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Singles und Krebs: Haben Alleinstehende ein erhöhtes Risiko für Erkrankungen?

Heute liegt Liebe in der Luft. Zumindest ein bisschen. Denn Studien zeigen, dass der Familienstand bzw. Freundeskreis stärker Auswirkungen auf Krebserkrankungen haben kann als vielfach angenommen.

Erfahren Sie, was über den Zusammenhang zwischen Beziehungen und Krebserkrankungen bekannt istund welche Erkenntnisse auch alleinlebende Personen für sich nutzen können.

 

Zusammenhang zwischen Familienstand und Krebs: Das zeigen die Studien

Eine der größten Analysen zu diesem Thema basiert auf Daten von über einer Million Krebspatientinnen und -patienten (Aizer et al., 2013).

Sie zeigt:

·       unverheiratete Personen werden häufiger in einem fortgeschrittenen Stadium diagnostiziert

·       sie erhalten keine leitliniengerechte Therapie

·       und weisen eine höhere krebsbedingte Sterblichkeit auf.

Populationsbasierte Studien gehen darüber hinaus der Frage nach, ob sich Unterschiede bereits beim Krebsrisiko zeigen. Auch hier finden sich Hinweise darauf, dass dauerhaft alleinstehende Personen ein erhöhtes Risiko für bestimmte Krebserkrankungen haben (Kravdal, 2001).

Der Partnerschaftsstatus ist ein Marker für Unterschiede in Lebensweise und Versorgung. Zwar möchten wir alleinlebenden Personen nicht pauschal eine weniger gesunde Lebensführung unterstellen, doch die Forschung scheint dies gewissermaßen zu tun.

Denn beachtet werden insbesondere:

·       Lebensführung

·       Annehmen von Vorsorge-Angeboten

·       Zugang zum Gesundheitssystem

·       soziale Unterstützung.

 

Zusammenhänge zwischen Lebensstil und Krebsrisiko

Ein wesentlicher Teil der Unterschiede lässt sich durch Verhaltensmuster erklären.

Studien zeigen, dass alleinstehende Personen im Durchschnitt häufiger rauchen oder Alkohol konsumieren, Vorsorge-Angebote aber seltener wahrnehmen. (Sie sind Single? Nehmen Sie diese Angebote trotzdem wahr!)

Diese Faktoren stehen in direktem Zusammenhang mit bestimmten Krebserkrankungen, insbesondere:

·       Lungenkrebs

·       Kopf-Hals-Tumoren

·       Leberkrebs

(Kravdal, 2001).

 

Bedeutung von Früherkennung und Diagnostik

Verheiratete oder in Partnerschaft lebende Menschen nehmen häufiger an Screening-Programmen teil. Vielleicht, weil sie einander gegenseitig motivieren. Dadurch werden Tumoren im Durchschnitt früher erkannt.

Dies trifft häufig zu bei:

·       Brustkrebs

·       Darmkrebs

·       Prostatakrebs

Ein früher Diagnosezeitpunkt verbessert die Prognose erheblich (Osborne et al., 2005).

 

Bedeutung sozialer Unterstützung

Auch im Verhalten nach einer Krebsdiagnose können sich bedeutsame Unterschiede zeigen. Eine Meta-Analyse zeigt, dass soziale Einbindung mit einer geringeren krebsbedingten Sterblichkeit verbunden ist. Als mögliche Erklärung werden u. a. verhaltensbezogene und psychosoziale Faktoren diskutiert, etwa Unterschiede im Umgang mit der Erkrankung und in der Umsetzung medizinischer Maßnahmen (Pinquart & Duberstein, 2010).

 

Beziehungsstatus und Krebserkrankung: Diese Formen stehen im Fokus der Forschung

Es gibt Krebsformen, bei denen Zusammenhänge zwischen einer Erkrankung und dem Beziehungsstatus betroffener Personen besonders häufig erforscht wurde und wird.

Dazu zählen:

·       Brustkrebs

·       Prostatakrebs

·       Darmkrebs

·       Lungenkrebs

·       Kopf-Hals-Tumoren

Hierbei werden signifikante Unterschiede beim Krankheits- und Therapieverlauf – ja, bei den Überlebensraten zugunsten von Personen in einer Partnerschaft im Vergleich zu Alleinstehenden deutlich (Aizer et al., 2013).

 

Fazit: Stabile Bindungen schützen nicht vor Krebs, aber ...

Familie und Freunde können uns in verschiedenen Situationen beobachten. Was manchmal nervt, kann im Falle einer Krebserkrankung zur Früherkennung beitragen. Und in diesem Fall kann die Bedeutung des Rückhalts, den ihr soziales Umfeld auch Singles bieten kann, kaum überbewertet werden! Unterstützung im Alltag oder Schultern zum gelegentlichen Anlehnen festigen die mentale Resilienz, die der Kampf gegen Krebs erfordert.

Es mag abgedroschen klingen, doch gemeinsam sind wir stärker. Es gibt Hilfsangebote und selbst, wenn es manchmal so scheinen mag, wir sind nicht allein.

 

FAQ – So lange werden Zusammenhänge zwischen dem sozialen Umfeld und Krebserkrankungen tatsächlich schon erforscht

1. Seit wann wird der Zusammenhang zwischen Familienstand und Gesundheit untersucht?

Seit den späten 1970er-Jahren. Früh zeigte sich, dass soziale Isolation mit erhöhter Sterblichkeit verbunden ist (Berkman & Syme, 1979).

2. Seit wann wird der Zusammenhang speziell bei Krebs untersucht?

Seit den 1980er- und 1990er-Jahren. Erste Studien zeigten Unterschiede bei Diagnose, Behandlung und Überleben je nach Familienstand (Goodwin et al., 1987; Kravdal, 2001).

 

Viele weitere Informationen zu Krebserkrankungen und deren Therapie können Sie den fünf Bänden unseres „Codex Humanus“ und den Entsprechungen in unserer Reihe „Medizinskandale“ entnehmen. Besuchen Sie gerne unseren Online-Shop. Weitere interessante Fakten auch zu vielen anderen Themen – bieten wir auch in den Beiträgen unseres Blogs.

 

Quellen:

·       Aizer, A. A. et al. (2013): „Marital Status and Survival in Patients with Cancer“, Journal of Clinical Oncology.

·       Kravdal, Ø. (2001): „The Impact of Marital Status on Cancer Survival“, Social Science & Medicine.

·       Osborne, C. et al. (2005): „The Influence of Marital Status on the Stage at Diagnosis, Treatment, and Survival of Older Women with Breast Cancer“, Breast Cancer Research and Treatment.

·       Pinquart, M.; Duberstein, P. R. (2010): „Associations of Social Networks with Cancer Mortality: A Meta-Analysis“, Critical Reviews in Oncology/Hematology.

·       Berkman, L. F.; Syme, S. L. (1979): „Social Networks, Host Resistance, and Mortality: A Nine-Year Follow-Up Study of Alameda County Residents“, American Journal of Epidemiology.

·       Goodwin, J. S. et al. (1987): „The Effect of Marital Status on Stage, Treatment, and Survival of Cancer Patients“, JAMA.