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Thymus: Position, Funktion und Bedeutung für das Immunsystem – besonders bei Kindern

Der Thymus ist eines der wichtigsten und zugleich am wenigsten bekannten Organe des Immunsystems. Gerade in den ersten Lebensjahren übernimmt er Aufgaben, die für die spätere Immunabwehr grundlegend sind. Obwohl er im Erwachsenenalter deutlich an Aktivität verliert, bleibt seine Bedeutung groß.

Hier erfahren Sie u. a., welche Funktionen der Thymus hat und welche Faktoren diese beeinflussen.

 

Wo befindet sich der Thymus und wozu dient er im Körper?

Der Thymus ist ein primäres lymphatisches Organ im vorderen oberen Brustraum. Er liegt hinter dem Brustbein, vor dem Herzen und zwischen den Lungenflügeln (Gray’s Anatomy, 2020).

Die zentrale Funktion des Thymus besteht in der Reifung und Selektion von T-Lymphozyten. In diesem Organ werden Immunzellen darauf vorbereitet, körperfremde Strukturen zu erkennen, während gleichzeitig solche eliminiert werden, die körpereigene Gewebe angreifen könnten. Dieser Prozess ist für die immunologische Selbsttoleranz entscheidend. Zwar gelangt nur ein Teil der im Thymus gebildeten T-Zellen später in den Blutkreislauf, diese Zellen sind jedoch für die gezielte Steuerung der Immunabwehr von zentraler Bedeutung (Miller, 1961; Klein et al., 2014).

Diese Abläufe erfolgen von uns unbemerkt, weshalb dem Thymus nur sehr wenig Aufmerksamkeit zukommt. Doch die besondere Bedeutung des Thymus liegt darin, dass er vor allem in der frühen Lebensphase aktiv ist. In dieser Zeit wird ein großer Teil des T-Zell-Repertoires aufgebaut, das für die spätere Abwehr von Infektionen entscheidend ist. Störungen in dieser Entwicklungsphase können die Ausbildung des Immunsystems beeinträchtigen und mit einer erhöhten Anfälligkeit für Infektionen einhergehen (Palmer, 2013). Manchmal ist in solchen Fällen eine Thymus-Transplantation möglich bzw. nötig, manchmal eine konsequente Infektionsprophylaxe durch Hygienemaßnahmen oder auch Medikamentengabe (Markert et al., 1999).

 

Warum nimmt die Bedeutung des Thymus im Erwachsenenalter ab?

Der Thymus unterliegt einer physiologischen Rückbildung, die als Thymus-Involution bezeichnet wird. Dieser Prozess beginnt bereits in der Pubertät und führt dazu, dass die T-Zellen-Neubildung im Laufe des Lebens abnimmt (Savino et al., 2007).

Das bedeutet jedoch nicht, dass der Thymus bedeutungslos wird. Vielmehr hat er seine wichtigste Aufbauarbeit dann bereits geleistet.

 

Welche Erkrankungen können den Thymus betreffen?

Der Thymus kann durch verschiedene Erkrankungen direkt oder indirekt geschädigt werden, z. B.:

·       Thymome

·       Thymuskarzinome

Diese Tumoren treten überwiegend im Erwachsenenalter auf und sind häufig mit immunologischen Auffälligkeiten wie Autoimmunerkrankungen verbunden (Detterbeck & Parsons, 2004). Die werden häufig operativ entfernt bzw. mit Chemo- oder Strahlentherapie behandelt. Wir kommen noch darauf, warum diese Vorgehensweise „nicht ganz ohne“ ist.

·       Autoimmunerkrankungen wie Myasthenia gravis

Der Thymus ist eng mit der Regulation der Selbsttoleranz verknüpft. Ist dieser Prozess gestört, können autoreaktive T-Zellen entstehen, die körpereigene Strukturen angreifen. Myasthenia gravis wird meist mit Immunsuppressiva, z. B. Kortikosteroide, therapiert (Gilhus, 2016).

 

Welche Faktoren beeinflussen die Funktion des Thymus?

Zu den Faktoren, die mit Veränderungen der thymischen Funktion in Verbindung gebracht werden, zählen insbesondere:

·       Mangelernährung

·       Infektionen

 sowie

·       Chemotherapie

·       Strahlentherapie

Diese Maßnahmen können nicht nur Tumorgewebe entfernen, sondern auch den Thymus schädigen – womit sich die Katze in den Schwanz beißen würde (s. o.).

 

Fazit: Kleines Organ mit großer Bedeutung

Der Thymus ist für die Entwicklung des Immunsystems von grundlegender Bedeutung, vor allem im Kindesalter: Er entscheidet mit darüber, wie zuverlässig der Körper zwischen fremd und körpereigen unterscheidet.

Eine ausreichende Nährstoffversorgung und die Vermeidung schwerer systemischer Belastungen – wie eben Strahlen- oder Chemotherapie, aber auch chronische Entzündungen oder Infektionskrankheiten ist daher erstrebenswert, um die korrekte Funktion des Organs zu unterstützen.

 

FAQ – häufig gestellte Fragen zum Thymus

1. Welche Autoimmunerkrankungen können neben Myasthenia gravis aus Thymus-Veränderungen resultieren?

Dazu zählen insbesondere Erkrankungen wie das Good-Syndrom (eine Kombination aus Thymom und Immundefekt), Autoimmunzytopenien sowie seltener systemische Erkrankungen wie Lupus erythematodes oder rheumatoide Arthritis (Gilhus, 2016; Detterbeck & Parsons, 2004).

2. Sind Thymus-Tumoren häufig?

Thymome und Thymuskarzinome sind medizinisch relevant, aber selten.

3. Kann man ohne Thymus leben?

Wie beschrieben, ist eine fehlerhafte Funktionsweise oder das gänzliche Fehlen des Thymus im Kindesalter mit erheblichen Folgen verbunden, im Erwachsenenalter weit weniger.

 

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Quellen:

·       Gray, H.; Standring, S. (Hrsg.): „Gray’s Anatomy: The Anatomical Basis of Clinical Practice“, 42nd Edition. Elsevier, 2020.

·       Miller, J. F. A. P. (1961): „Immunological Function of the Thymus“, The Lancet.

·       Klein, L. et al. (2014): „Positive and negative selection of the T cell repertoire: what thymocytes see (and don’t see)“, Nature Reviews Immunology.

·       Palmer, D. B. (2013): „The Effect of Age on Thymic Function“, Frontiers in Immunology.

·       Markert, M. L. et al. (1999): „Transplantation of Thymus Tissue in Complete DiGeorge Syndrome“, New England Journal of Medicine.

·       Savino, W. et al. (2007): „The Thymus is a Common Target in Malnutrition and Infection“, British Journal of Nutrition.

·       Detterbeck, F. C.; Parsons, A. M. (2004): „Thymic Tumors“, Annals of Thoracic Surgery.

·       Gilhus, N. E. (2016): „Myasthenia Gravis“, New England Journal of Medicine.