Weitere Informationen zur Behandlung von Stoffwechselerkrankungen können Sie den entsprechenden Bänden unserer Reihe „Medizinskandale“ sowie den Bänden unseres „Codex Humanus“ entnehmen. Der fünfte Band ist neu erschienen. Besuchen Sie gerne unseren Onlineshop. Auch unsere Blogbeiträge bieten zusätzliche Details zu diesen und vielen anderen Themen.
Quellen:
· Powell, E. E. et al. (2021): „Non-alcoholic fatty liver disease“, The Lancet.
· Westfall, E. et al. (2020): „Nonalcoholic Fatty Liver Disease: Common Questions and Answers on Diagnosis and Management“, American Family Physician.
· Rinella, M. E. et al. (2023): „A multisociety Delphi consensus statement on new fatty liver disease nomenclature“, Journal of Hepatology.
· Sato-Espinoza, K. et al. (2024): „Update in lean metabolic dysfunction-associated steatotic liver disease“, World Journal of Hepatology.
· Nicolai Worm: „Menschenstopfleber – Die heimliche Volkskrankheit Fettleber“, Systemed Verlag, Lünen, 2013.
· European Association for the Study of the Liver; European Association for the Study of Diabetes; European Association for the Study of Obesity (2016): „EASL–EASD–EASO Clinical Practice Guidelines for the management of non-alcoholic fatty liver disease“, Journal of Hepatology.
· Chalasani, N. et al. (2018): „The diagnosis and management of nonalcoholic fatty liver disease: Practice guidance from the American Association for the Study of Liver Diseases“. Hepatology.