Hilfe bei PCOS? – Myo-Inositol kann Zyklus, Eisprung und Kinderwunsch-Erfüllung unterstützen!
Laura Chrobok 01.07.2026
Ein unregelmäßiger Zyklus, ausbleibende Eisprünge oder ein unerfüllter Kinderwunsch belasten viele Frauen mit Polyzystischen Ovarialsyndrom (PCOS). Wer nach natürlichen Möglichkeiten sucht, den Hormonhaushalt zu unterstützen, stößt fast zwangsläufig auf einen natürlich vorkommenden Zuckeralkohol (Polyol): Myo-Inositol. Doch kann diese tatsächlich dazu beitragen, den Zyklus zu regulieren, den Eisprung zu fördern oder Insulinresistenz, ein Merkmal vieler PCOS-Erkrankungen, zu mindern?
Hier zeigen wir Ihnen, was Myo-Inositol ist, wie es im Körper wirkt und was aktuelle Studien zum möglichen Nutzen der Einnahme von Myo-Inositol-Nahrungsergänzungsmitteln sagen.
Was ist Myo-Inositol und wofür benötigen wir es?
Myo-Inositol ist die im menschlichen Körper am häufigsten vorkommende Form der Inositole (zyklische Zuckeralkohole/Polyole). Unsere Körper können Myo-Inositol selbst herstellen, zusätzlich kann (und sollte) man es ggf. über Nahrungs- und Nahrungsergänzungsmittel aufnehmen.
Myo-Inositol kommt natürlicherweise u. a. vor in:
o Bohnen
o Zitrusfrüchten
o Vollkorn-Produkten
o Nüssen
o Samen
(Clements & Darnell, 1980).
Die Mengen liegen jedoch meist deutlich unter den Dosierungen (2 – 4 g), die in wissenschaftlichen Studien untersucht wurden.
Innerhalb unserer Körperzellen übernimmt Myo-Inositol wichtige Aufgaben bei der Signalübertragung und wirkt u. a. als Bestandteil sog. Second-Messenger-Systeme, die an der Wirkung von Insulin sowie des follikelstimulierenden Hormons (FSH) beteiligt sind. Aus diesem Grund wird Myo-Inositol seit Jahren intensiv im Zusammenhang mit Stoffwechselerkrankungen und dem Polyzystischen Ovarialsyndrom (PCOS) untersucht (Croze & Soulage, 2013; Fitz et al., 2024).
Myo-Inositol bei PCOS?
PCOS ist eine komplexe hormonelle und stoffwechselbedingte Erkrankung, deren genaue Entstehung bis heute nicht vollständig geklärt ist. Nach heutigem Kenntnisstand spielen sowohl genetische Faktoren als auch hormonelle Veränderungen und häufig eine Insulinresistenz eine wichtige Rolle. Diese können den weiblichen Hormonhaushalt aus dem Gleichgewicht bringen und dazu führen, dass Eizellen nicht regelmäßig heranreifen oder der Eisprung ausbleibt.
PCOS gehört zu den häufigsten hormonellen Erkrankungen bei Frauen im gebärfähigen Alter. Je nach den verwendeten Diagnosekriterien sind weltweit schätzungsweise 6 bis 13 % der Frauen betroffen (Teede et al., 2023).
Zu den typischen Beschwerden zählen:
· unregelmäßige oder ausbleibende Monatsblutungen
· ausbleibende Eisprünge
· unerfüllter Kinderwunsch
· erhöhte Androgenspiegel
· Akne oder verstärkte Körperbehaarung
Letztgenannte kann hormonelle Prozesse beeinflussen und dadurch Zyklusstörungen sowie ausbleibende Eisprünge begünstigen. Da Myo-Inositol an insulinabhängigen Signalwegen beteiligt ist, wird untersucht, ob eine Supplementierung Stoffwechsel und Fortpflanzungsfunktion positiv beeinflussen kann.
o Myo-Inositol zur Unterstützung von Zyklus, Eisprung und Schwangerschaft?
Diese Frage steht im Mittelpunkt zahlreicher wissenschaftlicher Untersuchungen. Mehrere systematische Übersichtsarbeiten und Metaanalysen können von Hinweisen berichten, dass Myo-Inositol bei Frauen mit PCOS verschiedene Zyklus-Parameter günstig beeinflussen könnte. Beschrieben wurden z. B. häufigere Eisprünge sowie Verbesserungen einzelner Hormon- und Stoffwechselwerte (Greff et al., 2023).
Die Internationale evidenzbasierte PCOS-Leitlinie greift Inositol – auch die Form Myo-Inositol – ausdrücklich als mögliche Option auf, bewertet die derzeitige Evidenz jedoch als noch begrenzt. Gleiches gilt für die Frage, ob Myo-Inositol die Erfüllung eines Kinderwunsches begünstigen kann (Fitz et al., 2024; Teede et al., 2023). Wie so oft heißt es, dass für eine belastbare Einschätzung der Wirksamkeit weitere Studien notwendig seien. Man kann also nur hoffen, dass fleißig geforscht wird. Doch zwischenzeitlich können Sie, liebe Leserinnen und Leser, logischerweise weiterhin selbst Informationen einholen ...
Myo-Inositol bei Insulinresistenz?
Viele Frauen mit PCOS leiden unter einer Insulinresistenz. Da Myo-Inositol eine wichtige Rolle in der Insulinsignalübertragung spielt, untersuchten zahlreiche Studien mögliche Auswirkungen auf den Zuckerstoffwechsel. Metaanalysen beschreiben Hinweise auf Verbesserungen einzelner Parameter wie Nüchterninsulin oder HOMA-IR (Greff et al., 2023).
Auch diese Ergebnisse gelten vielen als vielversprechend, aber noch nicht endgültig.
o Ist Myo-Inositol oder Metformin besser bei PCOS?
Zu den wichtigsten Arzneimitteln bei Insulinresistenz gehört Metformin, welches häufig auch bei PCOS eingesetzt wird.
Bei Verglichen von Metformin mit Myo-Inositol, zeigte Myo-Inositol teils vergleichbare Ergebnisse und wurde häufig besser vertragen, insbesondere hinsichtlich Magen-Darm-Beschwerden (Fitz et al., 2024; Greff et al., 2023).
Dennoch ist Myo-Inositol kein Ersatz für eine ggf. individuell notwendige medikamentöse Behandlung.
Warum enthalten viele Myo-Inositol-Präparate zusätzlich D-Chiro-Inositol?
Neben Myo-Inositol existieren weitere Inositol-Formen, insbesondere D-Chiro-Inositol. Beide übernehmen unterschiedliche Aufgaben innerhalb der zellulären Signalübertragung. Deshalb kombinieren viele Hersteller beide Formen in einem Präparat.
Darreichungsformen und Dosierung von Myo-Inositol
In Deutschland ist Myo-Inositol überwiegend als Pulver oder Kapseln erhältlich.
In wissenschaftlichen Studien wurden häufig Dosierungen von 2 – 4 g täglich untersucht. Teilweise erfolgte die Einnahme zusammen mit D-Chiro-Inositol. Welche Dosierung im Einzelfall sinnvoll ist, hängt jedoch vom jeweiligen Präparat und der individuellen Situation ab. Maßgeblich sind daher die Herstellerangaben sowie gegebenenfalls medizinische Empfehlungen.
Kann es bei der Einnahme von Myo-Inositol zu Nebenwirkungen kommen?
Myo-Inositol gilt insgesamt als gut verträglich. Im Vergleich zu Metformin wurden in Studien teilweise weniger Magen-Darm-Beschwerden beobachtet. Dennoch können auch Nahrungsergänzungsmittel Nebenwirkungen verursachen oder individuell ungeeignet sein. Bei Kinderwunsch oder bestehenden Erkrankungen sollten Sie die Einnahme daher mit Ärzten oder Ärztinnen abstimmen.
Myo-Inositol-Fazit: Das lässt sich aus der Datenlage ableiten
Myo-Inositol gehört zu den derzeit am besten untersuchten Nahrungsergänzungsmitteln bei PCOS. Die bisherige Forschung liefert Hinweise darauf, dass die Substanz insbesondere Frauen mit Zyklusstörungen, ausbleibendem Eisprung oder Insulinresistenz unterstützen könnte. Gleichzeitig zeigt die aktuelle Studienlage, dass noch nicht alle Fragen abschließend beantwortet sind und weitere hochwertige Untersuchungen erforderlich bleiben.
Dennoch hat sich Myo-Inositol aufgrund seiner biologischen Funktionen und der bislang überwiegend positiven Studienergebnisse als vielversprechender naturheilkundlicher Ansatz etabliert. Ob und für wen eine Supplementierung sinnvoll ist, sollte jedoch immer individuell entschieden werden.
FAQ – häufig gestellte Fragen zu Myo-Inositol
1. Muss Myo-Inositol dauerhaft eingenommen werden?
Ob eine langfristige Einnahme sinnvoll ist, lässt sich nicht pauschal beantworten. In den meisten klinischen Studien wurde Myo-Inositol über mehrere Wochen oder Monate untersucht. Ob und wie lange eine Supplementierung erfolgen sollte, hängt unter anderem von den individuellen Beschwerden, dem Therapieziel und der ärztlichen Einschätzung ab.
2. Kann Myo-Inositol zusammen mit Metformin eingenommen werden?
In wissenschaftlichen Studien wurden sowohl Myo-Inositol allein als auch Kombinationen mit Metformin untersucht. Ob eine gemeinsame Einnahme sinnvoll ist, sollte jedoch immer individuell (und im Rahmen medizinischer Beratung) entschieden werden.
3. Können schlanke Frauen mit PCOS von einer Supplementierung mit Myo-Inositol profitieren?
Ja, PCOS tritt nicht ausschließlich bei Übergewicht auf. Auch normalgewichtige Frauen können betroffen sein. Da sich die Beschwerden und Stoffwechselveränderungen individuell unterscheiden, lässt sich jedoch nicht vorhersagen, ob Myo-Inositol jeder Betroffenen gleichermaßen hilft.
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Quellen:
· Clements, R. S. Jr.; Darnell, B. (1980): „Myo-Inositol Content of Common Foods: Development of a High-Myo-Inositol Diet“, The American Journal of Clinical Nutrition.
· Croze, M. L.; Soulage, C. O. (2013): „Potential Role and Therapeutic Interests of Myo-Inositol in Metabolic Diseases“, Biochimie.
· Fitz, V. et al. (2024): „Inositol for Polycystic Ovary Syndrome: A Systematic Review and Meta-analysis to Inform the 2023 Update of the International Evidence-Based PCOS Guidelines“, Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism.
· Teede, H. J. et al. (2023): „International Evidence-Based Recommendations for Polycystic Ovary Syndrome in Adolescents“, Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism.
· Greff, D. et al. (2023): „Inositol is an Effective and Safe Treatment in Polycystic Ovary Syndrome: A Systematic Review and Meta-analysis of Randomized Controlled Trials“, Reproductive Biology and Endocrinology.