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Hoffnung gegen Rheuma: Ein Blick auf neue Therapie-Ansätze

Laura Chrobok  10.09.2026

Rheumatoide Arthritis gilt bislang als chronische Erkrankung. Moderne Medikamente können die Entzündung bremsen und Gelenkschäden verhindern, doch nicht alle Betroffenen sprechen ausreichend darauf an. Jetzt verfolgt die Forschung einen neuen Ansatz.

Im heutigen Beitrag zeigen wir, was hinter den neuen Immuntherapien steckt, warum von einer Heilung noch nicht gesprochen werden kann und welche natürlichen Substanzen bei rheumatoider Arthritis Linderung verschaffen können.

 

Wenn das Immunsystem die eigenen Gelenke angreift

„Rheuma“ ist ein Sammelbegriff für zahlreiche Erkrankungen.

Dazu zählen:

·       entzündlich-rheumatische Erkrankungen wie rheumatoide Arthritis, Psoriasis-Arthritis, Morbus Bechterew, Kollagenosen oder Vaskulitiden

·       degenerative Gelenkerkrankungen wie Arthrose

·       Stoffwechselerkrankungen mit rheumatischen Beschwerden wie Gicht oder Osteoporose

Heute geht es uns um die rheumatoide Arthritis, eine entzündliche Autoimmunerkrankung.

(Deutsche Rheuma-Liga, 2026)

Das Immunsystem richtet sich dabei gegen körpereigene Strukturen. Es entstehen chronische Entzündungen insbesondere an der Gelenkinnenhaut, die Schmerzen und Schwellungen verursachen und langfristig Knorpel und Knochen schädigen können.

Eine wichtige Rolle spielen dabei B-Zellen. Aus ihnen können Plasmazellen entstehen, die Antikörper produzieren. Bei vielen Rheumapatienten werden dabei auch Autoantikörper gebildet, die sich gegen körpereigene Strukturen richten.

Genau hier setzen (neue) Therapien an.

 

CAR-T-Zellen gegen rheumatoide Arthritis

Im August 2026 veröffentlichten Forscher in der Fachzeitschrift „Nature Medicine“ die Ergebnisse einer Phase-I-Studie mit sechs Patientinnen und Patienten, die an schwerer, therapieresistenter und ACPA-positiver rheumatoider Arthritis litten.

Für die Behandlung wurden körpereigene T-Zellen gentechnisch so verändert, dass sie CD19-positive B-Zellen erkennen und angreifen können. Solche CAR-T-Zellen werden bislang vor allem aus der Krebsmedizin bekannt.

Die sechs Personen wurden nach der Behandlung zwischen 36 und 52 Wochen beobachtet.

Bei allen nahm die Krankheitsaktivität ab. Zum letzten Beobachtungszeitpunkt war der DAS28-CRP – ein Maß für die Krankheitsaktivität – im Median um 34 % gesunken. Drei der sechs Betroffenen erreichten eine Remission nach diesem Kriterium und gleichzeitig eine ACR70-Antwort, also eine deutliche Verbesserung verschiedener Krankheitsmerkmale.

Bemerkenswert waren auch die Veränderungen der Autoantikörper. Vier der sechs Studienteilnehmerinnen und -teilnehmer verloren die untersuchten ACPA gegen mutiertes citrulliniertes Vimentin, bei fünf von sechs war der untersuchte IgM-Rheumafaktor nicht mehr nachweisbar (Albach et al., 2026).

 

Damit ist Rheuma noch nicht heilbar

Sechs Personen bedeuten eine sehr kleine Studiengruppe. Zudem handelt es sich um den nicht randomisierten Phase-I-Teil einer Phase-I/II-Studie. Solche frühen Untersuchungen dienen insbesondere dazu, Sicherheit und Verträglichkeit einer neuen Behandlung zu beurteilen.

Bei allen sechs trat nach der CAR-T-Therapie, wenn auch nur mit Schweregrad I bzw. II, ein Zytokinfreisetzungssyndrom auf. Dabei handelt es sich um eine überschießende Reaktion des Immunsystems, bei der große Mengen Zytokine (entzündungsfördernder Botenstoffe) freigesetzt werden. Mögliche Folgen sind z. B. Fieber, Blutdruckabfall und Kreislaufprobleme. Bei einem Patienten kam es vorübergehend zu einer stärkeren Erhöhung der Leberwerte. Schwere neurologische Nebenwirkungen wurden nicht beobachtet (Albach et al., 2026).

Die Studie zeigt deshalb nicht, dass rheumatoide Arthritis jetzt heilbar ist.

Sie liefert aber einen bemerkenswerten Hinweis darauf, dass eine sehr tiefgreifende B-Zell-Depletion die Krankheitsaktivität bei bislang schwer behandelbaren Patientinnen und Patienten in deutlicher Weise positiv beeinflussen kann.

  

Ein neuer Antikörper verfolgt eine ähnliche Strategie

Parallel zur CAR-T-Forschung wird derzeit ein eigens für B-Zell-vermittelte Autoimmunerkrankungen entwickelter trispezifischer Antikörper namens LBL-051 erstmals an Menschen erprobt.

Der Antikörper soll T-Zellen Betroffener dazu bringen, bestimmte B-Zellen und Plasmazellen anzugreifen.

Ob dieser Ansatz auch beim Menschen funktioniert, soll nun erstmals eine klinische Studie zeigen. An der Phase-I-Studie mit LBL-051 sind das Universitätsklinikum Erlangen und das Johannes Wesling Klinikum Minden beteiligt.

Untersucht wird der Antikörper bei Betroffenen mit therapieresistenten B-Zell-vermittelten Autoimmunerkrankungen, zu denen auch die rheumatoide Arthritis gehört. In Deutschland sind 45 Studienteilnehmerinnen und -teilnehmer vorgesehen (Clinical Trials Information System, 2026; Johannes Wesling Klinikum Minden, 2026).

Die Hoffnungen, die mit dem neuen Therapie-Prinzip verbunden sind, gehen dabei deutlich über eine vorübergehende Linderung der Beschwerden hinaus. Die beteiligte Mindener Studienklinik spricht von einem möglichen „Neustart“ des Immunsystems und von tiefgreifenden, langanhaltenden Remissionen. Auch der Entwickler von LBL-051 verfolgt ausdrücklich das Ziel eines möglichst dauerhaften Immun-Resets und einer anhaltenden medikamentenfreien Remission (Johannes Wesling Klinikum Minden, 2026; Oblenio Bio, 2026).

 

Naturheilkunde bei rheumatoider Arthritis

Einige Substanzen können Beschwerden beziehungsweise Krankheitsparameter günstig beeinflussen:

·       Omega-3- und -6-Fettsäuren

Zu den am besten untersuchten Nahrungsergänzungen bei rheumatoider Arthritis gehören Omega-3-Fettsäuren wie EPA und DHA.

Eine 2024 veröffentlichte Meta-Analyse wertete 18 randomisierte kontrollierte Studien mit insgesamt 1.018 Patientinnen und Patienten aus.

Unter Omega-3-Supplementierung verringerte sich die Zahl druckschmerzhafter Gelenke signifikant. Bei wichtigen Parametern wie CRP, Blutsenkungsgeschwindigkeit und DAS28 ergaben sich dagegen keine statistisch signifikanten Verbesserungen (Wang et al., 2024).

Die Studien liefern Hinweise darauf, dass eine Supplementierung bestimmte Beschwerden günstig beeinflussen kann.

Weniger bekannt ist die Omega-6-Fettsäure Gamma-Linolensäure, kurz GLA. Sie kommt beispielsweise in Borretschöl, Nachtkerzenöl und Schwarze-Johannisbeer-Samenöl vor.

Ein Cochrane-Review untersuchte pflanzliche Therapien bei rheumatoider Arthritis. Sieben der eingeschlossenen Studien beschäftigten sich mit GLA-haltigen Ölen.

Die Auswertung lieferte Hinweise auf eine Verringerung der Schmerzen und eine Minderung körperlicher Einschränkungen. Die Evidenz für die schmerzlindernde Wirkung wurde als moderat bewertet (Cameron et al., 2011).

Die zugrunde liegenden Untersuchungen sind inzwischen vergleichsweise alt, trotzdem gehört GLA zu den natürlichen Substanzen, für die mehrere kontrollierte klinische Untersuchungen bei rheumatoider Arthritis vorliegen.

·       Ingwer

Auch Ingwer wurde bei rheumatoider Arthritis untersucht. In einer randomisierten, doppelblinden, placebokontrollierten Studie mit 70 Patientinnen und Patienten mit aktiver rheumatoider Arthritis erhielten die Teilnehmer zwölf Wochen lang täglich 1,5 Gramm Ingwerpulver oder ein Placebo. Dabei zeigten sich in der Ingwergruppe Veränderungen verschiedener an Entzündungs- und Immunprozessen beteiligter Gene. Im Vergleich zur Placebogruppe ging auch die Krankheitsaktivität signifikant zurück (Aryaeian et al., 2019).

 

Fazit: Neue Wege gegen Rheuma

Die aktuelle Forschung zeigt, wie sehr sich die Behandlung der rheumatoiden Arthritis verändern könnte.

Die neue CAR-T-Studie liefert bei sechs schwer erkrankten Patienten bemerkenswerte Ergebnisse: Bei allen ging die Krankheitsaktivität zurück, drei erreichten nach dem verwendeten Kriterium eine Remission und bei mehreren verschwanden bestimmte Autoantikörper.

Ob solche Ergebnisse dauerhaft bestehen bleiben und sich bei größeren Patientengruppen bestätigen lassen, muss untersucht werden.

Beim LBL-051 sind die präklinischen Ergebnisse interessant und die erste Humanstudie läuft – ein Wirksamkeitsnachweis beim Menschen steht jedoch noch aus.

Auch die Naturheilkunde hat bei rheumatoider Arthritis wissenschaftlich untersuchte Möglichkeiten. Am interessantesten sind derzeit Omega-3-Fettsäuren und GLA.

Damit treffen zwei sehr unterschiedliche Ansätze aufeinander: Die neue Immunmedizin versucht, tief in die Autoimmunreaktion einzugreifen. Naturstoffe können nach bisherigem Kenntnisstand vor allem unterstützend bestimmte Beschwerden beeinflussen.

 

FAQ – häufig gestellte Fragen zu rheumatoider Arthritis

1. Ist rheumatoide Arthritis heilbar?

Bislang gilt rheumatoide Arthritis als chronische Erkrankung. Eine Remission mit sehr geringer oder nicht mehr messbarer Krankheitsaktivität ist jedoch möglich. Ob neue Zell- und Immuntherapien künftig länger anhaltende medikamentenfreie Remissionen ermöglichen, wird derzeit untersucht.

2. Was ist der Unterschied zwischen CAR-T-Zellen und LBL-051?

Bei einer CAR-T-Therapie werden körpereigene T-Zellen entnommen und gentechnisch verändert. LBL-051 ist dagegen ein Antikörper, der vorhandene T-Zellen im Körper gegen bestimmte B-Zellen beziehungsweise Plasmazellen richten soll.

3. Können Naturstoffe Rheumamedikamente ersetzen?

Dafür gibt es keine belastbaren wissenschaftlichen Belege. Eine unzureichend behandelte rheumatoide Arthritis kann dauerhafte Gelenkschäden verursachen. Naturheilkundliche Maßnahmen sind daher als mögliche Ergänzung, nicht als eigenmächtiger Ersatz einer notwendigen krankheitsmodifizierenden Behandlung zu verstehen.

 

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Quellen:

·       Deutsche Rheuma-Liga (2026): „Ist es Rheuma?“, Deutsche Rheuma-Liga Bundesverband.

·       Albach, F. N. et al. (2026): „CD19 CAR T Cell Therapy for Treatment-Refractory Seropositive Rheumatoid Arthritis: A Phase 1 Trial“, Nature Medicine.

·       Clinical Trials Information System (2026): „A Phase 1 Study of LBL-051 in Patients with Refractory Autoimmune Disease“, Clinical Trials Information System, EU CT 2026-525621-20-00.

·       Johannes Wesling Klinikum Minden (2026): „Klinische Studien der Klinik für Rheumatologie“, Mühlenkreiskliniken.

·       Oblenio Bio (2026): „Oblenio Announces First Patients Dosed in Innovative Phase 1a Trial of LBL-051 in Refractory Autoimmune Diseases“, Pressemitteilung.

·       Wang, W. et al. (2024): „Effects of Omega-3 Supplementation on Lipid Metabolism, Inflammation, and Disease Activity in Rheumatoid Arthritis: A Meta-analysis of Randomized Controlled Trials“, Clinical Rheumatology.

·       Cameron, M.; Gagnier, J. J.; Chrubasik, S. (2011): „Herbal Therapy for Treating Rheumatoid Arthritis“, Cochrane Database of Systematic Reviews.

·       Aryaeian, N. et al. (2019): „The Effect of Ginger Supplementation on Some Immunity and Inflammation Intermediate Genes Expression in Patients with Active Rheumatoid Arthritis“, Gene.


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