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Neurodermitis: Wenn Therapien die gleichen Beschwerden verursachen wie die Krankheit

Laura Chrobok  28.09.2026

Durch quälenden Juckreiz, schuppige, gerötete und entzündete Haut kann Neurodermitis die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen. Die Schulmedizin behandelt vor allem Symptome. Und das häufig mit sehr teuren Medikamenten, die erhebliche Nebenwirkungen haben können, welche typischen Neurodermitis-Symptomen erschreckend ähnlich sind.

Wir erklären, was Neurodermitis ist und warum schulmedizinischen Neurodermitis-Therapien nicht „blind“ vertraut werden sollte.

 

Neurodermitis – viele mögliche Ursachen, viele mögliche Beschwerden

Neurodermitis, auch atopische Dermatitis, atopisches Ekzem oder endogenes Ekzem genannt, ist eine chronisch-entzündliche Hauterkrankung. Der Begriff „Ekzem“ bezeichnet entzündliche Hautveränderungen, die beispielsweise mit Rötung, Juckreiz und Schuppung einhergehen können. Besonders häufig beginnt die Erkrankung im Kindesalter, sie kann jedoch auch Erwachsene betreffen und die Lebensqualität in jedem Alter erheblich beeinträchtigen (Weidinger et al., 2018).

Für eine Neurodermitis-Erkrankung gibt es dne einzelne Ursache. Genetische Faktoren, eine beeinträchtigte Hautbarriere und fehlgeleitete Immunreaktionen können ihr zugrunde liegen. Gerade die Wechselwirkung zwischen gestörter Hautbarriere und immunvermittelter Entzündung ist ein wichtiger Bestandteil der heutigen Vorstellungen zur Entstehung der Erkrankung (Guttman-Yassky et al., 2017; Weidinger et al., 2018).

 

Die Schulmedizin behandelt Symptome – keine Ursachen

Die Symptome einer Neurodermitis zu lindern, ohne die Ursachen zu beseitigen, kann durchaus lukrativ sein. Denn wer chronisch – also dauerhaft – krank ist, braucht ggf. auch dauerhaft (teils sehr teure) Medikamente.

Einige dieser Medikamente können Nebenwirkungen haben, die Beschwerden ähneln, die bei einem Neurodermitis-Schub ohnehin auftreten: Hautreizungen, Juckreiz oder Rötungen.

Darin besteht ein „Medizinskandal“ in Sachen Neurodermitis. Wer möchte sich schon einer Behandlung unterziehen, die Beschwerden verursachen kann, gegen die man eigentlich vorgehen möchte?

Ein weiterer besteht darin, dass sog. Basistherapien – Emulsionen und Cremes zur Verbesserung der Hautfeuchtigkeit und Unterstützung der Hautbarriere – nicht immer von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen werden. „Basistherapien“, man könnte also sagen, grundsätzliche Erfordernisse im Krankheitsfall, welche die Versicherung nicht trägt … (Gemeinsamer Bundesausschuss, 2008).

Bei schwereren Verläufen können dagegen erheblich aufwendigere „systemische Therapien“ zum Einsatz kommen. Einige davon können nicht „nur“ erhebliche Kosten verursachen, sondern sind auch mit teils erheblichen Nebenwirkungen verbunden:

Topische Kortikosteroide können die Haut schädigen

(Topisch: Äußerlich an einer bestimmten Körperstelle direkt auf Haut oder Schleimhaut aufgetragen.)

Topische Kortikosteroide – meist schlicht als Kortison-Cremes bezeichnet – gehören seit Jahrzehnten zu den wichtigsten Medikamenten gegen entzündliche Neurodermitis-Schübe. Ihre entzündungshemmende Wirkung ist der Grund für ihren therapeutischen Nutzen.

Gleichzeitig kann insbesondere eine langfristige, hochpotente oder unsachgemäße Anwendung unerwünschte Wirkungen verursachen. Dazu gehört die Hautatrophie, d. h. eine Ausdünnung der Haut, durch die diese empfindlicher und verletzlicher werden kann (Barnes et al., 2015).

Weitere mögliche lokale unerwünschte Wirkungen sind Hautreizungen und Pigment-veränderungen. Bei unsachgemäßer Anwendung im Gesichtsbereich können zudem steroidbedingte Hautprobleme auftreten (Hengge et al., 2006).

Damit ergibt sich ein bemerkenswerter Gegensatz: Das Medikament soll entzündete und gereizte Haut behandeln, kann aber selbst Hautprobleme verursachen. Eine sachgerechte und zeitlich begrenzte Anwendung ist entscheidend für die Verträglichkeit (Barnes et al., 2015).

Topische Calcineurininhibitoren können Brennen und Juckreiz verursachen

Zu den weiteren Behandlungsmöglichkeiten gehören topische Calcineurininhibitoren wie Tacrolimus und Pimecrolimus.

Sie können eine Alternative zu topischen Kortikosteroiden darstellen und verursachen nicht die für Kortikosteroide typische Hautatrophie. Frei von unerwünschten Wirkungen sind sie jedoch nicht. Insbesondere können Brennen und Juckreiz an der behandelten Hautstelle auftreten.

Eine systematische Übersichtsarbeit und Meta-Analyse bestätigt die Wirksamkeit topischer Calcineurininhibitoren, dokumentiert zugleich aber auch lokale Nebenwirkungen wie Brennen und Juckreiz (El-Batawy et al., 2009).

Antihistaminika helfen bei Neurodermitis nur begrenzt

Antihistaminika werden u. a. eingesetzt, um Juckreiz zu lindern. Bei Neurodermitis ist der Nutzen jedoch begrenzt. Für orale H1-Antihistaminika als nützliche Zusatztherapie bei Ekzemen gibt es insgesamt keine konsistente Evidenz. Allenfalls für einzelne Wirkstoffe wurde eine geringe Verbesserung des Juckreizes festgestellt (Matterne et al., 2019).

Vor allem ältere H1-Antihistaminika können zudem sedierend wirken. Müdigkeit und Schläfrigkeit sind daher mögliche Begleiterscheinungen (Simon & Simons, 2008).

Systemische Immunsuppressiva unterdrücken nicht nur die Beschwerden

Bei schwereren Formen der Neurodermitis können systemische Immunsuppressiva bzw. Immunmodulatoren eingesetzt werden.

Anders als äußerlich aufgetragene Cremes wirken sie nicht gezielt auf einzelne Hautstellen, sondern auf das Immunsystem. Dieses ist jedoch nicht nur an entzündlichen Reaktionen beteiligt, sondern erfüllt zugleich zentrale Schutzfunktionen im Organismus. Systemische Eingriffe in seine Aktivität müssen deshalb hinsichtlich Nutzen und möglicher Risiken sorgfältig abgewogen und medizinisch überwacht werden.

Außerdem bedeutet eine Unterdrückung der Beschwerden selbstverständlich keine Heilung der Neurodermitis. Nach Beendigung einer Therapie können die Beschwerden erneut auftreten.

(Weidinger et al., 2018).

Biologika ermöglichen eine gezielte, aber kostspielige Behandlung

Zu den moderneren Behandlungsmöglichkeiten der Neurodermitis gehören sog. Biologika. Dabei handelt es sich um biotechnologisch hergestellte Proteine, die gezielt bestimmte Signalwege des Immunsystems beeinflussen (Weidinger et al., 2018).

Ein bekanntes Beispiel ist Dupilumab.

Die Entwicklung und Herstellung solcher Wirkstoffe ist komplex. Entsprechend können auch die Behandlungskosten erheblich sein.

Eine 2018 veröffentlichte gesundheitsökonomische Untersuchung analysierte ausdrücklich die Kosten und den gesundheitlichen Nutzen von Dupilumab bei mittelschwerer bis schwerer atopischer Dermatitis. In dem untersuchten US-Modell war Dupilumab mit zusätzlichen gesundheitlichen Vorteilen, aber auch mit erheblichen zusätzlichen Kosten gegenüber der üblichen Behandlung verbunden (Zimmermann et al., 2018).


Neurodermitis und die Schulmedizin: Behandeln ohne zu heilen

Von Neurodermitis Betroffene können über Jahre oder sogar dauerhaft auf Therapien angewiesen sein, während einige der eingesetzten Medikamente ausgerechnet Beschwerden wie Hautreizungen, Brennen oder Juckreiz hervorrufen können, gegen die sie eingesetzt werden.

Besonders kritisch wird dieses Prinzip bei langfristigen, systemischen und kostspieligen Therapien. Wer lediglich Entzündungsreaktionen unterdrückt, beseitigt damit nicht zwangsläufig die Faktoren, die zur Erkrankung beitragen. Nach dem Absetzen können die Beschwerden zurückkehren. Eine verantwortungsvolle Neurodermitis-Behandlung sollte sich deshalb nicht darin erschöpfen, Symptome medikamentös in Schach zu halten. Sie sollte Nutzen, Risiken und Kosten jeder Therapie kritisch gegeneinander abwägen, dabei zugleich den Blick über die reine Symptombehandlung hinaus richten. Die Art und Weise, in der die Alternativmedizin dies tut, beleuchten wir in unserem nächsten Beitrag.

 

FAQ – häufig gestellte Fragen zu Neurodermitis

1. Wie ist die menschliche Haut aufgebaut – und wie von einer Neurodermitis-Erkrankung betroffen?

Unsere Haut besteht grundsätzlich aus drei Schichten: der Oberhaut (Epidermis), der Lederhaut (Dermis) und der Unterhaut (Subkutis). Für die Neurodermitis ist insbesondere die äußerste Barriere der Oberhaut von Bedeutung. Sie soll unter anderem verhindern, dass zu viel Feuchtigkeit verloren geht und reizende oder allergieauslösende Stoffe ungehindert eindringen.

Bei Neurodermitis ist diese Hautbarriere häufig beeinträchtigt. Die Haut verliert leichter Feuchtigkeit und reagiert empfindlicher auf äußere Einflüsse. Gleichzeitig laufen entzündliche Immunreaktionen ab. Hautbarriere und Immunsystem beeinflussen sich dabei gegenseitig – Neurodermitis ist deshalb mehr als lediglich „trockene Haut“ (Weidinger et al., 2018).

2. Warum heißt Neurodermitis eigentlich „Neurodermitis“, ohne eine neurologische Erkrankung zu sein?

Der Begriff „Neurodermitis“ geht auf das ausgehende 19. Jahrhundert zurück. Der französische Dermatologe Louis Brocq verwendete 1891 die Bezeichnung „Névrodermite“; im selben Jahr veröffentlichten Brocq und Léonard Jacquet eine Arbeit über eine umschriebene Form der „Névrodermite“ (Brocq, 1891; Brocq & Jacquet, 1891).

Die Bezeichnung spiegelte die damalige Vorstellung wider, dass nervöse Einflüsse bei der Entstehung der Erkrankung eine entscheidende Rolle spielen könnten. Die US-amerikanischen Dermatologen Marion B. Sulzberger und Joseph Goodman griffen diese Begriffsgeschichte 1936 in einer medizinischen Fachpublikation zur atopischen Dermatitis auf. Sie erläuterten rückblickend, dass bereits die von Brocq und Jacquet gewählte Bezeichnung „Névrodermite“ deren damalige Auffassung eines „nervösen“ Ursprungs der Erkrankung zum Ausdruck gebracht habe (Sulzberger & Goodman, 1936). Ihre Arbeit dokumentiert, welche medizinische Vorstellung hinter dem historischen Begriff stand.

3. Welche Faktoren können einen Neurodermitis-Schub auslösen oder verstärken?

Das ist individuell sehr unterschiedlich. Mögliche Trigger sind beispielsweise mechanische oder chemische Hautreizungen, Allergene, starkes Schwitzen, bestimmte klimatische Bedingungen, Infektionen oder psychischer Stress. Auch Hautpflegeprodukte oder bestimmte Materialien der Kleidung können bei einzelnen Betroffenen eine Rolle spielen (Werfel et al., 2024).

Entscheidend ist jedoch: Ein möglicher Trigger ist nicht automatisch die Ursache der Neurodermitis. Er kann vielmehr dazu beitragen, dass sich eine bereits bestehende Krankheitsneigung bemerkbar macht oder ein vorhandener Entzündungsprozess verstärkt wird. Deshalb ist es sinnvoller, individuelle Zusammenhänge zu beobachten, als pauschal möglichst viele vermeintliche Auslöser zu meiden.

4. Können bestimmte Lebensmittel Neurodermitis verschlechtern?

Ja, bei einem Teil der Betroffenen können Nahrungsmittelallergien für den Krankheitsverlauf relevant sein. Daraus folgt jedoch nicht, dass Menschen mit Neurodermitis generell bestimmte Lebensmittel meiden sollten. Die aktuelle deutsche S3-Leitlinie rät ausdrücklich davon ab, allgemeine Diäten wie einen pauschalen Verzicht auf Kuhmilch oder Gluten zur Behandlung der Neurodermitis einzusetzen. Eine Eliminationsdiät wird dagegen empfohlen, wenn eine klinisch relevante Nahrungsmittelallergie diagnostisch gesichert wurde (Werfel et al., 2024).

Das ist insbesondere bei Kindern wichtig: Unnötige Eliminationsdiäten können zu einer unzureichenden Nährstoffversorgung führen. Besteht der begründete Verdacht, dass ein bestimmtes Lebensmittel Beschwerden auslöst oder verschlechtert, sollte deshalb zunächst eine gezielte allergologische Diagnostik erfolgen (Werfel et al., 2009).

 

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Quellen:

·       Weidinger, S. et al. (2018): „Atopic Dermatitis“, Nature Reviews Disease Primers.

·       Guttman-Yassky, E. et al. (2017): „Atopic Dermatitis: Pathogenesis“, Seminars in Cutaneous Medicine and Surgery.

·       Gemeinsamer Bundesausschuss (2008): „Tragende Gründe zum Beschluss über die Neufassung der Arzneimittel-Richtlinie“, Gemeinsamer Bundesausschuss.

·       Barnes, L. et al. (2015): „Topical Corticosteroid-Induced Skin Atrophy: A Comprehensive Review“, Drug Safety.

     ·       Hengge, U. R. et al. (2006): „Adverse Effects of Topical Glucocorticosteroids“, Journal of the American Academy of Dermatology.

     ·       El-Batawy, M. M. Y. et al. (2009): „Topical Calcineurin Inhibitors in Atopic Dermatitis: A Systematic Review and Meta-Analysis“, Journal of Dermatological Science.

     ·       Matterne, U. et al. (2019): „Oral H1 Antihistamines as ‘Add-On’ Therapy to Topical Treatment for Eczema“, Cochrane Database of Systematic Reviews.

     ·       Simon, F. E. R. & Simons, K. J. (2008): „H1 Antihistamines: Current Status and Future Directions“, World Allergy Organization Journal.

     ·       Zimmermann, M. et al. (2018): „Economic Evaluation of Dupilumab for Moderate-to-Severe Atopic Dermatitis: A Cost-Utility Analysis“, Journal of Drugs in Dermatology.

     ·       Brocq, L. (1891): „Névrodermite aiguë diffuse chez une malade atteinte de plaques de névrodermite circonscrite chronique de la paume des mains“, Annales de dermatologie et de syphiligraphie.

     ·       Brocq, L. & Jacquet, L. (1891): „Note sur un cas de névrodermite circonscrite (lichen circumscriptus des anciens auteurs, lichen simplex chronique de M. E. Vidal)“, Bulletin de la Société française de dermatologie et de syphiligraphie.

     ·       Sulzberger, M. B. & Goodman, J. (1936): „The Relative Importance of Specific Skin Hypersensitivity in Adult Atopic Dermatitis“, JAMA.

     ·       Werfel, T. et al. (2024): „S3-Leitlinie Atopische Dermatitis: Teil 1 – Allgemeine Aspekte, topische und nichtmedikamentöse Therapien, besondere Patientengruppen“, JDDG: Journal der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft.

     ·       Werfel, T. et al. (2009): „Approach to Suspected Food Allergy in Atopic Dermatitis. Guideline of the Task Force on Food Allergy of the German Society of Allergology and Clinical Immunology (DGAKI) and the Medical Association of German Allergologists (ADA) and the German Society of Pediatric Allergology (GPA)“, Journal der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft.


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