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Cordyceps militaris: Die nachhaltige Alternative zu Cordyceps sinensis – mit großer Wirkung

Cordyceps ist vielen Menschen durch den legendären Cordyceps sinensis ein Begriff, der in der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) seit Jahrhunderten hochgeschätzt wird. Doch dieser Pilz ist extrem selten, steht unter Naturschutz und wird zu Preisen gehandelt, die ihn für die meisten unerschwinglich machen. Im Gegensatz dazu ist Cordyceps militaris leicht kultivierbar, ökologisch unbedenklich, enthält aber die gleichen Schlüsselinhaltsstoffe. Moderne Forschung zeigt, dass er nicht nur eine erschwingliche Alternative ist, sondern sogar ein Vitalpilz, der wissenschaftlich teils besser erforscht ist.

In diesem Beitrag erfahren Sie u. a., welche Wirkstoffe im Mittelpunkt stehen, welche gesundheitlichen Effekte in Studien dokumentiert sind, in welchen Formen Cordyceps erhältlich ist und worauf Sie bei der Einnahme achten sollten.

 

Die Kultivierung des Cordyseps militaris – Laborarbeit statt Raupensammlung

Der berühmte Cordyceps sinensis wächst auf Insektenlarven im tibetischen Hochland und wurde traditionell als „Winterwurm-Sommergras“ bezeichnet. Diese natürliche Symbiose macht ihn extrem selten und teuer. Die Ernte ist sehr arbeitsintensiv: Sammler verbringen oft Wochen in großer Höhe, kriechen über Grasländer, um die wenigen, oft nur wenige Millimeter langen Fruchtkörper zu finden und unbeschädigt zu bergen. Zudem sind die Populationen wegen übermäßiger Ernte und ungünstiger Klimaveränderungen rückläufig. Erhebungen berichten von sinkender Ausbeute pro Sammler und genereller Knappheit (Hopping, et al., 2018).

Cordyceps militaris dagegen kann unabhängig von Wirtsorganismen kultiviert werden. Ferste Kulturmedien sind häufig Getreide wie Reis, Hirse oder Weizen. In Flüssigkulturen kommen Nährlösungen – z. B. mit Glukose, Pepton oder Hefextrakt – zum Einsatz. Für industrielle Verarbeitung werden oft Bioreaktoren genutzt, da diese eine standardisierte und reproduzierbare Qualität liefern.

Diese Methoden erlauben eine kontrollierte Produktion großer Mengen der bioaktiven Inhaltsstoffe (wie Cordycepin und Adenosin) und der Myzelien (was die „vegetativen Körper“ der Pilze sind). Somit werden Cordyceps-Produkte zu erschwinglichen Preisen und in standardisierter Qualität einem breiten Publikum zugänglich gemacht (Jędrejko et al., 2021).

Das Myzel ist ein weiße bis orangefarbene Geflecht aus dünnen Fäden (Hyphen), das im Inneren des Nährbodens, sozusagen im Kopf einer Keule, wächst (daher die Bezeichnung „militaris“). Der Fruchtkörper ist ein orangefarbenes Stroma. Bleibt man bei der Keulen-Metapher, handelt es sich dabei um die Stiele, in denen Ascosporen (Sporen zur Fortpflanzung) gebildet werden.

 

Die medizinische Nutzung

Cordyceps militaris enthält ...

... eine Vielzahl pharmakologisch relevanter Substanzen, die für seine Wirkungen verantwortlich sind:

·       Cordycepin (3’-Desoxyadenosin) beeinflusst zelluläre Signalwege und zeigt antioxidative, antientzündliche und immunmodulierende Effekte (Peng et al., 2024; Ashraf et al., 2020; Radhi et al., 2021).

·       Polysaccharide wirken antioxidativ, regulieren Lipidstoffwechsel und Immunantworten (Yu et al., 2021; Liu et al., 2023).

·       Sterole und Peptide ergänzen die antioxidativen und immunmodulierenden Eigenschaften (Jędrejko et al., 2021).

·       Triterpene tragen zur entzündungshemmenden und antithrombotischen Wirkung bei (Kwon et al., 2016).

Cordyceps militaris wirkt ...

·       antioxidativ, schützt Zellen vor oxidativem Stress, u. a. in Speicheldrüsenzellen (Jaiboonma et al., 2020)

·       entzündungshemmend und verbessert Immunfunktionen (Kang et al., 2015; Dubhashi et al., 2023)

·       antitumoral indem es in Zell- und Tierversuchen antiproliferative Effekte zeigt (Radhi et al., 2021).

·       immunmodulierend, was sich in klinischen Studien mit gesunden Probanden zeigte (Kang et al., 2015).

·       kardioprotektiv bei Herzrhythmusstörungen (Wang et al., 2022).

·       blutzuckerregulierend und stoffwechselaktiv (Liu et al., 2023; Jang et al., 2022).

·       leistungssteigernd, da es die Belastungstoleranz bei intensivem Training erhöht (Hirsch et al., 2017).

In der konventionellen Medizin wird Cordyceps militaris bislang nicht als reguläres Therapeutikum eingesetzt – vor allem mit dem Hinweis auf fehlende groß angelegte, placebokontrollierte Studien am Menschen.

Dennoch greifen naturheilkundlich orientierte Ärztinnen, Ärzte und Heilpraktiker auf Cordyceps zurück, um schulmedizinische Therapien zu ergänzen oder die Lebensqualität zu verbessern.

 

Darreichungsformen – traditionell und modern

·       Tee (Dekokt): Pulver oder getrocknete Fruchtkörper werden in heißem Wasser aufgekocht, um Cordycepin und Polysaccharide zu lösen (Ashraf et al., 2020).

·       Pulver: Gemahlener Cordyceps militaris als Zutat für Getränke oder Speisen (Jędrejko et al., 2021).

·       Extrakte: Wasser- oder alkohollösliche Konzentrate mit standardisiertem Wirkstoffgehalt (Radhi et al., 2021).

·       Kapseln/Tabletten: Praktische Darreichungsform mit definierten Mengen an Cordycepin und Polysacchariden (FDA, 2021).

Tees und andere Darreichungsformen können aus Fruchtkörper oder Myzel hergestellt werden, mit im Ergebnis unterschiedlichen Wirkstoffen und Wirkstoffmengen. Während – wie auch beim Chaga – Tees oder Pulver die Nähe zum traditionellen Konsum bewahren, bieten Extrakte oder Kapseln eine gleichmäßigere Dosierung.

 

Hinweise zur Einnahme

Cordyceps militaris gilt insgesamt als gut verträglich. Dennoch gibt es Aspekte, die beachtet werden sollten:

  •       Wechselwirkungen mit blutverdünnenden Medikamenten sind möglich (Hatfield et al., 2022).
  •       Magen-Darm-Beschwerden wurden gelegentlich beschrieben (NCCIH, 2021).

  •    Lebertoxische Reaktionen nach Cordyceps-Produkten sind in Einzelfällen dokumentiert (Thurian et al., 2022).

 

FAQ – Häufige Fragen zu Cordyceps militaris

1. Ist Cordyceps militaris für den täglichen Gebrauch geeignet?

Ja, in moderatem Mengen. Fachleute empfehlen jedoch, Pausen einzulegen und ihn nicht über längere Zeiträume in hohen Mengen zu konsumieren.

2. Welche Dosierungen sind effektiv?

In Humanstudien wurden Dosierungen von 1 – 3 g Cordyceps-militaris-Extrakt pro Tag verwendet. So führte beispielsweise eine vierwöchige Einnahme von täglich 1,5 g zu einer verbesserten Belastungstoleranz während intensiven Trainings (Hirsch et al., 2017). Eine weitere Studie zeigte eine gesteigerte Immunfunktion bei 3 g pro Tag (Kang et al., 2015). Für Cordycepin, die Schlüsselsubstanz, erwiesen sich in Tiermodellen bereits geringere Mengen als wirksam, jedoch ist für den Menschen bislang noch keine exakte Standarddosierung festgelegt (Radhi et al., 2021).

3. Wie schmeckt Cordyceps-militaris-Tee?

Der Tee hat einen milden, leicht süßlichen und nussigen Geschmack, der oft als etwas getreidig-pilzartig beschrieben wird. Im Gegensatz zu Chaga, der eher eine erdig-vanilleartige Note hat, erinnert C. militaris geschmacklich stärker an klassische Speisepilze – allerdings ohne aufdringlich zu wirken. Dadurch lässt er sich gut pur trinken oder mit Kräutertees kombinieren.

4. Kann Cordyceps militaris beim Abnehmen helfen?

Tier- und Modellstudien deuten auf günstige Effekte auf den Fettstoffwechsel hin. Für Menschen fehlen aber noch eindeutige Belege.

5. Ist Cordyceps militaris für Kinder und Schwangere geeignet?

Zur Anwendung von Cordyceps militaris bei Kindern, Schwangeren und Stillenden gibt es bislang keine ausreichenden wissenschaftlichen Daten. Daher ist diesen Personengruppen eine Anwendung nur nach Rücksprache mit medizinischem Fachpersonal zu empfehlen.

 

Cordyceps militaris – Tradition neu gedacht

Cordyceps-Produkte sind in der EU und den USA nicht als Arzneimittel, sondern als Nahrungsergänzungsmittel zugelassen, doch Cordyceps militaris vereint jahrhundertealte Heiltradition mit moderner Forschung. Ob antioxidativ, entzündungshemmend, immunstärkend oder leistungssteigernd – die Potenziale sind immens!

Weitere detaillierte Informationen, etwa zu den Wirkmechanismen und Anwendungsmöglichkeiten der Heil- bzw. Vitalpilze, können Sie den Einzelbeiträgen in unserem Blog entnehmen, die in Kürze folgen werden. Dort finden Sie auch Informationen zu vielen anderen Naturheilmitteln. Besuchen Sie außerdem gerne unseren Online-Shop, denn Naturheilsubstanzen werden auch in den Bänden unseres „Codex Humanus“ und der Reihe „Medizinskandale“ thematisiert.

 

Quellen:

  • Hopping, K. A. et al. (2018): „The demise of caterpillar fungus in the Himalayan region due to climate change and overharvesting“, Proc Natl Acad Sci U S A.

  • Jędrejko, K. J. et al. (2021): „Cordyceps militaris: an overview of its chemical constituents in relation to biological activity“, Foods.

  • Peng, T. et al. (2024): „Advances in biosynthesis and metabolic engineering strategies of cordycepin“, Front Microbiol.

  • Ashraf, S. A. et al. (2020): „Cordycepin for health and wellbeing: A potent bioactive metabolite of an entomopathogenic Cordyceps medicinal fungus and its nutraceutical and therapeutic potential“, Molecules.

  • Radhi, M. et al. (2021): „A systematic review of the biological effects of cordycepin“, Molecules.

  • Yu, W. Q. et al. (2021): „Polysaccharide CM1 from Cordyceps militaris hinders adipocyte differentiation and alleviates hyperlipidemia in LDLR(+/-) hamsters“, Lipids Health Dis.

  • Liu, X. et al. (2023): „Cordyceps militaris extracts and cordycepin ameliorate type 2 diabetes mellitus by modulating the gut microbiota and metabolites“, Front Pharmacol.

  • Kwon, H. W. et al. (2016): „Antiplatelet and antithrombotic effects of cordycepin-enriched WIB-801CE from Cordyceps militaris ex vivo, in vivo, and in vitro“, BMC Complement Altern Med.

  • Jaiboonma, A. et al. (2020): „Cordycepin attenuates salivary hypofunction through the prevention of oxidative stress in human submandibular gland cells“, Int J Med Sci.

  • Kang, H. J. et al. (2015): „Cordyceps militaris enhances cell-mediated immunity in healthy Korean men“, J Med Food.

  • Dubhashi, S. et al. (2023): „Early trends to show the efficacy of Cordyceps militaris in mild to moderate COVID inflammation“, Cureus.

  • Wang, L. et al. (2022): „Bidirectional regulatory effects of Cordyceps on arrhythmia: Clinical evaluations and network pharmacology“, Front Pharmacol.

  • Jang, D. et al. (2022): „System-level investigation of anti-obesity effects and the potential pathways of Cordyceps militaris in ovariectomized rats“, BMC Complement Med Ther.

  • Hirsch, K. R. et al. (2017): „Cordyceps militaris improves tolerance to high-intensity exercise after acute and chronic supplementation“, J Diet Suppl.

  • U.S. Food and Drug Administration (2021): „FDA 101: Dietary supplements“:

https://www.fda.gov/consumers/consumer-updates/fda-101-dietary-supplements