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Vitamin B1 (Thiamin): Energie für Nerven, Körper und Geist

Wenn sie manchmal den Eindruck haben, sich nicht konzentrieren zu können oder antriebslos zu sein, obwohl Sie ausreichend schlafen und sich gut ernähren, könnte das am Vitamin-B1-Mangel liegen. Dies ist ein Mikronährstoff, der für Ihre Energieversorgung und Nervenfunktion unverzichtbar ist. Thiamin, wie Vitamin B1 auch genannt wird, ist das erste entdeckte B-Vitamin – und bis heute eines der wichtigsten.

In diesem Beitrag (dem ersten von acht über die B-Vitamine) erfahren Sie, wie Thiamin im Körper wirkt, woran Sie einen Mangel erkennen – und warum dieses Vitamin bei chronischer Müdigkeit, Stress, Diabetes oder auch Alkoholkonsum besondere Aufmerksamkeit verdient.

 

Was ist Vitamin B1 und wofür brauchen wir es?¹ ² ³

Vitamin B1 (Thiamin) ist ein wasserlösliches Vitamin, das unser Körper nicht selbst herstellen kann. Es muss regelmäßig über die Nahrung aufgenommen werden. Die wichtigste Aufgabe von Thiamin besteht darin, Kohlenhydrate in Energie umzuwandeln – insbesondere für Organe mit hohem Energiebedarf wie Gehirn, Herz und Nerven.

Im Körper wird Thiamin rasch zu Thiaminpyrophosphat (TPP) umgewandelt, einer Coenzymform, die bei der Umwandlung von Glukose zu ATP mitwirkt – also an zentralen Schritten der Energiegewinnung beteiligt ist.

Weitere Aufgaben von Thiamin

·       Leitfähigkeit von Nervenimpulsen,

·       Muskelkontraktion (besonders Herzmuskulatur),

·       Glukosestoffwechsel im Gehirn.

 

Anzeichen eines Vitamin-B1-Mangels⁴

Ein leichter Thiamin-Mangel kann sich durch Konzentrationsschwäche, Reizbarkeit, Appetitlosigkeit oder Müdigkeit bemerkbar machen. Möglich sind außerdem:

·       Taubheitsgefühl oder Kribbeln in Händen und Füßen

·       Muskelschwäche, evtl. Gangunsicherheit

·       Herzrasen oder Herzschwäche

·       Nervenschäden (periphere Neuropathien)

·       Gedächtnisprobleme, evtl. Verwirrtheit

Wird der Mangel chronisch, kann er ernste neurologische und muskuläre Folgen haben. In schweren Fällen kann sich ein Korsakow-Syndrom oder die Wernicke-Enzephalopathie entwickeln – neurologische Notfälle, die insbesondere bei Alkoholabhängigkeit auftreten.

 

Vitamin B1 – Anwendung gegen Krankheiten und Beschwerden

Aus den beschriebenen Auswirkungen von Mangel-Erscheinungen ergeben sich mehrere Krankheiten und Beschwerden, gegen die B1 erfolgreich eingesetzt wird, u. a.:

·       Erschöpfung, Müdigkeit und und chronisches Müdigkeitssyndrom

·       Appetitlosigkeit (bei Mangel)

·       Gedächtnisstörungen (bei Mangelzuständen/Korsakow-Syndrom, präventiv)

·       Herzinsuffizienz (wegen durch Diuretika verursachten Mangels)

·       Hyperemesis gravidarum (schwangerschaftsbedingter Mangel)

·       Alkoholismus-bedingter Mangel (auch präventiv vor Glukosegabe)

·       Dialyse-bedingter Mangel

·       Bariatrische Chirurgie, Folge eines Mangels (z. B. nach Magenbypass)

·       Fibromyalgie

·       Wernicke-Enzephalopathie

·       Diabetische Neuropathie


Hochdosiertes Benfotiamin, eine fettlösliche Vorstufe von B1, wird in der klinischen Praxis z. B. bei Diabetes eingesetzt, da es besser in Nervengewebe aufgenommen wird als wasserlösliches Thiamin (Volvert et al., 2008, Loew, 1996).

 

Vitamin B1 – wer braucht wieviel?⁵

Der tägliche Bedarf liegt laut DGE bei etwa 1,0 1,3 mg für Erwachsene – kann aber je nach Lebensumständen steigen. So haben z. B. Schwangere einen leicht höheren Bedarf.

Personen, die besonders gefährdet sind, einen Mangel zu erleiden

  •  Alkoholkranke (eingeschränkte Aufnahme, gesteigerter Bedarf)
  •  Menschen mit chronischen Darmerkrankungen (z. B. Morbus Crohn)
  • Diabetiker (wg. erhöhten oxidativen Stresses)
  • Schwangere & Stillende
  • Leistungssportler
  • Menschen mit einseitiger Ernährung (z. B. Fast Food, Weißmehl)

  • Auch durch hohen Kaffeekonsum oder Hitze beim Kochen kann Thiamin verloren gehen.

 

Vitamin B1 – Vorkommen in Nahrungsmitteln und Hinweise zur Einnahme⁶ ⁷

Nennenswerte Mengen Thiamins sind vor allem in pflanzlichen Lebensmitteln enthalten:

Vollkornprodukte:

  • Haferflocken (Vollkorn): ca. 0,45 mg/100 g

  • Naturreis (ungekocht): ca. 0,40 mg/100 g

Hülsenfrüchte:

  • Linsen (getrocknet): ca. 0,87 mg/100 g
  • Bohnen (getrocknet, weiß): ca. 0,50 mg/100 g
  • Sonnenblumenkerne: ca. 1,90 mg/100 g
  • Sesam (ungeschält): ca. 0,80 mg/100 g

Weißmehl, polierter Reis und stark verarbeitete Lebensmittel enthalten kaum noch Thiamin – hier kann eine Versorgungslücke entstehen. Diese wiederum kann man mit Nahrungsergänzungsmitteln schließen.

Beim Kauf von Nahrungsergänzungsmitteln sollten Sie auf aktive oder bioverfügbare Formen wie Benfotiamin oder Thiamin-HCl achten und diese am besten morgens mit einer Mahlzeit einnehmen.

Die Kombination mit anderen B-Vitaminen ist sinnvoll (→ Blogbeitrag zum Vitamin-B-Komplex). Eine Hochdosierung (> 50 mg/Tag) sollte nur in Absprache mit medizinischem Fachpersonal erfolgen.

 

FAQ – Häufige Fragen zu Vitamin B1

1. Kann der Körper Vitamin B1 speichern?

Nur in sehr begrenztem Maße: Vitamin B1 wird hauptsächlich in Leber, Herz, Nieren und Muskeln gespeichert – insgesamt etwa 30 mg. Es ist jedoch wasserlöslich und wird über die Nieren ausgeschieden.

2. Wie wirkt sich Alkohol auf den Vitamin-B1-Stoffwechsel aus?

Er hemmt die Aufnahme im Darm, beschleunigt den Abbau in der Leber und erhöht die Ausscheidung über die Nieren. Chronischer Alkoholmissbrauch ist eine der häufigsten Ursachen für klinisch relevante B1-Mangelzustände.

3. Gibt es Wechselwirkungen mit Medikamenten?

Ja, bestimmte Medikamente wie Diuretika (z. B. Furosemid), Antazida, Fluorouracil oder orale Kontrazeptiva können die Aufnahme oder den Abbau von B1 beeinträchtigen. Auch die Langzeiteinnahme von Antibiotika kann durch Veränderungen der Darmflora den Vitamin-B1-Status beeinflussen.

4. Ist eine Überdosierung von Vitamin B1 möglich?

Bei oraler Einnahme sind keine toxischen Effekte bekannt, da überschüssiges Vitamin B1 über den Urin ausgeschieden wird. Auch in hohen Dosen gilt es als sehr gut verträglich. Nur bei intravenöser Gabe sind in seltenen Fällen allergische Reaktionen beschrieben worden. 

5. Welche Symptome können bei Kindern auf einen Vitamin-B1-Mangel hinweisen?

Bei Säuglingen kann sich ein Mangel u. a. durch Apathie, Erbrechen, Herzrasen, Heiserkeit, Trinkunlust äußern. In schweren Fällen droht die infantile Beriberi, eine lebensbedrohliche Form des Mangels.

 

Vitamin B1 – ein kleines Molekül mit großer Wirkung!

Thiamin ist ein Schlüssel-Vitamin für mentale Klarheit, körperliche Leistungsfähigkeit und stabile Nerven. Gerade in stressigen Zeiten oder bei bestimmten Erkrankungen kann der Bedarf deutlich steigen. Wer den Wert dieses Vitamins erkennt, investiert in die Grundlage seiner Energie.

Für weiterführende Informationen lesen Sie gerne unsere anderen Blogbeiträge – auch zu B-Vitaminen – und besuchen Sie unseren Online-Shop. Dort finden Sie auch die Bände unseres Codex Humanus und der Reihe „Medizinskandale“, in denen B-Vitamine ebenfalls thematisiert werden.

 

Quellen:

1 6 https://ods.od.nih.gov/factsheets/Thiamin-HealthProfessional/

 2 7 https://health.clevelandclinic.org/b-vitamin-benefits

 ³ https://www.nhs.uk/conditions/vitamins-and-minerals/vitamin-b/

https://www.merckmanuals.com/professional/nutritional-disorders/vitamin-deficiency-dependency-and-toxicity/thiamin-deficiency

·       Loew, D. (1996): „Pharmacokinetics of thiamine derivatives especially of benfotiamine“, Int. J. Clin. Pharmacol. Ter.

·       Volvert, M.-L. et al. (2008): „Benfotiamine, a synthetic S-acyl thiamine derivative, has different mechanisms of action and a different pharmacological profile than lipid-soluble thiamine disulfide derivatives.“ BMC Pharmacol.     

https://www.dge.de/wissenschaft/referenzwerte/thiamin/