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„Zuckerkrank“?: Diabetes im Stoffwechsel-Gesamtbild

Diabetes mellitus ist ein Sammelbegriff für Stoffwechselstörungen, bei denen die Regulation des Blutzuckers dauerhaft beeinträchtigt ist. Gemeinsam ist allen Formen, dass der Körper Glukose nicht mehr angemessen verwerten kann – mit weitreichenden Folgen für Gefäße, Nerven und Organe.

Wir legen diese Zusammenhänge und Maßnahmen zum Umgang mit Diabetes verständlich dar – ohne den Versuch der Beschönigung, aber auch nicht bitterer als nötig.

 

Was ist Diabetes?

Der Begriff „Diabetes“ stammt aus dem Griechischen „diabaínein“ (διαβαίνειν) und bedeutet „hindurchgehen“ oder „hindurchfließen“. Dieser Ausdruck wurde in der Antike verwendet, weil Betroffene auffällig viel Urin ausschieden – die Flüssigkeit floss durch sie hindurch. Der Zusatz „mellitus“ kommt aus dem Lateinischen und bedeutet „honigsüß“. Er bezieht sich darauf, dass der Urin bei Diabetes süßlich riecht und schmeckt … was man davon auch halten mag, es waren historische Diagnose-Merkmale (Oxford English Dictionary).

Die Beurteilung einer Diabetes-Erkrankung erfolgt über klar definierte und international einheitlich festgelegte Blutzucker-Grenzwerte. Ab einem Nüchternwert von ≥ 126 mg/dl (≥ 7,0 mmol/l) liegt definitionsgemäß ein Diabetes mellitus vor (DeFronzo et al., 2015; American Diabetes Association, 2023; Word Health Organization Fact Sheet „Diabetes“).

Ein weiterer wichtiger Marker ist der Langzeitblutzuckerwert HbA1c, der den durchschnittlichen Blutzucker der letzten 8 – 12 Wochen widerspiegelt:

unter 5,7 % ~ normal

5,7–6,4 % ~ Prädiabetes

≥ 6,5 % ~ Diabetes.


Normalerweise sorgt Insulin dafür, dass Glukose aus dem Blut in die Zellen gelangt und dort als Energie genutzt wird. Doch bei einer Diabetes-Erkrankung ist die Insulin-Produktion stark beeinträchtigt, wodurch die Konzentration der Glukose im Blut, also der Blutzucker-Spiegel, ansteigt. Zu den ersten für Betroffene wahrnehmbaren Anzeichen eines Diabetes können ungewöhnlich starker Durst, vermehrtes Wasserlassen, Müdigkeit, verschwommenes Sehen sowie eine erhöhte Infektanfälligkeit gehören. Diese Symptome entstehen dadurch, dass der erhöhte Blutzuckerspiegel osmotisch Wasser aus dem Körper zieht, die Nieren stärker arbeiten müssen und Zellen trotz hoher Glukosewerte nicht ausreichend mit Energie versorgt werden (Q. o.).

Beim Typ-1-Diabetes muss Insulin lebenslang ersetzt werden. Es handelt es sich um eine Autoimmunerkrankung, bei der insulinproduzierende Zellen der Bauchspeicheldrüse zerstört werden. Dieser Prozess entwickelt sich über Monate bis Jahre und wird oft erst sichtbar, wenn ein Großteil der Zellen bereits geschädigt ist.

Der Typ-2-Diabetes hingegen entwickelt sich meist schleichend. Diese Form macht den Großteil der Diabetesfälle aus und ist eng mit Adipositas, Bewegungsmangel und genetischer Veranlagung verknüpft. Im Zentrum steht eine Insulinresistenz, bei der Körperzellen nicht mehr ausreichend auf Insulin reagieren. Doch auch andere Hormone wirken mit: Glukagon als Gegenspieler von Insulin, Cortisol als Stresshormon und Inkretine (z. B. GLP-1), welche Sättigung, Magenentleerung und Insulinfreisetzung steuern. Deshalb werden diese Hormone auch gezielt medikamentös beeinflusst (DeFronzo et al., 2015; American Diabetes Association, 2023).

Auch die Bauchspeicheldrüse ist mehr als nur ein „Insulin-Organ“. Sie produziert zusätzlich Glukagon und wichtige Verdauungsenzyme. Wird sie über Jahre durch Insulinresistenz beansprucht, kann ihre Gesamtfunktion leiden, was den Krankheitsverlauf weiter verstärkt (DeFronzo et al., 2015).

Diabetes entsteht nicht von heute auf morgen. Im Stadium des Prädiabetes zeigen Studien, dass sich Stoffwechselwerte durch Gewichtsreduktion und Bewegung deutlich verbessern können. In dieser Phase ist der Verlauf oft gut beeinflussbar (Knowler et al., 2002).

Daher also ist Diabetes keine isolierte Blutzuckerstörung, sondern eine komplexe Stoffwechselerkrankung, bei der Hormone, Gefäße, Entzündung und Lebensstil eng miteinander verwoben sind.

 

Diabetes – Was im Stoffwechsel aus dem Gleichgewicht gerät

Chronisch erhöhte Blutzuckerwerte fördern oxidativen Stress und niedriggradige Entzündungen, die langfristig Gefäß- und Nervenschäden begünstigen (DeFronzo et al., 2015).

Betroffen von Diabetes sind auch:

·       der Fettstoffwechsel

·       die Gefäßfunktion

·       Entzündungsprozesse

·       die Energieverwertung auf Zellebene.

Dies erklärt, warum Diabetes heute als multifaktorielle Stoffwechselerkrankung verstanden wird.

 

Diabetes und Adipositas – Der Zusammenhang

Adipositas gilt als einer der wichtigsten Risikofaktoren für Typ-2-Diabetes. Da Fettgewebe metabolisch aktiv ist und hormonelle Signalwege sowie Entzündungsprozesse beeinflusst, steigt mit zunehmender Fettmasse die Insulinresistenz, während die Bauchspeicheldrüse langfristig überfordert wird (Word Health Organization Fact Sheet „Diabetes“).

Aus diesen Gründen werden Diabetes und Adipositas ggf. auch in Therapie- und Präventionskonzepten gemeinsam betrachtet.

 

Alternativmedizinischer Fokus: Regulation statt Symptom-Behandlung

Alternativmedizinisch wird Diabetes nicht allein über Blutzuckerwerte definiert, sondern als Ausdruck einer gestörten Stoffwechselregulation. Natürliche Substanzen erhalten besondere Aufmerksamkeit.

Berberin, beispielsweise, ist ein Alkaloid, ein gelber Pflanzenstoff, der u. a. in Pflanzen wie Berberitze, Goldfaden und Mahonie vorkommt und traditionell in der Pflanzenheilkunde verwendet wird. Berberin greift in zentrale Prozesse der Blutzuckerregulation ein: Es aktiviert die AMPK, wodurch die Zuckeraufnahme in die Zellen steigt, die Zuckerproduktion der Leber sinkt und die Insulinempfindlichkeit verbessert wird. Zusätzlich erhöht Berberin die Zahl der Insulinrezeptoren und beeinflusst die Darmflora günstig. Die Wirkungsweise ähnelt der gängigen Diabetes-Medikamenten sehr stark, weshalb Berberin-Präparate unterstützend eingesetzt werden können, etwa in Kapsel- oder Tablettenform nicht als Ersatz für andere Medikation. (Liang et al., 2019).

Ähnliches gilt, wenn auch mit etwas geringerer Evidenz, für Fenugreek (Bockshornklee). Samen aus der Pflanzenart Trigonella foenum-graecum, der traditionell als Gewürz und pflanzliches Heilmittel eingesetzt wird, zeigten in Studien, dass sie den Blutzuckerspiegel und HbA1c bei Menschen mit Typ-2-Diabetes senken und die Insulin-Sensitivität verbessern können. Und das vermutlich durch eine Kombination aus hohem löslichem Ballaststoff-Gehalt, einer Verlangsamung der Kohlenhydrataufnahme und Stimulierung der Insulin-Wirkung (Neelakantan et al., 2014). Auch Fenugreek-Präparate sind vor allem als Kapseln und Tabletten verfügbar. Es ist jedoch nicht zu vernachlässigen, dass ihre unterstützende Wirkung, wie erwähnt, geringer ist als etwa die des Berberin.

Im Fokus stehen außerdem: 

  • Insulin-Sensitivität 
  • Entzündungsstatus
  • Darm- und Leberfunktion
  • Lebensstil.

.

 Der Einfluss des Lebensstils auf Diabetes

Lebensstilfaktoren haben einen entscheidenden positiven Einfluss auf den Verlauf des Typ-2-Diabetes, wie große Übersichtsarbeiten zeigen (American Diabetes Association, 2023).

Zu diesen Faktoren zählen insbesondere:

o   regelmäßige körperliche Aktivität

o   Gewichtsreduktion bei Adipositas (aber auch Übergewicht)

o   ausgewogene, nährstoffreiche Ernährung.

 

Nahrungsmittel, die bei Diabetes kritisch zu betrachten sind

Bei Diabetes geht es nicht um strikte Verbote, sondern um die Auswirkungen bestimmter Nahrungsmittel auf den Organismus. Wissenschaftliche Leitlinien und Übersichtsarbeiten zeigen, dass bestimmte Ernährungsgewohnheiten mit ungünstigen metabolischen Effekten assoziiert sind:

·       Stark zuckerhaltige Lebensmittel und Getränke: Zuckerreiche Getränke, Süßigkeiten und stark gesüßte Produkte führen zu raschen Blutzuckeranstiegen und erhöhen die Insulinbelastung. Besonders problematisch sind flüssige Zuckerquellen, da sie kaum sättigen und schnell resorbiert werden. Studien zeigen einen klaren Zusammenhang zwischen dem Konsum zuckerhaltiger Getränke und einem erhöhten Risiko für Typ-2-Diabetes (Malik et al., 2010).

·       Stark verarbeitete Kohlenhydrate: Weißmehlprodukte und raffinierte Kohlenhydrate lassen den Blutzucker schneller ansteigen als ballaststoffreiche Alternativen. Gleichzeitig fehlen Ballaststoffe, die eine langsamere Glukoseaufnahme unterstützen. Eine hohe Aufnahme raffinierter Kohlenhydrate wird mit einer ungünstigeren glykämischen Kontrolle in Verbindung gebracht (Reynolds et al., 2019).

·       Hochverarbeitete Lebensmittel: Ultrahochverarbeitete Lebensmittel enthalten häufig Zusatzstoffe, stark veränderte Fettprofile und leicht verfügbare Kohlenhydrate. Beobachtungsstudien zeigen, dass ein hoher Anteil solcher Produkte in der Ernährung mit einem erhöhten Risiko für metabolische Erkrankungen, einschließlich Diabetes, assoziiert ist (Monteiro et al., 2019).

·       Ungünstige Fettzusammensetzungen: Lebensmittel mit hohem Anteil an Transfetten oder stark erhitzten Fetten können die Insulinsensitivität beeinträchtigen und entzündliche Prozesse fördern.

Einzelne Lebensmittel verursachen kein Diabetes. Entscheidend ist das langfristige Ernährungsmuster, weshalb keine strikten Einschränkungen vorgenommen werden müssen, wünschenswert ist vielmehr ein besser regulierbarer Stoffwechsel.

Und das ist durchaus möglich ...

 

Nahrungsmittel, die bei Diabetes empfehlenswert sind

o   Gemüse und Hülsenfrüchte: Nicht-stärkehaltige Gemüsesorten wie Blattgemüse, Brokkoli oder Bohnen liefern Ballaststoffe und Mikro-Nährstoffe, die die Blutzuckerantwort dämpfen und zur Sättigung beitragen (Reynolds et al., 2019).

o   Vollkornprodukte und ballaststoffreiche Kohlenhydrate: Vollkornprodukte, Hafer, Quinoa und ähnliche Vollkornformen werden langsamer verdaut und senken postprandiale Blutzuckerspitzen im Vergleich zu raffinierten Kohlenhydraten (Aune et al., 2013; Reynolds et al., 2019).

o   Früchte mit niedrigem glykämischen Index: Beeren oder andere ballaststoffreiche Früchte können trotz natürlicher Süße eine gute Option sein, da sie Vitamine und Antioxidantien liefern (Muraki et al., 2013).

o   Gesunde Proteinquellen: Fisch, mageres Geflügel, Hülsenfrüchte, Nüsse und Samen unterstützen die Stabilität des Blutzuckers und fördern das Sättigungsgefühl (Schwingshackl et al., 2017).

o   Gesunde Fette: Pflanzliche Öle wie Olivenöl und Quellen von Omega-3-Fetten (z. B. Lachs, Walnüsse) können den Fettstoffwechsel günstig beeinflussen (Schwingshackl et al., 2017).

 

Diabetes: Komplex und chronisch, aber handhabbar!

Bei Diabetes geht es nicht nur darum, medikamentös korrekt eingestellt zu sein, geschweige denn darum, permanent über das Blutzuckermessen nachzudenken. Es geht um praktikable Veränderungen des Lebenswandels, die dazu beitragen, dass die Krankheit gut zu handhaben ist bzw. bleibt.

 

FAQ – häufige Fragen zu Diabetes

1. Kann sich ein Prädiabetes wieder vollständig zurückbilden?

Ja, Remission (bzw. die Rückkehr zur Normoglykämie) ist in einem frühen Stadium möglich. Die zugrunde liegende Anfälligkeit bleibt zwar bestehen, aber die messbaren Blutzuckerwerte können wieder vollständig normal werden.

2. Warum bleibt ein Typ-2-Diabetes oft lange unbemerkt?

Typ-2-Diabetes entwickelt sich meist schleichend. Der Körper kann erhöhte Blutzuckerwerte über lange Zeit kompensieren, ohne deutliche Symptome zu verursachen. Erste Veränderungen betreffen Stoffwechselprozesse und Gefäße häufig schon bevor typische Beschwerden auftreten.

3. Warum sind regelmäßige Blutzuckermessungen auch ohne starke Symptome wichtig?

Da Typ-2-Diabetes lange symptomarm verläuft, können nur regelmäßige Kontrollen frühzeitig Hinweise auf eine Stoffwechselstörung geben. Dies ermöglicht rechtzeitige Gegenmaßnahmen, bevor Folgeerkrankungen entstehen. 

4. Warum wirkt Diabetes sich häufig auch auf Gefäße, Nerven, Augen und Nieren aus?

Grund sind langfristige Folgen erhöhter Blutzuckerwert. Oxidativer Stress und entzündliche Prozesse schädigen insbesondere feine Blutgefäße dort, wo empfindliche Stukturen versorgt werden.

5. Gibt es Unterschiede zwischen Diabetes bei jüngeren und älteren Menschen?

Wenn Typ-2-Diabetes bereits bei jüngeren Personen (ca. 35 – 45 jährig) auftritt, liegt häufig eine stärkere genetische Prädisposition vor. Zudem verläuft Diabetes bei jüngeren Betroffenen oft aggressiver, wodurch die Verabreichung von Insulin schneller notwendig werden und es früher zu Folge-Erkrankungen kommen kann. Auch die Bauchspeicheldrüse wird schneller überlastet.

 

Zusätzliche Informationen zu Stoffwechselstörungen und vielen weiteren Themen finden Sie in den Beiträgen unseres Blogs, den Bänden unseres „Codex Humanus“ und der Reihe „Medizinskandale“. Besuchen Sie gerne unseren Online-Shop.

 

Quellen:

·       Oxford English Dictionary (OED): „Diabetes, mellitus – Etymology“, Oxford University Press.

·       DeFronzo, R. A. et al. (2015): „Type 2 diabetes mellitus“, Nature Reviews Disease Primers.

·       American Diabetes Association (2023): „Introduction and Methodology: Standards of Care in Diabetes—2023“, Diabetes Care.

·       World Health Organization (WHO): „Diabetes“ (Fact sheet).      https://www.who.int/news-room/fact-sheets/detail/diabetes

·       Knowler, W. C. et al. (2002): „Reduction in the incidence of type 2 diabetes with lifestyle intervention or metformin“, New England Journal of Medicine.

·       Liang, Y. et al. (2019): „Effects of berberine on blood glucose in patients with type 2 diabetes mellitus: a systematic literature review and a meta-analysis“, Endocrine Journal.

·       Neelakantan, N. et al. (2014): „Effect of fenugreek (Trigonella foenum-graecum L.) intake on glycemia: a systematic review and meta-analysis of clinical trials“, Nutrition Journal.

·       Malik, V. S. et al. (2010): „Sugar-Sweetened Beverages and Risk of Metabolic Syndrome and Type 2 Diabetes: A Meta-analysis“, Diabetes Care.

·       Reynolds, A. et al. (2019): „Carbohydrate quality and human health: a series of systematic reviews and meta-analyses“, The Lancet.

·       Monteiro, C. A. et al. (2019): „Ultra-processed foods: what they are and how to identify them“, Public Health Nutrition.

·       Aune, D. et al. (2013): „Whole grain and refined grain consumption and the risk of type 2 diabetes: A systematic review and dose-response meta-analysis of cohort studies“, European Journal of Epidemiology.

·       Muraki, I. et al. (2013): „Fruit consumption and risk of type 2 diabetes: results from three prospective longitudinal cohort studies“, BMJ.

·       Schwingshackl, L. et al. (2017): „Food groups and risk of type 2 diabetes mellitus: a systematic review and meta-analysis of prospective studies“, European Journal of Epidemiology.

·       Schwingshackl, L. et al. (2017): „Olive oil in the prevention and management of type 2 diabetes mellitus: a systematic review and meta-analysis of cohort studies and intervention trials“, Nutrition & Diabetes.