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Nitrat macht den Unterschied: Wie Rote Beete Bluthochdruck senken und Gefäße schützen kann

Laura Chrobok  23.09.2026

Rote Beete ist weit mehr als ein farbenfrohes Gemüse. Besonders ein Inhaltsstoff beschäftigt die Forschung seit Jahren: Nitrat. Aus ihm kann unser Körper Stickstoffmonoxid bilden – einen Stoff, der die Blutgefäße erweitert und damit auch den Blutdruck beeinflussen kann.

Was steckt hinter diesem Effekt? Wir schauen uns an, wie Nitrat aus Roter Beete im Körper verarbeitet wird und was über die Wirkung auf Gefäße und Durchblutung bekannt ist.

 

Was ist Rote Beete und was macht sie für die Forschung interessant?

Die Rote Beete (Beta vulgaris) ist eine Kulturform der Rübe und gehört zur Familie der Fuchsschwanzgewächse (Amaranthaceae). Charakteristisch ist die verdickte, meist kräftig rot gefärbte Rübe, die als Gemüse roh oder gegart verzehrt und auch zu Saft verarbeitet wird (Royal Botanic Gardens, Kew).

Rote Beete enthält verschiedene Vitamine, Mineralstoffe und sekundäre Pflanzenstoffe. Für die Forschung zu Blutdruck und Gefäßgesundheit steht jedoch vor allem ihr Gehalt an anorganischem Nitrat im Mittelpunkt.

Bereits beim Kauen können Bakterien in der Mundhöhle einen Teil des Nitrats aus der Roten Beete in Nitrit umwandeln. Nach dem Schlucken kann daraus im sauren Milieu des Magens Stickstoffmonoxid – kurz NO – entstehen. Über den Darmtrakt erfolgt außerdem eine Weitergabe in Blutkreislauf und Gewebe (Lidder & Webb, 2013).

 

Rote Beete für Gefäßgesundheit und Blutdrucksenkung

Stickstoffmonoxid erfüllt im Herz-Kreislauf-System wichtige Aufgaben. Es wirkt auf die glatte Muskulatur der Blutgefäße und kann dazu beitragen, dass sich die Gefäße erweitern und Widerstände abnehmen.

Das ist einer der Mechanismen, über die Nitrat aus der Nahrung den Blutdruck beeinflussen kann.

11 randomisierte kontrollierte Studien mit insgesamt 349 Patienten wurden 2024 ausgewertet, um die Wirkung von Rote-Beete-Saft auf Bluthochdruck beurteilen zu können.

Bei dem in einer Arztpraxis oder Klinik gemessenen systolischen Blutdruck – also dem oberen Blutdruckwert – zeigte sich gegenüber den Kontrollgruppen eine durchschnittliche Senkung um 5,31 mmHg.

Beim diastolischen, also dem unteren Blutdruckwert, zeigte sich dagegen kein statistisch signifikanter Effekt. Auch beim über 24 Stunden gemessenen Blutdruck ließ sich keine signifikante Senkung feststellen (Grönroos et al., 2024).

Das Ergebnis ist interessant, aber differenziert zu betrachten: Rote-Beete-Saft zeigte in dieser Auswertung einen messbaren Effekt auf den systolischen Praxisblutdruck, aber nicht auf sämtliche untersuchten Blutdruckwerte. Die Forschung liefert also Hinweise auf einen physiologischen Effekt. Wie groß dieser im Einzelfall ist, lässt sich nicht vorhersagen.

Doch Stickstoffmonoxid beeinflusst nicht nur den Blutdruck, sondern spielt auch für die Funktion der Gefäßinnenwand – des Endothels – eine wichtige Rolle.

Eine Meta-Analyse randomisierter kontrollierter Studien untersuchte, wie sich anorganisches Nitrat und Rote-Beete-Produkte auf die Funktion der Blutgefäße auswirken. Ausgewertet wurden 12 Studien mit insgesamt 246 Teilnehmern. Darunter waren sowohl Untersuchungen, in denen die Gefäßfunktion wenige Stunden nach einer einzelnen Einnahme gemessen wurde, als auch Studien mit einer wiederholten Einnahme über bis zu 28 Tage. Die verwendeten Nitratmengen und Nitratquellen unterschieden sich zwischen den Studien. Insgesamt zeigte sich gegenüber den Kontrollgruppen eine signifikante Verbesserung der untersuchten Gefäßfunktion (Lara et al., 2016).

 

Auch für Sportler ist Rote-Beete-Saft interessant

Die Wirkung von Nitrat hat Rote-Beete-Saft noch für ein anderes Forschungsgebiet interessant gemacht: Den Sport.

Stickstoffmonoxid beeinflusst u. a. die Durchblutung und damit auch die Versorgung von Gewebe mit Sauerstoff und Nährstoffen. Untersucht wird deshalb auch, ob Rote-Beete-Saft die Ausdauer und Leistungsfähigkeit beeinflussen kann (Zamani et al., 2021).

Die Ergebnisse sind nicht bei jedem Menschen und jeder Belastungsform gleich. Dennoch ist die sportwissenschaftliche Forschung ein weiteres Beispiel dafür, dass die physiologischen Wirkungen von Rote-Beete-Saft weit über seine Rolle als gewöhnliches Lebensmittel hinaus untersucht werden.

 

Wann die Einnahme großer Mengen Rote-Beete-Saftes riskant ist

Rote Beete ist ein gesundes Lebensmittel. Doch wie so oft im Leben gilt auch hier nicht automatisch die Devise „viel hilft viel“. Denn in größeren Mengen kann Nitrit den roten Blutfarbstoff Hämoglobin so verändern, dass dessen Fähigkeit zum Sauerstofftransport beeinträchtigt wird. Außerdem können aus Nitrit unter bestimmten Bedingungen sog. N-Nitroso-Verbindungen entstehen, von denen einige krebserregend sind. Eine systematische Übersichtsarbeit zu Rote-Beete-Saft weist allerdings darauf hin, dass mögliche unerwünschte Wirkungen eines langfristigen hohen Konsums bislang wesentlich weniger untersucht wurden als die erwünschten Wirkungen (Zamani et al., 2021).

Wer Rote-Beete-Saft jedoch gezielt und regelmäßig in großen oder hochkonzentrierten Mengen wegen eines erhöhten Blutdrucks konsumiert, sollte nicht davon ausgehen, dass eine höhere Nitrat-Dosis automatisch einen größeren gesundheitlichen Nutzen bringt. Eine verordnete Blutdruckbehandlung sollte dadurch nicht eigenständig verändert oder ersetzt werden.

 

Rote Beete: Altbekanntes „Superfood“, das mehr Beachtung verdient

Blutrot ist die Rote Beete zwar nicht, doch sie kann sehr viel für die Gesundheit unserer Blutgefäße tun … und noch mehr.

Diese Rübe zeigt, wie unmittelbar Ernährung und Gefäßfunktion miteinander verbunden sein können. Aus dem enthaltenen Nitrat kann der Körper Stickstoffmonoxid bilden – und damit einen Stoff, der direkt auf die Blutgefäße wirkt. Besonders interessant ist, dass sich dieser Mechanismus auch in klinischen Untersuchungen bemerkbar macht: Bei Menschen mit Bluthochdruck wurde eine messbare Senkung des systolischen Praxisblutdrucks beobachtet.

Es ist ein eindrückliches Beispiel dafür, wie ein alltägliches Gemüse messbare physiologische Wirkungen entfalten kann.

 

FAQ – häufig gestellte Fragen zu Roter Beete und ihrer Wirkung auf die Herzgesundheit

1. Ist Rote-Beete-Saft besser geeignet als gekochte Rote Beete?

Das lässt sich anhand der Studien nicht allgemein behaupten. Auch das Gemüse selbst enthält Nitrat. In klinischen Untersuchungen wird jedoch häufig Rote-Beete-Saft eingesetzt, weil sich damit eine definierte Nitratmenge verabreichen und wissenschaftlich besser untersuchen lässt. Die Ergebnisse von Studien mit standardisiertem Saft lassen sich deshalb nicht einfach eins zu eins auf jede Portion gekochter Roter Beete übertragen.

2. Wie viel Rote-Beete-Saft muss ich trinken, damit er den Blutdruck senkt?

Die Studienergebnisse erlauben keine allgemeine Dosierungsempfehlung für die Selbstbehandlung von Bluthochdruck.

3. Wie schnell wirkt Rote-Beete-Saft auf den Blutdruck?

Die Nitrat-Nitrit-Stickstoffmonoxid-Reaktionskette setzt bereits nach der Aufnahme ein. In Studien wurden sowohl kurzfristige als auch längerfristige Auswirkungen untersucht. Eine feste Zeitspanne, nach der Rote-Beete-Saft bei jedem Menschen den Blutdruck senkt, lässt sich daraus jedoch nicht ableiten (Lidder & Webb, 2013).

4. Können Mundspülungen die Wirkung von Roter Beete beeinflussen?

Ja, zumindest bestimmte antibakterielle Mundspülungen können eine Rolle spielen. Sie hemmen Bakterien in der Mundhöhle, die Nitrat aus der Roten Beete zu Nitrit umwandeln. Dadurch kann weniger Nitrit entstehen und anschließend weniger Stickstoffmonoxid gebildet werden. Da Stickstoffmonoxid zur Erweiterung der Blutgefäße beiträgt, kann dieser für die mögliche Blutdruckwirkung von Roter Beete wichtige Stoffwechselweg abgeschwächt werden. Ob sich die regelmäßige Verwendung solcher Mundspülungen bei betroffenen Personen langfristig tatsächlich in einem höheren Blutdruck niederschlägt, ist allerdings nicht abschließend geklärt (Govoni et al., 2008).

 

Weitere Informationen zu Herz-Kreislauf-Gesundheit – und natürlich vielen anderen Themen – finden Sie in unserem Blog, unserer Buchreihe „Medizinskandale“ und dem „Codex Humanus“, dessen fünfter Band kürzlich erschienen ist. Wir freuen uns über Ihren Besuch in unserem Online-Shop.

 

Quellen:

·       Royal Botanic Gardens, Kew: „Beta vulgaris L.“, Plants of the World Online.

·       Lidder, S.; Webb, A. J. (2013): „Vascular Effects of Dietary Nitrate (as Found in Green Leafy Vegetables and Beetroot) via the Nitrate-Nitrite-Nitric Oxide Pathway“, British Journal of Clinical Pharmacology.

·       Grönroos, R. et al. (2024): „Effects of Beetroot Juice on Blood Pressure in Hypertension According to European Society of Hypertension Guidelines: A Systematic Review and Meta-Analysis“, Nutrition, Metabolism and Cardiovascular Diseases.

·       Lara, J. et al. (2016): „Effects of Inorganic Nitrate and Beetroot Supplementation on Endothelial Function: A Systematic Review and Meta-Analysis“, European Journal of Nutrition.

·       Zamani, H. et al. (2021): „The Benefits and Risks of Beetroot Juice Consumption: A Systematic Review“, Critical Reviews in Food Science and Nutrition.

·       Govoni, M. et al. (2008): „The Increase in Plasma Nitrite After a Dietary Nitrate Load Is Markedly Attenuated by an Antibacterial Mouthwash“, Nitric Oxide.


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