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Wechseljahre verstehen: Symptome, hormonelle Veränderungen (auch beim Mann) und der Unterschied zur Menopause

Viele bemerken irgendwann Veränderungen, die sich zunächst schwer einordnen lassen. Der Schlaf wird unruhiger, die Stimmung schwankt stärker als früher oder der Zyklus verändert sich. Manchmal sind es nur kleine Signale des Körpers, die zunächst kaum auffallen – und doch fragen sich viele, ob sie bereits mit den Wechseljahren zusammenhängen könnten. Gerade in dieser Lebensphase tauchen viele Fragen auf. Was genau passiert im Körper? Wodurch werden die Begriffe „Wechseljahre“, „Perimenopause“ oder „Menopause“ voneinander abgegrenzt – und warum werden sie so häufig durcheinandergebracht? Wer versteht, wie dieser natürliche Übergang biologisch abläuft, kann körperliche Veränderungen oft besser einordnen.

In diesen Beitrag geht es um grundlegende Einordnungen und die Richtigstellung der Annahme, dass hormonelle Veränderungen in der Lebensmitte Männer nicht beträfen.

 

Unterschied zwischen Wechseljahren und Menopause

Im Alltag werden die Begriffe Wechseljahre und Menopause häufig synonym verwendet. Aus medizinischer Sicht ist das nicht korrekt. Denn die Wechseljahre – auch Klimakterium genannt – beschreiben den gesamten Zeitraum hormoneller Veränderungen, der mit dem allmählichen Nachlassen der Eierstockfunktion beginnt. Während dieser Phase sinkt die Produktion der weiblichen Geschlechtshormone Östrogen und Progesteron, während gleichzeitig die Steuerhormone FSH und LH ansteigen. Diese hormonellen Veränderungen können u. a. zu Zyklusunregelmäßigkeiten, Schlafproblemen oder Hitzewallungen führen (Burger et al., 2002; Santoro & Randolph, 2011).

Die Perimenopause beginnt wenn erste hormonelle Veränderungen und Zyklus-Unregelmäßigkeiten auftreten. Sie endet 12 Monate nach der letzten Menstruation, dann spricht man von der Menopause. Diese bezeichnet die letzte natürliche Menstruationsblutung. Medizinisch wird dieser Zeitpunkt erst rückblickend festgestellt – wenn zwölf Monate lang keine weitere Menstruationsblutung aufgetreten ist (Harlow et al., 2012).

 

Wechseljahre: Was passiert im Körper?

Die hormonellen Veränderungen beginnen meist mehrere Jahre vor der Menopause. Ursache ist vor allem eine zunehmende Veränderung der Eierstockfunktion.

Im Verlauf dieser Phase kommt es typischerweise zu:

·       sinkenden Östrogen- und Progesteronspiegeln

·       steigenden Konzentrationen der Steuerhormone FSH und LH

·       stärkeren hormonellen Schwankungen innerhalb des Zyklus.

Östrogen beeinflusst zahlreiche Prozesse im Körper. Es wirkt unter anderem im Gehirn, im Herz-Kreislauf-System, im Knochenstoffwechsel und in der Temperaturregulation. Deshalb können hormonelle Veränderungen weit über den Zyklus hinaus spürbare Auswirkungen haben (Santoro & Randolph, 2011).

 

Was sind typische Symptome der Wechseljahre?

Nicht jede Frau erlebt die Wechseljahre gleich. Manche bemerken kaum Veränderungen, während andere deutlich stärkere Beschwerden wahrnehmen.

Zu den häufig beschriebenen Symptomen gehören:

·       Hitzewallungen und nächtliches Schwitzen

·       Schlafstörungen

·       Stimmungsschwankungen

·       Erschöpfung

·       Konzentrationsprobleme (Brain Fog“)

·       Gelenk- oder Muskelschmerzen

·       Veränderungen von Haut und Schleimhäuten.

Besonders Hitzewallungen gehören zu den am besten untersuchten Beschwerden. Sie werden vor allem mit Veränderungen der Temperaturregulation im Hypothalamus in Verbindung gebracht, die durch sinkende Östrogenspiegel beeinflusst wird (Freedman, 2014).

 

„Brain Fog während der Wechseljahre: Nervig, aber vorübergehend und handhabbar

Viele Frauen klagen während der Wechseljahre über Konzentrationsprobleme, Vergesslichkeit oder ein Gefühl geistiger Verlangsamung. Es handelt sich dabei um eine vorübergehende Beeinträchtigung von Aufmerksamkeit, Gedächtnis oder mentaler Belastbarkeit. Forschungsergebnisse zeigen, dass sich während der menopausalen Übergangsphase auch Veränderungen in bestimmten kognitiven Funktionen beobachten lassen können (Greendale et al., 2009). Ausreichend Schlaf, die Reduzierung von Stressfaktoren, aber auch Denk- und Gedächtnisübungen können hier Abhilfe schaffen. Das mag mühsam oder gar nach Phrasen klingen und doch … steter Tropfen höhlt den Stein …

Haut- und Haarveränderungen: Alles hängt am Östrogen

Viele Frauen berichten über Veränderungen von Haut und Haaren. Diese Veränderungen hängen ebenfalls mit sinkenden Östrogenspiegeln zusammen.

Östrogen spielt eine wichtige Rolle für Kollagenbildung, Hautdicke und Feuchtigkeitsregulation. Mit abnehmenden Hormonspiegeln kann die Haut daher trockener werden und an Elastizität verlieren. Studien zeigen, dass die Kollagenmenge in der Haut nach der Menopause deutlich abnehmen kann (Brincat et al., 2005).

Auch die Haarstruktur kann sich verändern. Manche Frauen bemerken dünner werdendes Haar oder verstärkten Haarausfall, während gleichzeitig an anderen Körperstellen vermehrter Haarwuchs auftreten kann. Ursache sind Veränderungen im hormonellen Gleichgewicht zwischen Östrogenen und Androgenen.

Diese Veränderungen sind Teil des natürlichen hormonellen Anpassungsprozesses und können von Person zu Person sehr unterschiedlich ausfallen.

 

Warum kann die Intensität der Beschwerden stark variieren?

Verschiedene Faktoren können beeinflussen, wie stark Symptome wahrgenommen werden.

Dazu gehören:

·       genetische Unterschiede

·       körperliche Aktivität

·       Belastung durch Stress

·       Schlafqualität

·       allgemeiner Gesundheitszustand.

 

Auch kulturelle und gesellschaftliche Faktoren spielen eine Rolle. Untersuchungen zufolge werden bestimmte Beschwerden in verschiedenen Bevölkerungsgruppen unterschiedlich häufig berichtet. So berichteten in einer großen US-Studie afroamerikanische Frauen häufiger über Hitzewallungen und nächtliches Schwitzen, während kaukasische Frauen häufiger psychosomatische Beschwerden angaben (Avis et al., 2001).

 

Hormongaben mit Nebenwirkungen: Wie die Schulmedizin Symptome kaschiert

In der Schulmedizin werden verschiedene Behandlungsansätze eingesetzt, die meist darauf abzielen, einzelne Beschwerden pharmakologisch zu unterdrücken – allerdings sind viele dieser Maßnahmen mit möglichen, teils sehr gefährlichen Nebenwirkungen verbunden (NICE guideline NG23, 2024).

Beispiele:

·       Einige Antidepressiva können Hitzewallungen reduzieren und werden teilweise eingesetzt, wenn HRT nicht infrage kommt. Berechtigterweise darf man hier hinterfragen, warum Menschen ohne entsprechende Indikationen Antidepressiva (nicht gerade du vergleichen mit Pfefferminzbonbons) nehmen sollten.

·       Gabapentin, ein ursprünglich gegen Epilepsie entwickeltes Medikament, wird auch zur Behandlung von Hitzewallungen eingesetzt.

·       Clonidin ist ein Blutdruckmedikament, das ebenfalls eine gewisse Wirkung gegen vasomotorische Beschwerden (Hitzewallungen) zeigen kann.

·       Niedrig dosierte vaginale Östrogenpräparate zur Behandlung urogenitaler Beschwerden wie vaginaler Trockenheit oder Schmerzen beim Geschlechtsverkehr.

·       Eine Hormonersatztherapie (HRT) wird häufig bei stärkeren Beschwerden eingesetzt. Dabei werden Östrogene – teilweise kombiniert mit Gestagenen – verabreicht, um hormonelle Defizite auszugleichen.

Mögliche Risiken der genannten Symptom-Therapien:

·       erhöhtes Risiko für venöse Thromboembolien (z. B. tiefe Venenthrombose oder Lungenembolie)

·       erhöhtes Risiko für Schlaganfall

·       mögliches erhöhtes Risiko für koronare Herzkrankheit

·       mögliches erhöhtes Risiko für Demenz bei Therapiebeginn in höherem Alter

·       erhöhtes Risiko für Brustkrebs bei längerer kombinierter Östrogen-Gestagen-Therapie

(National Institute for Health and Care Excellence, 2024; The North American Menopause Society, 2022).

Weil nicht-hormonelle Alternativen immer stärker gesucht und nachgefragt werden, hat sich rund um dieses Thema eine breite naturheilkundliche Forschung entwickelt. Welche pflanzlichen Wirkstoffe und alternativmedizinischen Ansätze besonders hilfreich sind, wird im nächsten Beitrag ausführlich thematisiert.

 

Bonus-Material: Kommen auch Männer in die Wechseljahre?

Tatsächlich verändert sich auch bei Männern der Hormonhaushalt im Laufe des Lebens. Mit zunehmendem Alter sinkt der Spiegel des männlichen Geschlechtshormons Testosteron langsam ab. In Dieser altersbedingte Rückgang gehört zunächst zu den normalen hormonellen Veränderungen des Alterns und verläuft meist schrittweise über viele Jahre.

Der medizinische Begriff Late-Onset-Hypogonadismus (LOH) wird nur verwendet, wenn zwei Voraussetzungen gleichzeitig erfüllt sind: Es müssen typische Beschwerden vorliegen und gleichzeitig erniedrigte Testosteronwerte im Blut nachweisbar sein. Nicht jeder altersbedingte Testosteronrückgang erfüllt diese Kriterien.

Jedenfalls aber kann Mann an folgenden Beschwerden leiden:

·       nachlassende Energie

·       verminderte Muskelkraft

·       Veränderungen der Stimmung

·       Veränderungen der Libido.

Während die weibliche Menopause einen klar definierten Zeitpunkt darstellt, verlaufen hormonelle Veränderungen beim Mann langsamer, individueller und ohne einen eindeutig festgelegten Übergang. Deshalb sprechen viele Fachleute verallgemeinernd eher von „altersabhängigen hormonellen Veränderungen beim Mann“ (Wu et al., 2010).

 

Hormonelle Veränderungen und Menopause: Der Körper reorganisiert sich

Auch bei Männern verändern sich hormonelle Prozesse im Laufe des Lebens, allerdings deutlich langsamer als bei Frauen.

Während die Menopause lediglich den Zeitpunkt der letzten Menstruation beschreibt, umfassen die Wechseljahre den gesamten hormonellen Übergang davor und danach.

Es ist ein normaler Prozess, den niemand fürchten muss. Wer diese Unterschiede versteht, kann körperliche Veränderungen in der Lebensmitte häufig besser einordnen – sowie Mittel und Wege zum Umgang finden.

 

FAQ – häufige Fragen zu Wechseljahren und Menopause

1. Wann beginnen die Wechseljahre typischerweise?

Die Wechseljahre beginnen bei den meisten Frauen zwischen dem 45. und 55. Lebensjahr. Der genaue Zeitpunkt kann jedoch stark variieren. Genetische Faktoren, Lebensstil, Rauchen und bestimmte medizinische Eingriffe können den Beginn beeinflussen (Harlow et al., 2012; Gold et al., 2001). 

2. Können die Wechseljahre schon mit 40 beginnen?

Ja, beginnen hormonelle Veränderungen vor dem 40. Lebensjahr, spricht man medizinisch von einer vorzeitigen Ovarialinsuffizienz. Diese ist relativ selten, kann aber genetische, autoimmune oder medizinische Ursachen haben (Nelson, 2009).

3. Wie lange dauern die Wechseljahre meist?

Der hormonelle Übergang kann mehrere Jahre dauern. Viele Frauen erleben erste Veränderungen bereits in der sog. „Perimenopause“, die oft vier bis acht Jahre vor der Menopause beginnt. Insgesamt kann die Phase hormoneller Umstellungen daher bis zu zehn Jahre umfassen (Santoro & Randolph, 2011).

4. Warum nehmen manche Frauen in den Wechseljahren zu?

Während der Wechseljahre verändert sich häufig der Stoffwechsel und die Fettverteilung im Körper. Sinkende Östrogenspiegel werden mit einer stärkeren Einlagerung von Fett im Bauchbereich sowie mit Veränderungen des Energieverbrauchs in Verbindung gebrgebr (Lovejoy et al., 2008).

 

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Quellen:

·       Burger, H. G.; Dudley, E. C.; Robertson, D. M.; Dennerstein, L. (2002): „Hormonal changes in the menopause transition“, Recent Progress in Hormone Research.

·       Santoro, N.; Randolph, J. F. (2011): „Reproductive hormones and the menopause transition“, Obstetrics and Gynecology Clinics of North America.

·       Harlow, S. D.; Gass, M.; Hall, J. E.; et al. (2012): „Executive summary of the Stages of Reproductive Aging Workshop +10: addressing the unfinished agenda of staging reproductive aging“, Menopause.

·       Freedman, R. R. (2014): „Menopausal hot flashes: mechanisms, endocrinology, treatment“, Journal of Steroid Biochemistry and Molecular Biology.

·       Greendale, G. A.; Huang, M. H.; Wight, R. G.; et al. (2009): „Effects of the menopause transition and hormone use on cognitive performance in midlife women“, Neurology.

·       Brincat, M.; Baron, Y. M.; Galea, R. (2005): „Estrogens and the skin“, Climacteric.

·       Avis, N. E. et al. (2001): „Is there a menopausal syndrome? Menopausal status and symptoms across racial/ethnic groups“, Social Science & Medicine.

·       National Institute for Health and Care Excellence (2015, updated 2024): „Menopause: identification and management (NICE guideline NG23)“.

·       The North American Menopause Society Advisory Panel (2022): „The 2022 hormone therapy position statement of The North American Menopause Society“, Menopause.

·       Wu, F. C. W.; Tajar, A.; Beynon, J. M.; et al. (2010): „Identification of late-onset hypogonadism in middle-aged and elderly men“, New England Journal of Medicine.

·       Gold, E. B.; Bromberger, J.; Crawford, S.; et al. (2001): „Factors associated with age at natural menopause in a multiethnic sample of midlife women“, American Journal of Epidemiology.

·       Nelson, L. M. (2009): „Primary ovarian insufficiency“, New England Journal of Medicine.

·       Lovejoy, J. C.; Champagne, C. M.; de Jonge, L.; Xie, H.; Smith, S. R. (2008): „Increased visceral fat and decreased energy expenditure during the menopausal transition“, International Journal of Obesity.