Postbiotika: Wirkung und Nutzen des neuen Gesundheitstrends
Laura Chrobok 26.05.2026
Das Thema Darmgesundheit boomt seit Jahren. Während früher vor allem Probiotika und Präbiotika im Mittelpunkt standen, rücken inzwischen zunehmend sog. Postbiotika in den Fokus. Hersteller sprechen von der „nächsten Generation“ moderner Mikrobiom-Produkte. Gleichzeitig taucht der Begriff im Zusammenhang mit Longevity immer häufiger in Fachartikeln und Online-Portalen auf. Doch was genau sind Postbiotika und warum interessieren sich plötzlich so viele Menschen dafür?
Im heutigen Beitrag erklären wir, was Postbiotika eigentlich sind, wie sie wirken und weshalb das Thema derzeit sowohl wissenschaftlich als auch wirtschaftlich stark an Bedeutung gewinnt.
Was sind Postbiotika? Die Unterschiede zu Pro- und Präbiotika erklährt
Die Begriffe werden nicht selten verwechselt. Wir erleichtern die Differenzierung:
Probiotika enthalten lebende Mikroorganismen, die (dem Darm) in ausreichender Menge gesundheitliche Vorteile vermitteln.
Präbiotika sind unverdauliche Nahrungsbestandteile, die bestimmten Darmbakterien als Nahrung dienen. Dazu zählen beispielsweise bestimmte Ballaststoffe.
Postbiotika sind dagegen keine lebenden Bakterien. Der Begriff beschreibt Substanzen, Stoffwechselprodukte oder inaktivierte Mikroorganismen, die im Zusammenhang mit Darmbakterien entstehen und gesundheitliche Effekte haben können. Die International Scientific Association for Probiotics and Prebiotics (ISAPP) definierte Postbiotika offiziell als: „Eine Zubereitung aus inaktivierten Mikroorganismen und/oder deren Bestandteilen, die einen gesundheitlichen Nutzen für den Wirt vermittelt“ (ISAPP consensus statement, 2021).
Dazu zählen u. a.:
· kurzkettige Fettsäuren wie Butyrat
· bakterielle Zellbestandteile
· Enzyme
· Peptide
· Stoffwechselprodukte fermentativer Prozesse
Warum liegen Postbiotika im Trend?
Das Interesse am Mikrobiom ist in den vergangenen Jahren massiv gestiegen.
Man sucht nach:
o stabileren Produkten
o besser standardisierbaren Herstellungsverfahren
o
neuen Ansätzen für Darmgesundheit
o funktionellen Lebensmitteln
o und sog. „Next-Generation“-Mikrobiom-Produkten.
Auch in den Bereichen Longevity, funktionelle Medizin und Ernährungsmedizin gewinnen Postbiotika zunehmend Beachtung und Bedeutung (DSM-Firmenich, 2025).
Genau deshalb gelten Postbiotika inzwischen für viele Forscher und Mikrobiom-Experten als einer der spannendsten neuen Trends der modernen Darm- und Mikrobiomforschung. Besonders untersucht wird derzeit, wie solche postbiotischen Substanzen mit Darmbarriere, Immunregulation, Stoffwechselprozessen, entzündungsbezogenen Vorgängen und metabolischen Funktionen zusammenhängen. Die genannten Unterschiede im Vergleich zu Pro- und Präbiotika machen Postbiotika für Forschung und Nahrungsergänzungsmittel-Industrie besonders interessant. Inaktivierte Mikroorganismen gelten z. T. als hitzebeständiger, stabiler, länger haltbar und technologisch leichter kontrollierbar als lebende Kulturen.
Dadurch eignen sie sich potenziell besser zur Produktion von:
· Nahrungsergänzungsmitteln
· funktionellen Lebensmitteln
· Getränken
· oder industriellen Produktionsprozessen
(Nataraj et al., 2020; DSM-Firmenich, 2025).
Können fermentierte Lebensmittel natürliche Postbiotika enthalten?
Weil postbiotische Stoffwechselprodukte u. a. bei Fermentationsprozessen entstehen, werden sie auch im Zusammenhang mit fermentierten Lebensmitteln diskutiert, etwa:
o Joghurt
o Kefir
o Sauerkraut
o Kimchi
o Miso
o Kombucha
Allerdings hängt die genaue Zusammensetzung solcher Stoffe stark von der Herstellung, Lagerung und den beteiligten Mikroorganismen ab (Caffrey et al., 2025).
Fazit: Postbiotika sind mehr als nur ein kurzfristiger Hype!
Postbiotika sind deutlich mehr als nur ein neuer Marketingbegriff. Tatsächlich wächst das wissenschaftliche und wirtschaftliche Interesse an mikrobiellen Stoffwechselprodukten derzeit erheblich.
Langfristig könnten sie eine wichtige Rolle im Bereich Darmgesundheit, funktionelle Ernährung und Mikrobiom-Forschung spielen, wenngleich die Diskussion sich derzeit an einem Punkt befindet, an dem wissenschaftliche Forschungen, Erwartungen, Hoffnungen und kommerzielle Vermarktung eng nebeneinanderliegen. Chancen frühzeitig zu erkennen und wahrzunehmen hat noch nie geschadet.
FAQ – häufig gestellte Fragen zu Postbiotika
1. Warum spricht die Longevity-Szene über Postbiotika?
Weil zunehmend untersucht wird, in welcher Weise mikrobielle Stoffwechselprodukte mit Alterungsprozessen, Stoffwechsel und chronischen Entzündungen zusammenhängen.
2. Werden Postbiotika auch in Kosmetik oder Hautpflege eingesetzt?
Ja, inzwischen tauchen Postbiotika zunehmend auch in Hautpflege- und Kosmetikprodukten auf. Dort werden sie u. a. im Zusammenhang mit dem Mikrobiom der Haut, der Hautbarriere und mikrobiomfreundlicher Körperpflege relevant. Besonders im Bereich funktioneller Kosmetik und sog. „Microbiome Skincare“ wächst das Interesse deutlich.
3. Es gibt also spezielle Postbiotika-Produkte auf dem Markt?
Ja, inzwischen kommen Postbiotika zunehmend in Nahrungsergänzungsmitteln, funktionellen Lebensmitteln und speziellen Mikrobiom-Produkten vor.
4. Welche Rolle spielt Butyrat im Zusammenhang mit der Darmgesundheit?
Butyrat gehört zu den bekanntesten kurzkettigen Fettsäuren und wird intensiv im Zusammenhang mit Darmbarriere, Stoffwechsel und entzündungsbezogenen Prozessen untersucht.
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Quellen:
· Salminen, S. et al. (2021): „The International Scientific Association of Probiotics and Prebiotics (ISAPP) consensus statement on the definition and scope of postbiotics“, Nature Reviews Gastroenterology & Hepatology.
· Nataraj, B. H. et al. (2020): „Postbiotics-parabiotics: the new horizons in microbial biotherapy and functional foods“. Microbial Cell Factories.
· DSM-Firmenich (2025): „What’s next for gut health? 5 breakthrough trends from Probiota 2025“, DSM-Firmenich.
· Caffrey, E. B. et al. (2025): „Unpacking Food Fermentation: Clinically Relevant Tools for Fermented Food Identification and Consumption“, Advances in Nutrition.