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ida care App: Wie funktioniert die digitale Unterstützung bei Krebs?

Laura Chrobok  28.08.2026

Zwischen zwei Arztterminen können Wochen liegen. Schmerzen, starke Erschöpfung oder andere Beschwerden halten sich jedoch nicht an den Terminkalender. Genau hier setzt ida care an: Patientinnen mit metastasiertem Brustkrebs berichten regelmäßig digital darüber, wie es ihnen geht. Verschlechtert sich ihr Zustand auffällig, kann das Behandlungsteam informiert werden.

Lesen Sie hier mehr dazu, was hinter der App steckt, wie das digitale Symptom-Monitoring funktioniert und was die große deutsche PRO-B-Studie ergeben hat. Vor allem aber geht es um die Frage: Wo kann eine solche App die Krebsbehandlung sinnvoll unterstützen – und wo liegen ihre Grenzen?

 

Die ida care App als Lückenfüller zwischen zwei Terminen …

ida care ist eine Anwendung für das digitale Symptom-Monitoring bei metastasiertem Brustkrebs.

Die App diagnostiziert keinen Krebs, erkennt nicht selbstständig einen wachsenden Tumor und entscheidet auch nicht über eine Therapie. Ihr Prinzip ist wesentlich einfacher: Patientinnen berichten regelmäßig selbst über Beschwerden, körperliche Funktionsfähigkeit und Lebensqualität.

Solche Angaben werden als Patient-Reported Outcomes, kurz PROs, bezeichnet. Anders als Laborwerte oder Ergebnisse bildgebender Untersuchungen stammen diese Informationen unmittelbar von Patientinnen selbst.

Das dahinterstehende Konzept wurde in der deutschen PRO-B-Studie untersucht. Patientinnen der Interventionsgruppe beantworteten einmal pro Woche digitale Fragebögen. Verschlechterten sich bestimmte Werte, erzeugte das System automatisch Warnmeldungen für die behandelnden Brustkrebszentren. Die medizinischen Teams sollten die Patientinnen anschließend kontaktieren und bei Bedarf weitere Maßnahmen einleiten (Gebert et al., 2024).

Vereinfacht gesagt: Patientinnen melden Beschwerden → das System erkennt auffällige Veränderungen → Behandlungsteams werden informiert → medizinisches Personal entscheidet über das weitere Vorgehen.

Die App soll dafür sorgen, dass Veränderungen, die zwischen zwei Arztterminen beobachtet werden, schneller von Behandlungsteams zur Kenntnis genommen werden.

Natürlich können Patientinnen selbstständig Kontakt zur Klinik aufnehmen, doch verständlicherweise wird nicht jede Veränderung sofort als wichtig erkannt oder gemeldet. Manche Beschwerden entwickeln sich langsam, manche werden zunächst wenig beachtet.

Beim nächsten regulären Termin wird rückblickend und teils lückenhaft berichtet – solche möglichen Informationslücken soll das digitale Monitoring verkleinern. Beschwerden werden regelmäßig dokumentiert, auffällige Veränderungen können früher sichtbar werden.

 

Der Studie …

PRO B war eine randomisierte kontrollierte Multicenter-Studie bei Patientinnen mit metastasiertem Brustkrebs.

Die PRO-B-Studie lief in ihrer Interventionsphase von Mai 2021 bis März 2024. Zwischen Mai 2021 und Juni 2023 wurden insgesamt 924 Patientinnen aus 52 zertifizierten deutschen Studienzentren aufgenommen und zufällig der Interventions- oder Kontrollgruppe zugeteilt. 909 Patientinnen gingen in die Hauptauswertung ein. Der primäre Vergleich der beiden Gruppen erfolgte nach sechs Monaten. Zusätzlich wurden u. a. Ergebnisse nach zwölf Monaten ausgewertet.

Die Interventionsgruppe erhielt wöchentlich einen digitalen Fragebogen. Verschlechterten sich bestimmte Werte, wurden automatisch Warnmeldungen an die behandelnden Zentren gesendet. Die jeweiligen medizinischen Teams sollten daraufhin innerhalb von 48 Stunden Kontakt mit den Patientinnen aufnehmen.

Die Kontrollgruppe beantwortete entsprechende Fragebögen lediglich alle drei Monate und war nicht mit diesem automatischen Alarmsystem verbunden.

(Gebert et al., 2024; Karsten et al., 2025; Breidenbach et al., 2026)

 

Die Ergebnisse

Ein wichtiger Aspekt war die Fatigue nach sechs Monaten Studienlaufzeit. Fatigue ist weit mehr als gewöhnliche Müdigkeit. Die ausgeprägte körperliche und geistige Erschöpfung kann erheblich belasten, Alltag und Lebensqualität massiv beeinträchtigen. Doch nach sechs Monaten zeigte sich ein deutlicher Unterschied.

Der durchschnittliche Fatigue-Wert lag in der Interventionsgruppe bei 54,5 Punkten, in der Kontrollgruppe bei 59,9 Punkten. Da ein höherer Wert eine stärkere Fatigue bedeutet, schnitt die Gruppe mit wöchentlichem Monitoring besser ab. Auch bei der körperlichen Funktions-fähigkeit und der allgemeinen Lebensqualität wurden bessere Werte in der Interventions-gruppe beobachtet (Karsten et al., 2025).

Ein weiteres Studien-Ergebnis fällt besonders auf: Nach zwölf Monaten lebten 88 % der Patientinnen in der Interventionsgruppe gegenüber 85 % in der Kontrollgruppe. Auch die statistische Analyse des Gesamtüberlebens zeigte einen Vorteil zugunsten des alarmbasierten Monitorings (Karsten et al., 2025).

Das ist bemerkenswert, dennoch ist die richtige Einordnung wichtig: Die Studie zeigt, dass das alarmbasierte Versorgungskonzept mit einem besseren Gesamtüberleben verbunden war.

Welche Mechanismen den beobachteten Unterschieden zugrunde liegen, ist mit diesen Ergebnissen nicht abschließend geklärt. Jedoch erleichtert das digitale Monitoring die Dokumentation und Auswertung erhobener Daten, die Wahrnehmungen der Patientinnen im Alltag können stärker berücksichtigt werden.

 

Die Grenzen ...

Mehr erhobene Daten bedeuten nicht automatisch bessere Medizin. Eine digitale Anwendung kann beispielsweise erkennen, dass eine Patientin deutlich stärkere Schmerzen oder Erschöpfung meldet. 

Natürlich weiß die App nicht, warum. Hinter einer Verschlechterung können die Krebserkrankung selbst, Nebenwirkungen einer Therapie, ein Infekt, Schlafprobleme, psychische Belastungen oder zahlreiche andere Ursachen stecken. Die medizinische Einordnung bleibt deshalb Aufgabe von Ärztinnen, Ärzten und anderen Fachkräften. Und eine Warnmeldung ist nur hilfreich, wenn tatsächlich jemand darauf reagiert. 


Die Aussichten …

Die PRO-B-Studie ist abgeschlossen, in der regulären, flächendeckenden Versorgung ist ida care derzeit jedoch noch nicht angekommen. Der G-BA empfahl im Juni 2026, das Versorgungskonzept in die Regelversorgung zu überführen. Am Projekt beteiligte Krankenkassen planen, den routinemäßigen Einsatz bereits ab Herbst 2026 zu ermöglichen. Langfristig soll die neue Versorgungsform bei entsprechender Diagnose allen gesetzlich Versicherten offenstehen (Innovationsausschuss beim Gemeinsamen Bundesausschuss, 2026; Charité, 2026). 

Alarmbasiertes PRO-Monitoring muss als Versorgungskonzept ernst genommen werden. Die Frage seiner weiteren Integration in die medizinische Versorgung muss endgültig auf der gesundheitspolitischen Ebene ankommen. 

Wenn digitales Monitoring dazu beiträgt, Patientinnen schneller medizinische Hilfe zukommen zu lassen, kann die Technik tatsächlich einen Mehrwert schaffen – nicht als Ersatz für Ärztinnen und Ärzte, sondern als zusätzliche Verbindung zu ihnen.


 FAQ – (weitere) häufig gestellte Fragen zur ida care App

1. Für wen ist die ida care App gedacht?

Das in PRO B untersuchte Konzept richtete sich an Patientinnen mit metastasiertem Brustkrebs. Für andere Krebsarten lässt sich aus dieser Studie kein gleichwertiger Nutzen ableiten.

2. Muss ida care dauerhaft genutzt werden?

Im PRO-B-Konzept wurden die Beschwerden einmal pro Woche digital erfasst. Es handelt sich also nicht um eine permanente Überwachung.

3. Werden Kosten für die Nutzung der App künftig von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen?

Das ist das erklärte Ziel der Überführung in die Regelversorgung, aber noch nicht flächendeckend umgesetzt. Langfristig soll das Versorgungskonzept bei entsprechender Diagnose gesetzlich Versicherten zugänglich werden.

 

Weitere Informationen – natürlich auch zu vielen anderen Themen – finden Sie in unserem Blog. Unsere Buchreihe „Medizinskandale“, den Band „Medizinskandal Krebs“ und den „Codex Humanus“, dessen fünfter Band kürzlich erschienen ist, finden Sie außerdem in unserem Online-Shop. Wir freuen uns über Ihren Besuch.

 

Quellen:

·       Gebert, P. et al. (2024): „Statistical analysis plan for the PRO B study: open-label, superiority randomised controlled trial of alarm-based patient-reported outcome monitoring in patients with metastatic breast cancer“, Trials.

·       Karsten, M. M. et al. (2026): „Electronic Patient-Reported Outcome Monitoring With Alert-Based Interventions in Metastatic Breast Cancer: A Randomized Clinical Trial“, JAMA Oncology.

·       Breidenbach, C. et al. (2026): „Providers’ perspectives on implementing alert-based patient-reported outcome monitoring for stage IV breast cancer“, Journal of Patient-Reported Outcomes.

·       Innovationsausschuss beim Gemeinsamen Bundesausschuss (2026): „PRO B – PROM bei Brusterkrankungen – neue Wege in der Versorgung bei metastasiertem Brustkrebs“, G-BA Innovationsfonds.

·       Charité – Universitätsmedizin Berlin (2026): „Enge digitale Begleitung hilft Frauen mit Brustkrebs“, Charité.


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