PQQ: Neue „Kraftwerke“ für unsere Zellen?
Laura Chrobok 14.10.2026
Wie kann ein Stoff, der natürlicherweise nur in winzigen Mengen in Lebensmitteln vorkommt, Prozesse in unseren Zellen beeinflussen? Genau diese Frage macht PQQ wissenschaftlich interessant.
Im heutigen Beitrag geht es um die Wirkung von PQQ auf die Mitochondrien und darum, was Studien über Zusammenhänge mit einem besseren Gedächtnis und kognitiver Leistung aussagen.
Pyrrolochinolinchinon (PQQ) – Was ist das eigentlich?
Pyrrolochinolinchinon ist eine redoxaktive Chinonverbindung, d. h. eine wesentliche Eigenschaft dieser Verbindung organischer Moleküle besteht darin, Elektronen aufnehmen und wieder abgeben zu können. Dadurch ist PQQ an Prozessen beteiligt, die auch für den zellulären Energiestoffwechsel von Bedeutung sind.
Bekannt wurde PQQ zunächst als Cofaktor bestimmter bakterieller Enzyme. Aufgrund seiner biologischen Eigenschaften wird der Stoff häufig als „vitaminähnlich“ bezeichnet, als Vitamin ist PQQ jedoch nicht anerkannt (Jonscher et al., 2021). Es kommt im menschlichen Körper in Spuren vor, wird dort jedoch nicht selbst gebildet, weshalb es über die Nahrung aufgenommen werden muss (EFSA Panel on Dietetic Products, Nutrition and Allergies, 2017).
Welche Lebensmittel enthalten PQQ?
Verschiedene Lebensmittel enthalten natürlicherweise PQQ, z. B.:
o Petersilie
o Spinat
o grüne Paprika
o Kartoffel
o fermentierte Sojaprodukte (wie Natto, Tofu und Miso)
o Milch (geringe Mengen)
o Eier (geringe Mengen)
(EFSA NDA Panel, 2017).
PQQ für neue Mitochondrien?
Mitochondrien produzieren einen großen Teil des ATP, mit dem unsere Zellen ihre energieabhängigen Prozesse antreiben. Dabei ist ihre Zahl keineswegs unveränderlich: Zellen können neue Mitochondrien bilden. Dieser Vorgang heißt mitochondriale Biogenese.
Bezüglich PQQ wurde eine Förderung dieses Prozesses bislang besonders deutlich in Zellversuchen nachgewiesen. Forscher behandelten kultivierte Leberzellen von Mäusen mit PQQ, woraufhin die Menge mitochondrialer DNA, die Aktivität mitochondrialer Enzyme und der Sauerstoffverbrauch der Zelle zunahmen. Gleichzeitig aktivierte PQQ u. a. CREB und PGC-1α. Vor allem PGC-1α ist ein zentraler Regulator der mitochondrialen Biogenese. Wurden PGC-1α oder CREB jedoch experimentell vermindert, konnte PQQ die mitochondriale Biogenese nicht mehr entsprechend anregen (Chowanadisai et al., 2010).
Die Aussage, dass PQQ die Bildung neuer Mitochondrien fördert, hat damit eine Grundlage – direkt nachgewiesen wurde dieser Effekt bislang jedoch lediglich in Zellmodellen. Bei Menschen zeigen Studien bisher vor allem Veränderungen von Stoffwechselprozessen und Markern, die mit der mitochondrialen Funktion und Biogenese zusammenhängen.
Wie beeinflusst PQQ den Stoffwechsel?
Erste Studien zeigen, dass sich unter PQQ verschiedene Marker verändern, die mit Energie-Gewinnung und mitochondrialer Funktion zusammenhängen. In einer Untersuchung mit zehn Erwachsenen wurden nach einer kurzen Einnahmephase u. a. Entzündungsmarker und Stoffwechselprodukte analysiert.
Das C-reaktive Protein und Interleukin-6 sanken signifikant. Gleichzeitig veränderten sich mehrere Stoffwechselprodukte im Urin. Die Forscher werteten diese Veränderungen als Hinweis auf eine günstigere mitochondrienbezogene Stoffwechsellage (Harris et al., 2013).
Eine weitere Studie untersuchte 23 untrainierte Männer, die 6 Wochen lang Ausdauertraining absolvierten und zusätzlich entweder täglich 20 mg PQQ oder ein Placebo erhielten. Unter PQQ stieg PGC-1α – ein Protein, das eine wichtige Rolle bei der Anpassung und Neubildung von Mitochondrien spielt – stärker an als bei der Einnahme des Placebos. Auf Ausdauerleistung und Körperzusammensetzung hatte PQQ dagegen keinen zusätzlichen Effekt (Hwang et al., 2020).
Damit zeigt sich: PQQ beeinflusst messbare Prozesse, die mit Mitochondrien und Zellenergie zusammenhängen. Ob dadurch tatsächlich mehr Mitochondrien entstehen, ist bislang noch nicht direkt nachgewiesen.
PQQ für das Gedächtnis?
Noch greifbarer sind die Ergebnisse zur geistigen Leistungsfähigkeit. In einer doppelblinden und placebokontrollierten Studie erhielten 62 gesunde Erwachsene zwischen 20 und 65 Jahren 12 Wochen lang entweder täglich 20 mg PQQ oder ein Placebo.
Danach schnitt die PQQ-Gruppe in einem computergestützten Kognitionstest beim verbalen Gedächtnis sowie beim Gesamtgedächtnis – einem kombinierten Wert aus verbalem und visuellem Gedächtnis – signifikant besser ab. Auch bei der Auswertung nach Altersgruppen zeigten sich Unterschiede: Bei den 20- bis 40-Jährigen verbesserten sich bereits nach 8 Wochen z. B. kognitive Flexibilität und Verarbeitungsgeschwindigkeit. Bei den 41- bis 65-Jährigen zeigten sich nach 12 Wochen insbesondere bessere Werte beim Gesamt- und verbalen Gedächtnis (Tamakoshi et al., 2023).
Was wird bezüglich Erwerb und Dosierung von PQQ empfohlen?
PQQ-Dinatriumsalz ist in der Europäischen Union seit 2018 für die Verwendung in Nahrungsergänzungsmitteln zugelassen, soll aber laut EU-Vorgabe nicht von Kindern, Jugendlichen, Schwangeren oder Stillenden verzehrt werden. Bei Nahrungsergänzungsmitteln mit PQQ-Dinatriumsalz ist in der EU für Erwachsene eine maximale tägliche Verzehrmenge von 20 mg festgelegt. Die Spezifikationen sehen außerdem eine Reinheit von mindestens 99 % vor. PQQ wird vor allem in Form von Kapseln oder Tabletten angeboten – entweder als Einzelpräparat oder kombiniert mit anderen Stoffen (Europäische Kommission, 2018).
Und die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) weist darauf hin, dass die vorliegenden Humanstudien für eine umfassende Sicherheitsbewertung nur begrenzt aussagekräftig waren (EFSA Panel on Dietetic Products, Nutrition and Allergies, 2017).
PQQ – Ergebnisse vor allem bei der Gedächtnisleistung
PQQ greift in Prozesse ein, die für unsere Mitochondrien von zentraler Bedeutung sind. In Zellversuchen aktiviert der Stoff die mitochondriale Biogenese und erhöht verschiedene Kennzeichen der Mitochondrienbildung. Beim Menschen wurden zudem Veränderungen des Stoffwechsels und ein Anstieg des mit mitochondrialer Biogenese verbundenen Proteins PGC-1α gemessen. Noch konkreter sind die bisherigen Ergebnisse zur Gehirnfunktion.
Bei der besonders reizvollen Vorstellung, durch eine Einnahme einfach „neue Kraftwerke“ in unseren Zellen entstehen zu lassen, ist die Forschung allerdings noch nicht so weit wie in experimentellen Zellmodellen.
FAQ – weitere häufig gestellte Fragen zu Pyrrolochinolinchinon (PQQ)
1. Kann ich PQQ dauerhaft einnehmen?
Für eine jahrelange oder dauerhaft fortgesetzte Einnahme liegen bislang keine ausreichenden Humanstudien vor. Die von der EFSA ausgewerteten klinischen Untersuchungen dauerten höchstens 24 Wochen. Für längere Einnahmezeiträume lässt sich die Sicherheit daher noch nicht zuverlässig beurteilen (EFSA Panel on Dietetic Products, Nutrition and Allergies, 2017).
2. Kann PQQ Nebenwirkungen haben oder Wechselwirkungen mit Medikamenten verursachen?
In den bisherigen Humanstudien zeigte sich kein eindeutiges PQQ-spezifisches Nebenwirkungsprofil. Die EFSA bewertete klinische Studien mit Dosierungen bis 100 mg täglich und Laufzeiten bis 24 Wochen, weist jedoch darauf hin, dass diese Untersuchungen für eine umfassende Sicherheitsbewertung nur begrenzt geeignet waren und insbesondere die Nierenfunktion nicht gezielt untersucht wurde (EFSA Panel on Dietetic Products, Nutrition and Allergies, 2017).
Auch zu Wechselwirkungen mit Arzneimitteln fehlen bislang ausreichende klinische Untersuchungen. Dass keine etablierten Wechselwirkungen bekannt sind, bedeutet deshalb nicht, dass sie ausgeschlossen werden können. Wer regelmäßig Medikamente einnimmt, sollte die Kombination vorher ärztlich oder pharmazeutisch abklären (Yan et al., 2024).
3. Kann PQQ mit anderen Nahrungsergänzungsmitteln kombiniert werden?
PQQ wurde u. a. zusammen mit Coenzym Q10 untersucht. Klinische Untersuchungen deuten darauf hin, dass die Kombination bei einzelnen kognitiven Tests zusätzliche Effekte zeigen kann (Ikemoto et al., 2024).
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Quellen:
· Jonscher, K. R. et al. (2021): „Pyrroloquinoline-Quinone Is More Than an Antioxidant: A Vitamin-like Accessory Factor Important in Health and Disease Prevention“, Biomolecules.
· EFSA Panel on Dietetic Products, Nutrition and Allergies (2017): „Safety of pyrroloquinoline quinone disodium salt as a novel food pursuant to Regulation (EC) No 258/97“, EFSA Journal.
· Chowanadisai, W. et al. (2010): „Pyrroloquinoline quinone stimulates mitochondrial biogenesis through cAMP response element-binding protein phosphorylation and increased PGC-1alpha expression“, Journal of Biological Chemistry.
· Harris, C. B. et al. (2013): „Dietary pyrroloquinoline quinone (PQQ) alters indicators of inflammation and mitochondrial-related metabolism in human subjects“, The Journal of Nutritional Biochemistry.
· Hwang, P. S. et al. (2020): „Effects of Pyrroloquinoline Quinone (PQQ) Supplementation on Aerobic Exercise Performance and Indices of Mitochondrial Biogenesis in Untrained Men“, Journal of the American College of Nutrition.
· Tamakoshi, M. et al. (2023): „Pyrroloquinoline quinone disodium salt improves brain function in both younger and older adults“, Food & Function.
· Europäische Kommission (2018): „Durchführungsverordnung (EU) 2018/1122 der Kommission vom 10. August 2018 zur Genehmigung des Inverkehrbringens von Pyrrolochinolinchinon-Dinatriumsalz als neuartiges Lebensmittel gemäß der Verordnung (EU) 2015/2283 des Europäischen Parlaments und des Rates sowie zur Änderung der Durchführungsverordnung (EU) 2017/2470 der Kommission“, Amtsblatt der Europäischen Union.
· Yan, T. et al. (2024): „Pyrroloquinoline Quinone (PQQ): Its impact on human health and potential benefits: PQQ: Human health impacts and benefits“, Current Research in Food Science.
· Ikemoto, K. et al. (2024): „The effects of pyrroloquinoline quinone disodium salt on brain function and physiological processes“, The Journal of Medical Investigation.
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