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Peptide: Kleine Eiweißbausteine für Longevity und Darmgesundheit

Laura Chrobok  29.05.2026

Peptide galten lange als Spezialthema aus Medizin und Leistungsphysiologie. Inzwischen tauchen sie quasi überall auf: In Longevity-Konzepten, Kollagenpräparaten, Anti-Aging-Kosmetik, wie auch Produkten für Darmgesundheit und funktionelle Ernährung. Aus ersten wissenschaftlichen Erkenntnissen könnte somit ein milliardenschwerer Gesundheitsmarkt entstehen.

Erfahren Sie, was bioaktive Peptide sind, warum sie für mehrere Forschungsfelder von Interesse sind und warum man gleichwohl zwischen wissenschaftlichen Erkenntnissen und aggressivem Marketing unterscheiden sollte.

 

Was sind bioaktive Peptide und wie entstehen sie?

Tatsächlich sind bioaktive Peptide keine Erfindung der Wellness-Industrie. Sie kommen natürlicherweise im menschlichen Körper vor und spielen dort eine wichtige Rolle bei Stoffwechsel, Zellkommunikation und biologischen Regulationsprozessen. Für die Forschung ist derzeit besonders interessant, welche Bedeutung sie für Darmflora, Darmbarriere und entzündungsbezogene Prozesse haben können. Denn bioaktive Peptide können – der Name lässt es vermuten – biologische Prozesse beeinflussen, übernehmen häufig Signal- oder Steuerungsfunktionen. Sie bestehen aus kurzen Ketten von Aminosäuren. Diese wiederum sind „Bausteine“ von Proteinen (Eiweißen).

Bioaktive Peptide entstehen insbesondere durch:

·       enzymatische Spaltung von Eiweißen

·       Fermentationsprozesse

·       Verdauungsprozesse.

Da diese Prozesse nicht nur dem menschlichen Körper eigen sind, gibt es auch „externe“ Bezugsquellen, wie etwa:

·       fermentierte Lebensmittel

·       Hülsenfrüchte

·       Milchprodukte

·           Eier

·       Fisch

(Chourasia et al., 2023).

 

Warum boomt der Markt für Peptide in der Longevity- und Mikrobiom- Forschung?

Kollagenpeptide gehören inzwischen zu den bekanntesten Peptid-Produkten überhaupt. 

Beworben werden sie vor allem im Zusammenhang mit:

·       Anti-Aging

·       Hautalterung

·       Falten

·       Bindegewebe

·       Gelenksfunktionen.

Eine systematische Übersichtsarbeit und Metaanalyse von de Miranda et al. kam 2021 zu dem Ergebnis, dass hydrolysiertes Kollagen positive Effekte auf Hautfeuchtigkeit und Hautelastizität zeigen könne (de Miranda et al., 2021).

Doch die Datenlage bleibt umstritten, denn viele Studien werden direkt oder indirekt von Herstellern finanziert.

Auch die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) bewertete gesundheitsbezogene Aussagen diesbezüglich kritisch und betrachtet Zusammenhänge zwischen Kollagenhydrolysat und positiven Effekten auf die Hautgesundheit als wissenschaftlich nicht ausreichend belegt (EFSA Panel on Dietetic Products, Nutrition and Allergies, 2013).

Gerade im Bereich Anti-Aging zeigt sich: Wissenschaftlich interessante Stoffe werden schnell zu milliardenschweren Lifestyle-Produkten erklärt.

Longevity gehört derzeit zu den größten Gesundheitstrends überhaupt. Dabei geht es um die Frage, wie altersbezogene Prozesse beeinflusst werden können. Weil sie an biologischen Regulationsprozessen beteiligt sein können, sind bioaktive Peptide in diesem Kontext besonders relevant.

Forscher am Ferring Research Institute in San Diego beschreiben in einer Übersichtsarbeit, dass Peptid-Wirkstoffe eine wichtige Rolle in der Medizin spielen. Den Autoren zufolge sind über 60 Peptid-Medikamente in den USA und anderen wichtigen Märkten zugelassen, während weitere Kandidaten klinisch entwickelt werden (Lau & Dunn, 2018).

Dadurch entsteht ein riesiger Markt für:

·       Kollagen-Präparate

·       Anti-Aging-Kosmetik

·       Longevity-Präparate

·       Biohacking (Maßnahmen, um Körper und Stoffwechsel mit Ernährung, Technologie, Datenanalyse oder speziellen Lebensstil-Strategien gezielt zu optimieren)

·       Präparate für Darmgesundheit


Die Mikrobiom-Forschung zeigt, dass der Darm mehr ist als ein „Verdauungsorgan“.

Er gilt darüber hinaus als:

·       wichtiger Bestandteil der Immunabwehr

·       zentrales Stoffwechselorgan

·       wichtige Barriere gegenüber Krankheitserregern und körperfremden Stoffen

·       Teil des komplexen Kommunikationssystems zwischen Darm, Immunsystem und Gehirn

(Thursby & Juge, 2017).

Bioaktive Peptide werden als potenziell relevante Faktoren im Zusammenhang mit Immunmodulation, Stoffwechsel und Darmgesundheit beschrieben (Daliri et al., 2017). Doch gerade wegen der Vielzahl an Bereichen, in denen Peptide von Bedeutung sein können, wächst neben dem wissenschaftlichen Interesse auch die Kritik an teilweise aggressiver Vermarktung.

Damit zum nächsten Aspekt …

 

Ist der Hype um experimentelle Peptide problematisch?

Neben Nahrungsergänzungsmitteln tauchen inzwischen zunehmend experimentelle Peptide auf dem Markt auf.

Besonders häufig sind:

·       BPC-157

·       TB-500

·       CJC-1295

·       MOTS-c

(FDA, 2024).

Im Internet werden diese Stoffe teilweise mit spektakulären Versprechen beworben:

·       Anti-Aging

·       Muskelaufbau

·       Leistungssteigerung

·       schnellere Regeneration.

Doch die U.S. Food and Drug Administration (FDA) warnte ausdrücklich davor, dass bestimmte Peptid-Substanzen erhebliche Sicherheitsrisiken aufweisen könnten. Die Behörde nannte u. a. fehlende Sicherheitsdaten und mögliche Verunreinigungen (FDA, 2024).

 

Fazit: Bioaktive Peptide werden wichtig(er)

Man sollte ein gesundes Maß an Kritik walten lassen. Denn dort, wo aus biologischen Signalstoffen sofort milliardenschwere Anti-Aging-Versprechen entstehen, ist die Vermarktung der tatsächlichen Evidenz häufig deutlich voraus.

Nichtsdestotrotz gehören bioaktive Peptide derzeit zu den spannendsten Themen in der Forschung rund um Longevity, funktionelle Medizin, Darmgesundheit und Mikrobiom – und gewinnen weiter an Relevanz.

 

FAQ – häufig gestellte Fragen zu Peptiden

1. Gibt es Peptide, die nicht bioaktiv sind?

Ja. Nicht-bioaktive Peptide sind kurze Aminosäureketten, denen (bislang) keine spezielle Signal- oder Regulationsfunktion im Körper zugeschrieben wird. Sie entstehen beispielsweise beim Aufbau, Umbau oder Abbau von Eiweißen und dienen häufig als Zwischen- oder Spaltprodukte des normalen Eiweißstoffwechsels.

2. Werden Peptide auch künstlich hergestellt?

Ja, auch. Viele Peptide kommen natürlicherweise im menschlichen Körper vor. Andere entstehen aus Nahrungsproteinen oder werden gezielt im Labor hergestellt.

3. Welche Nahrungsergänzungsmittel mit Peptiden gibt es?

Z. B. Pulver, Kapseln, Trinkampullen, Protein- oder Kollagenhydrolysate.

4. Warum interessieren sich Hersteller funktioneller Lebensmittel für bioaktive Peptide?

Weil bioaktive Peptide als potenziell interessante Inhaltsstoffe für funktionelle Ernährung, Darmprodukte und moderne Mikrobiom-Konzepte gelten.

5. Was bedeuten bioaktive Peptide für den Longevity-Trend?

Sie können an biologischen Signal- und Regulationsprozessen beteiligt sein, die auch im Zusammenhang mit Alterung und Regeneration untersucht werden.

 

Weitere Informationen zu Longevity, Haut- und Darmgesundheit finden Sie neben unserem Blog in unserer Buchreihe „Medizinskandale“ (z. B. dem Band „Medizinskandal Alterung“) und unserer Reihe „Codex Humanus“, deren fünfter Band kürzlich erschienen ist. Besuchen Sie gerne unseren Online-Shop.

 

Quellen:

·       Chourasia, R. et al. (2023): „Bioactive peptides in fermented foods and their application: a critical review“, Systems Microbiology and Biomanufacturing.

·       Daliri, E. B. M. et al. (2017): „Health Effects and Potential Applications of Bioactive Peptides Derived from Milk and Food Proteins“, Applied Microbiology and Biotechnology.

·       de Miranda, R. B. et al. (2021): „Effects of hydrolyzed collagen supplementation on skin aging: a systematic review and meta-analysis“, International Journal of Dermatology.

·       EFSA Panel on Dietetic Products, Nutrition and Allergies (2013): „Scientific Opinion on the substantiation of a health claim related to collagen hydrolysate and maintenance of skin health“.

·       Lau, J. L. & Dunn, M. K. (2018): „Therapeutic peptides: Historical perspectives, current development trends, and future directions“, Bioorganic & Medicinal Chemistry.

·       Thursby, E. & Juge, N. (2017): „Introduction to the human gut microbiota“, Biochemical Journal.

·       U.S. Food and Drug Administration (2024): „Certain Bulk Drug Substances for Use in Compounding May Present Significant Safety Risks“.