Naturheilsubstanzen bei Neurodermitis: Was Aloe Vera, Olivenöl, Omega-3-Fettsäuren und Zink bewirken
Laura Chrobok 02.10.2026
Im vorherigen Beitrag haben wir die Tücken der schulmedizinischen Behandlungsweisen von Neurodermitis aufgezeigt. Doch es gibt Naturheilsubstanzen, die Möglichkeiten bieten, den Körper gegen diese Krankheit gezielt zu unterstützen.
Welche das sind und wie man von ihren Wirkungen profitieren kann, lesen Sie – ohne Umschweife – hier.
Aloe Vera und Olivenöl: Eine Pflanzen-Kombination mit bemerkenswerten Ergebnissen bei Neurodermitis
Aloe Vera gehört zu den bekanntesten Pflanzen in der natürlichen Hautpflege. Im Zusammenhang mit Neurodermitis ist insbesondere eine klinische Untersuchung interessant, in der Aloe Vera gemeinsam mit nativem Olivenöl äußerlich angewendet wurde.
In einer randomisierten Doppelblindstudie wurden 36 Menschen mit atopischer Dermatitis über sechs Wochen entweder mit einer Creme aus Aloe Vera und nativem Olivenöl oder mit dem Kortikosteroid Betamethason behandelt. Zur Beurteilung des Krankheitsverlaufs verwendeten die Wissenschaftler u. a. den SCORAD, einen etablierten Index zur Bestimmung des Schweregrades einer Neurodermitis.
Die Ergebnisse waren bemerkenswert: Für die Aloe-Vera-Olivenöl-Creme berichten die Autoren über eine Verbesserung um 64,5 %, für die Betamethason-Gruppe um 13,5 %. Die Autoren gaben eine Verbesserung der Lebensqualität um 60,7 % unter Aloe Vera und Olivenöl gegenüber 22,3 % unter Betamethason an (Panahi et al., 2020).
Damit liefert die Studie einen interessanten klinischen Hinweis für die Kombination aus Aloe Vera und Olivenöl bei Neurodermitis. Allerdings wurden beide Naturstoffe gemeinsam angewendet. Die Ergebnisse beweisen deshalb weder eine entsprechende Wirkung von Aloe Vera allein noch von Olivenöl allein. Als Kombination liefern die beiden Naturstoffe einen klinischen Befund, der weitere Forschung verdient.
Omega-3-Fettsäuren: DHA bei Entzündungsprozessen
Omega-3-Fettsäuren sind mehrfach ungesättigte Fettsäuren. Zu ihnen gehören u. a. Alpha-Linolensäure (ALA), Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA). Sie erfüllen im Körper zahlreiche Funktionen und sind u. a. an Prozessen beteiligt, die Entzündungsreaktionen regulieren.
In einer randomisierten Doppelblindstudie wurde untersucht, welchen Einfluss eine gezielte DHA-Supplementierung bei Erwachsenen mit atopischem Ekzem haben kann.
Untersucht wurden 53 Erwachsene im Alter zwischen 18 und 40 Jahren. Die Interventions-gruppe erhielt 8 Wochen lang täglich 5,4 g DHA. Die Kontrollgruppe erhielt eine energetisch vergleichbare Menge gesättigter Fettsäuren. Innerhalb der DHA-Gruppe sank der mediane SCORAD im Untersuchungszeitraum von 37,0 auf 28,5. In der Kontrollgruppe veränderte er sich dagegen von 35,4 auf 33,4. Darüber hinaus stellten die Wissenschaftler Veränderungen immunologischer Parameter fest (Koch et al., 2008).
Die Autoren kamen zu dem Ergebnis, dass DHA biologisch aktiv sein und einen günstigen Einfluss auf den Verlauf eines atopischen Ekzems haben könnte. Gleichzeitig bezeichneten sie ihre Untersuchung als Pilotstudie und hielten eine Bestätigung der Ergebnisse in einer größeren Studie für notwendig. Die Studie liefert damit einen klinischen Hinweis auf einen möglichen Nutzen von DHA bei Neurodermitis. Sie belegt jedoch nicht, dass Omega-3-Fettsäuren generell bei jedem Menschen mit Neurodermitis die Beschwerden verbessern.
Der individuelle Zink-Status: Entscheidend bei Neurodermitis?
Das essentielle Spurenelement Zink trägt u. a. zur normalen Funktion des Immunsystems und zum Erhalt gesunder Haut bei. Eine systematische Übersichtsarbeit und Meta-Analyse untersuchte deshalb, ob sich der Zink-Status von Menschen mit atopischer Dermatitis von dem der jeweiligen Kontrollpersonen unterscheidet.
Insgesamt wurden 14 Beobachtungsstudien sowie 2 randomisierte kontrollierte Studien ausgewertet. In der zusammengefassten Analyse lagen die durchschnittlichen Zink-Konzentrationen im Serum, in den Haaren und in den Erythrozyten bei Menschen mit atopischer Dermatitis niedriger als bei den jeweiligen Kontrollgruppen (Gray et al., 2019).
Das bedeutet nicht, dass alle an Neurodermitis leidenden Personen auch an einem Zink-Defizit leiden. Es führt aber zu einer entscheidenden Frage: Was geschieht, wenn Betroffene mit niedrigen Werten gezielt Zink erhalten?
Eine Untersuchung mit 58 Kindern mit atopischer Dermatitis und 43 gesunden Kontrollpersonen im Alter zwischen 2 und 14 Jahren liefert darauf eine erste Antwort. Zunächst stellten die Forscher bei den Kindern mit Neurodermitis durchschnittlich weniger Zink in den Haaren fest. Anschließend untersuchten sie bei den Neurodermitis-Patienten mit niedrigen Haar-Zink-Werten die Auswirkungen einer oralen Supplementierung. Nach 8 Wochen waren die Haar-Zink-Werte in der supplementierten Gruppe gestiegen. Gleichzeitig verbesserten sich der EASI (ein Index zur Bewertung des Schweregrades der Neurodermitis), der transepidermale Wasserverlust sowie Juckreiz und Schlafstörungen stärker als in der Gruppe ohne Zink-Supplementierung (Kim et al., 2014).
Neurodermitis: Naturheilsubstanzen wirken auf unterschiedliche Weise
Aloe Vera und Olivenöl, Omega-3-Fettsäuren und Zink werden häufig unter dem gemeinsamen Begriff Naturheilsubstanzen zusammengefasst. Wissenschaftlich betrachtet führen jedoch völlig unterschiedliche Wege zu ihnen.
Aloe Vera und Olivenöl wurden in einer äußerlich angewendeten Kombination getestet. Bei DHA geht es um eine Omega-3-Fettsäure, die unter anderem in entzündungsregulierende Prozesse eingebunden ist. Bei Zink wiederum zeichnet sich ein anderes Bild ab: Hier könnte der individuelle Versorgungsstatus mit darüber entscheiden, ob eine zusätzliche Zufuhr einen Nutzen hat.
Genau diese Unterschiede sind wichtig. Denn die Frage nach natürlichen Möglichkeiten bei Neurodermitis lässt sich nicht sinnvoll mit einem pauschalen „wirkt“ oder „wirkt nicht“ beantworten.
Entscheidend ist, welcher Stoff in welcher Form, bei welchen Betroffenen und mit welchem Ergebnis untersucht wurde.
Natürliche Substanzen gegen Neurodermitis: Mehr als Tradition
Naturheilsubstanzen werden häufig aufgrund jahrzehnte- oder jahrhundertelanger Anwendung angepriesen. Bei Aloe Vera, Olivenöl, Omega-3-Fettsäuren und Zink lassen sich klinische Untersuchungen heranziehen.
Damit ist die wissenschaftliche Geschichte dieser Naturheilsubstanzen noch nicht zu Ende erzählt: Die bisherigen Studien zeigen, wo natürliche Ansätze bereits messbare Ergebnisse geliefert haben und weitere Forschung ansetzt.
FAQ – (weitere) häufig gestellte Fragen zu Naturheilsubstanzen bei Neurodermitis
1. Kann man Aloe Vera und Olivenöl selbst zu einer Emulsion mischen?
Aus der beschriebenen Studie lässt sich das nicht ableiten. Untersucht wurde eine eigens hergestellte Creme, die Aloe-Vera-Gel und natives Olivenöl enthielt – keine beliebige selbst angerührte Mischung aus handelsüblichen Produkten (Panahi et al., 2020). Wer die Ergebnisse der Studie beurteilt, muss sich deshalb auf die dort tatsächlich untersuchte Zubereitung beziehen.
2. Welche Lebensmittel sind gute Quellen für Omega-3-Fettsäuren?
Das hängt davon ab, um welche Omega-3-Fettsäure es geht. Fettreiche Fische wie Lachs, Makrele und Hering liefern die langkettigen Omega-3-Fettsäuren EPA und DHA. Pflanzliche Lebensmittel wie Leinöl, Leinsamen, Walnüsse und Rapsöl liefern dagegen vor allem Alpha-Linolensäure (ALA) (National Institutes of Health (NIH), 2025; Deutsche Gesellschaft für Ernährung, 2025).
Der Körper kann ALA in EPA und anschließend DHA umwandeln. Diese Umwandlung ist jedoch begrenzt. Deshalb sind ALA-reiche Pflanzenöle nicht mit einer direkten Aufnahme von EPA und DHA gleichzusetzen (NIH, 2025).
3. Kann Zink Wechselwirkungen mit Medikamenten verursachen?
Ja, Zink kann beispielsweise mit bestimmten Antibiotika aus den Gruppen der Tetrazykline und Chinolone wechselwirken. Werden sie gleichzeitig eingenommen, kann die Aufnahme sowohl des Zinks als auch des Antibiotikums vermindert werden. Auch mit Penicillamin sind Wechselwirkungen möglich (NIH, 2026).
Wer regelmäßig Medikamente einnimmt und zusätzlich Zink supplementieren möchte, sollte mögliche Wechselwirkungen deshalb vorher abklären.
4. Bedeutet ein niedriger Zink-Wert automatisch, dass Zink eingenommen werden sollte?
Nein, die im Beitrag dargestellten Studien machen Zink zwar zu einem wichtigen Faktor bei der Frage, wer von einer Supplementierung profitieren könnte. Aus einem einzelnen niedrigen Wert folgt jedoch noch keine allgemeine Empfehlung zur eigenständigen Supplementierung. Insbesondere höher dosierte Präparate sollten nicht unkritisch verwendet werden, da eine übermäßige Zink-Zufuhr unerwünschte Nebenwirkungen haben kann (NIH, 2026; Bundesinstitut für Risikobewertung, 2021).
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Quellen:
· Panahi, Y. et al. (2020): „Comparing the Therapeutic Effects of Aloe vera and Olive Oil Combination Cream versus Topical Betamethasone for Atopic Dermatitis: A Randomized Double-blind Clinical Trial“, Journal of Pharmacopuncture.
· Koch, C. et al. (2008): „Docosahexaenoic Acid (DHA) Supplementation in Atopic Eczema: A Randomized, Double-blind, Controlled Trial“, British Journal of Dermatology.
· Gray, N. A. et al. (2019): „Zinc and Atopic Dermatitis: A Systematic Review and Meta-analysis“, Journal of the European Academy of Dermatology and Venereology.
· Kim, J. E. et al. (2014): „Hair Zinc Levels and the Efficacy of Oral Zinc Supplementation in Patients with Atopic Dermatitis“, Acta Dermato-Venereologica.
· National Institutes of Health (2025): „Omega-3 Fatty Acids – Fact Sheet for Health Professionals“, Office of Dietary Supplements.
· Deutsche Gesellschaft für Ernährung (2025): „Was ist mit der
(Knochen-)Gesundheit, Omega-3-Fettsäuren, Protein und Vitamin A bei veganer Ernährung?“
· National Institutes of Health (2026): „Zinc – Fact Sheet for Health Professionals“, Office of Dietary Supplements.
· Bundesinstitut für Risikobewertung (2021): „Höchstmengenvorschläge für Zink in Lebensmitteln inklusive Nahrungsergänzungsmitteln.“
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