PFAS im Körper: Die wichtigsten Aufnahmewege – und wie Sie Ihre Belastung verringern können
Laura Chrobok 30.07.2026
PFAS wurden im Blut eines überwiegenden Teils der Bevölkerung nachgewiesen. Doch wie gelangen PFAS überhaupt in den menschlichen Körper? Und vor allem: Was können wir selbst tun, um die Belastung möglichst gering zu halten?
In den beiden vorherigen Artikeln können Sie die Hintergründe von PFAS-Skandalen nachlesen und erfahren, wie und warum „Ewigkeitschemikalien“ trotz allem in der Pharma-Industrie eingesetzt werden. Doch über welche anderen Wege gelangen PFAS in den menschlichen Körper? Welche Quellen spielen die größte Rolle und welche Personen sind besonders vulnerabel?
Die unterschiedlichen Wege der PFAS in den Körper
Im Laufe eines Lebens können sich verschiedene Kontaminationswege ergeben und summieren. Welcher im Einzelfall überwiegt, hängt u. a. vom Wohnort, den Ernährungsgewohnheiten, Lebensgewohnheiten, dem Beruf sowie der Belastung der Umwelt ab (EFSA, 2020; Sunderland et al., 2019).
Nach derzeitigem Forschungsstand erfolgt die Aufnahme insbesondere über:
· Lebensmittel
· Trinkwasser
· Hausstaub
· fettabweisende Lebensmittelverpackungen (z. B. Fast-Food-Verpackungen oder Mikrowellen-Popcorntüten),
· wasser- und schmutzabweisende Outdoor-Bekleidung,
· imprägnierte Teppiche und Polstermöbel,
· einige Kosmetikprodukte
· ggf. den Arbeitsplatz
(ATSDR, 2021; Sunderland et al., 2019).
Der jeweilige Beitrag dieser Komponenten zur gesamten PFAS-Aufnahme kann jedoch individuell sehr unterschiedlich ausfallen.
Lebensmittel und Trinkwasser als bedeutsamste PFAS-Quellen
Nach Einschätzung der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) stellt die Ernährung im Allgemeinen eine der wichtigsten Möglichkeiten zur Aufnahme dar (EFSA, 2020).
Besonders relevant können Lebensmittel tierischen Ursprungs sein, da sich bestimmte PFAS entlang der Nahrungskette anreichern.
Erhöhte Konzentrationen wurden z. B. nachgewiesen in:
· Fisch
· Meeresfrüchten
· Eiern
· sowie einzelnen Fleischprodukten.
In belasteten Regionen kann auch das Trinkwasser erheblich zur Aufnahme beitragen. Außerdem kann belastetes Trinkwasser zur Kontamination landwirtschaftlicher Flächen beitragen und dadurch indirekt die Lebensmittelproduktion beeinflussen.
(EFSA, 2020; Sunderland et al., 2019)
Da PFAS weit verbreitet sind, lässt sich aus ihrem Vorkommen keine pauschale Aussage, bestimmte Lebensmittel grundsätzlich zu meiden, ableiten. Wie hoch die tatsächliche Aufnahme ausfällt, hängt jedoch stark vom Ausmaß der regionalen Umweltbelastung durch PFAS und den individuellen Ernährungsgewohnheiten der Anwohnerinnen und Anwohner ab. Welche Auswirkungen PFAS auf den Körper haben können, erfahren Sie hier.
Besonders gefährdete Personengruppen
Wir sind nicht alle dem gleichen PFAS-Risiko ausgesetzt. Wie bereits beschrieben, stellen z. B. Ernährungsgewohnheiten Variablen dar.
Ein erhöhtes Risiko besteht zudem z. B. für:
· Schwangere
· Stillende
· Kinder.
PFAS können die Plazenta passieren und wurden auch in Muttermilch nachgewiesen (EFSA, 2020; ATSDR, 2021).
Gefährdet sind auch Personen, die ...
· beruflich mit PFAS oder PFAS-haltigen Materialien arbeiten
· in der Nähe ehemaliger Industrie-Anlagen, Flughäfen oder militärischer Standorte wohnen, an denen PFAS-haltige Feuerlöschschäume eingesetzt wurden
(ATSDR, 2021; Sunderland et al., 2019).
Die PFAS-Belastung verringern
PFAS vollständig zu vermeiden, ist kaum möglich. Die Stoffe sind inzwischen weltweit verbreitet und wurden selbst in abgelegenen Regionen nachgewiesen. Dennoch gibt es verschiedene Maßnahmen, mit denen sich die persönliche Aufnahme zumindest teilweise reduzieren lässt.
Dazu gehört vor allem eine möglichst geringe Belastung über die wichtigsten Kontaminations- bzw. Aufnahmequellen. Liegen regionale Hinweise auf PFAS-belastetes Trinkwasser vor, sollten die Empfehlungen der zuständigen Behörden beachtet werden. Auch bei selbst gefangenem Fisch aus belasteten Gewässern oder Lebensmitteln aus bekannten Belastungsgebieten ist es sinnvoll, ggf. bestehende behördliche Verzehrsempfehlungen zu beachten (Umweltbundesamt, 2024; EFSA, 2020).
Darüber hinaus empfehlen Fachleute, den unnötigen Kontakt mit PFAS-haltigen Verbraucherprodukten möglichst zu begrenzen. Dazu gehören beispielsweise bestimmte fettabweisende Einwegverpackungen oder Textilien mit dauerhaft wasser- und schmutzabweisenden Beschichtungen, sofern gleichwertige PFAS-freie Alternativen verfügbar sind (Glüge et al., 2020; OECD, 2022).
Im Internet finden sich zahlreiche Angebote, die eine gezielte „Entgiftung“ oder „Ausleitung“ von PFAS versprechen. Doch Achtsamkeit ist geboten: Die Forschung dazu steht noch am Anfang. Die bislang vorliegenden klinischen Studien wurden überwiegend bei Menschen mit einer außergewöhnlich hohen PFAS-Belastung durchgeführt.
Gegenstand der Forschung sind z. B.:
· Blut- und Plasmaspenden
Regelmäßige Blut- und insbesondere Plasma-Spenden werden als Möglichkeit untersucht, die PFAS-Konzentration im Blut zu senken.
In einer randomisierten klinischen Studie mit 285 Feuerwehrleuten, die aufgrund ihres Berufs erhöhte PFAS-Blutspiegel aufwiesen, führten sowohl Blut- als auch Plasmaspenden zu einer signifikanten Verringerung der PFAS-Konzentrationen. Die stärkste Abnahme wurde nach regelmäßigen Spenden beobachtet (Gasiorowski et al., 2022).
Ob die niedrigeren PFAS-Blutspiegel langfristig auch das Risiko für PFAS-bedingte Erkrankungen verringern, ist bislang jedoch nicht untersucht.
· Cholestyramin
Der Gallensäurebinder wird seit vielen Jahren u. a. zur Behandlung erhöhter Cholesterin-Werte eingesetzt.
In einer randomisierten kontrollierten Cross-over-Studie aus Dänemark nahmen 45 Erwachsene mit einer stark erhöhten PFAS-Belastung 12 Wochen lang 12 g Cholestyramin täglich ein. Dabei sank die Konzentration von PFOS im Blut im Mittel um etwa 60 %. Auch die Konzentrationen anderer PFAS konnten gesenkt werden.
Der Wirkmechanismus gilt als plausibel: Bestimmte PFAS werden über die Galle in den Darm ausgeschieden und anschließend teilweise wieder aufgenommen. Cholestyramin bindet diese Stoffe im Darm und unterbricht diesen sog. enterohepatischen Kreislauf, wodurch ihre Ausscheidung gefördert wird (Møller et al., 2024). Die Autoren weisen jedoch ausdrücklich darauf hin, dass größere Studien notwendig sind, bevor sich daraus allgemeine Therapie-Empfehlungen ableiten lassen.
Für die Allgemeinbevölkerung gibt es derzeit noch keine etablierte medizinische Behandlung, um PFAS gezielt aus dem Körper zu entfernen. Nach heutigem Kenntnisstand bleibt daher die wirksamste Strategie, die weitere Aufnahme dieser Stoffe möglichst gering zu halten. Nichtsdestotrotz bietet unser Blog zahlreiche weitere Informationen zum Thema Detox.
Fazit: Die PFAS-Belastung lässt sich nicht vollständig vermeiden – aber verringern!
PFAS gehören inzwischen zu den weltweit am weitesten verbreiteten Umweltchemikalien. Für die meisten Menschen erfolgt die Aufnahme vor allem über Lebensmittel und – je nach Region – über das Trinkwasser. Hinzu kommen weitere Quellen wie Hausstaub oder bestimmte Alltagsprodukte.
Eine vollständige Vermeidung ist heute kaum möglich. Dennoch zeigen wissenschaftliche Untersuchungen, dass sich die persönliche Belastung zumindest teilweise reduzieren lässt. Besonders wichtig ist es, behördliche Empfehlungen zu belastetem Trinkwasser oder regional kontaminierten Lebensmitteln zu beachten und – sofern praktikabel – PFAS-haltige Verbraucherprodukte durch geeignete Alternativen zu ersetzen.
FAQ – (weitere) häufig gestellte Fragen zur Vermeidung von PFAS-Kontamination
1. Welche Kosmetika können PFAS enthalten und wie kann man das erkennen?
PFAS können z. B. in wasserfesten Mascaras, lang haftenden Foundations, Lippenstiften, Eyelinern oder Sonnenschutzprodukten vorkommen. Ein Blick auf die Zutatenliste kann helfen. Begriffe wie Polytetrafluoroethylene (PTFE), Perfluorodecalin, Perfluorononyl Dimethicone oder andere Inhaltsstoffe mit „perfluoro-“ bzw. „polyfluoro-“ können auf PFAS hinweisen. Da es Tausende PFAS gibt, ist die Identifizierung aber nicht immer einfach.
2. Sollte man auf Pfannen mit Antihaftbeschichtung verzichten?
Nicht unbedingt. Moderne Antihaftbeschichtungen aus PTFE gelten bei sachgemäßer Verwendung als weitgehend stabil und setzen unter normalen Kochbedingungen kaum PFAS frei. Problematisch ist, wenn beschichtete Pfannen stark überhitzt oder beschädigt werden.
3. Kann Kochen oder Waschen PFAS aus Lebensmitteln entfernen?
PFAS sind chemisch äußerst stabil und werden durch normales Kochen oder Erhitzen nicht zerstört. Je nach Lebensmittel können geringe Mengen in das Kochwasser übergehen, eine zuverlässige Methode zur Entfernung gibt es jedoch nicht. Deshalb ist es sinnvoller, die Aufnahme über bekannte Belastungsquellen möglichst gering zu halten als auf eine nachträgliche Entfernung zu setzen.
4. Sind Wasserfilter geeignet, PFAS aus dem Trinkwasser zu entfernen?
Das hängt vom verwendeten Filtersystem ab. Aktivkohlefilter können bestimmte PFAS teilweise reduzieren, ihre Wirksamkeit variiert jedoch je nach Filtertyp und PFAS-Verbindung. Als besonders effektiv gelten Umkehrosmose-Anlagen, die einen großen Teil vieler PFAS aus dem Trinkwasser entfernen können. Entscheidend sind jedoch die Qualität des Systems sowie ein regelmäßiger Filterwechsel.
Weitere Informationen – natürlich auch zu vielen anderen Themen – finden Sie in unserem Blog. Unsere Buchreihe „Medizinskandale“ und den „Codex Humanus“, dessen fünfter Band kürzlich erschienen ist, finden Sie außerdem in unserem Online-Shop. Wir freuen uns über Ihren Besuch.
Quellen:
· European Food Safety Authority (2020): „Risk to Human Health Related to the Presence of Perfluoroalkyl Substances in Food“, EFSA Journal.
· Sunderland et al. (2019): „A Review of the Pathways of Human Exposure to Poly- and Perfluoroalkyl Substances (PFASs) and Present Understanding of Health Effects“, Journal of Exposure Science & Environmental Epidemiology.
· Agency for Toxic Substances and Disease Registry (2021): „Toxicological Profile for Perfluoroalkyls“.
· Umweltbundesamt (2024): „PFAS – Per- and Polyfluoroalkyl Substances“.
· Glüge et al. (2020): „An Overview of the Uses of Per- and Polyfluoroalkyl Substances (PFAS)“, Environmental Science: Processes & Impacts.
· Organisation for Economic Co-operation and Development (2022): „Fact Cards of Major Groups of Per- and Polyfluoroalkyl Substances (PFASs)“, OECD Series on Risk Management of Chemicals, OECD Publishing, Paris.
· Gasiorowski et al. (2022): „Effect of Plasma and Blood Donations on Levels of Perfluoroalkyl and Polyfluoroalkyl Substances in Firefighters in Australia: A Randomized Clinical Trial“, JAMA Network Open.
· Møller et al. (2024): „Substantial Decrease of PFAS with Anion Exchange Resin Treatment – A Clinical Cross-over Trial“, Environment Intern.